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Einzug in neues Gehege für Wildkatzen im Wildtierpark Edersee

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Von: Cornelia Höhne

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Scheu: Wildkatze Wilma im neuen Gehege im Wildtierpark Edersee.
Scheu: Wildkatze Wilma im neuen Gehege im Wildtierpark Edersee. © Wildtierpark/pr

Nach siebenmonatiger Bauzeit wurde das neue Wildkatzengehege im Wildtierpark Edersee in Betrieb genommen.

Edertal-Hemfurth/Edersee – Die dreizehn Jahre alte Wildkatze Wilma ist vorerst die einzige Bewohnerin des 250 000 Euro teuren Domizils.

„In Europa heimisch, aber zugleich sehr heimlich“

Gäste der Nationalpark-Einrichtung können über einen barrierefreien Besuchersteg auf Beobachtungstour gehen. Oft braucht es aber Ausdauer, bis die Wildkatze zwischen grünem Laub und Baumstämmen entdeckt wird, sagt Parkleiter Rönitz.

„Die Wildkatze ist eine spektakuläre Art unserer Heimat und die einzige Katzenart, die in Europa heimisch ist, aber zugleich sehr heimlich ist“, sagte Carsten Wilke, Abteilungsleiter Wald und nachhaltige Forstwirtschaft des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Mit dem barrierefreien, überdachten Besuchersteg in Holzbauweise überzeuge das neue Gehege im Wildtierpark optisch und auch funktionell.

Barrierefrei auch mit Rollstuhl oder E-Scooter zu erreichen

Auch Menschen mit Rollstuhl oder E-Scooter können nah an die Tiere heranfahren und bekommen Einblicke ins Gehege. Auf 1900 Quadratmetern werde Wildkatzen viel Platz geboten mit zahlreichen Kletter- und Versteckmöglichkeiten. Der Besuch bei Wildkatze und anderen heimischen Tierarten soll Erlebnis und Wissen vermitteln.

Wildkatze Wilma lebt vorerst noch allein im neuen Gehege. „Wir hoffen, dass wir den Besuchern schon bald weitere Wildkatzen präsentieren können“, sagt Manuel Schweiger, Leiter des Nationalparks Kellerwald-Edersee. Die Chancen stünden gut, dass in naher Zukunft junge Wildkatzen aus einem anderen Park hinzu kommen.

Vor Einzug der neuen Jungkatzen müsse das Gehege dann aber unterteilt werden, weil Wildkatzen eigentlich Einzelgänger sind und sich nicht vergesellschaften lassen. Deshalb müssen die neuen Katzen auch miteinander verwandt sein – im Idealfall Schwestern oder eine Katzenmutter mit weiblichen Jungtieren.

41 Wildkatzen im Nationalpark Kellerwald-Edersee nachgewiesen

Da nicht gezüchtet werden soll wurde bereits in der Vergangenheit Schwesternhaltung betrieben. Das habe sich bewährt. Auch Wilma kam seinerzeit mit ihren Schwestern – die inzwischen gestorben sind – in den Wildtierpark Edersee.

Symbolisch das Absperrband durchtrennt: Bürgermeister Klaus Gier, Nationalparkleiter Manuel Schweiger und Carsten Wilke vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft, Verbraucherschutz (von links).
Symbolisch das Absperrband durchtrennt: Bürgermeister Klaus Gier, Nationalparkleiter Manuel Schweiger und Carsten Wilke vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft, Verbraucherschutz (von links). © Cornelia Höhne

Laut Schweiger werde im Nationalpark seit Anfang der 2000-er Jahre Wildkatzen-Monitoring betrieben. Seit 2007 werden Wildkatzen nachgewiesen, aktuell 41 Individuen im Großschutzgebiet. „Das ist unser geheimes Wappentier.“

In Nachbarschaft zu Luchs und Wolf

Das ehemalige Wildkatzengehege im Park war sehr baufällig, deswegen musste eine neue Lösung gefunden werden, sagte Edertals Bürgermeister Klaus Gier, Vorsitzender des 700 Mitglieder zählenden Fördervereins Wildtierpark. „Mit dem neuen Gehege-Standort in unmittelbarer Nachbarschaft zu Luchs und Wolf ist es nun auch konzeptionell gelungen, die größeren Beutegreifer unserer heimischen Wälder zu vereinen.“

Gier zeigte sich zufrieden über die stete Weiterentwicklung des Wildparks. Nach Aussichtsplattform und Wildbienenprojekt sei nun das Domizil für Wildkatzen die neueste Errungenschaft.

Scheuer Waldbewohner mit auffallendem Schwanz

Die Europäische Wildkatze ist extrem scheu und lebt bevorzugt in großen, ruhigen und älteren Wäldern. Auffallend ist die verwaschene Fellzeichnung und der buschige Schwanz mit drei schwarzen Kringeln und schwarzer Spitze. Mäuse sind bevorzugte Beute der Dämmerungs- und Nachtjäger, informiert der Wildtierpark auf Hinweistafeln.

Wildkatzen waren in Deutschland fast ausgerottet, die Bestände haben sich inzwischen erholt. Größte Gefahren sind intensive Landnutzung, die Zersiedelung der Landschaft und Verkehrstod. Wildkatzen können ein Gewicht von 2,5 bis 8 Kilogramm erreichen. Die durchschnittliche Lebensdauer in Gefangenschaft beträgt etwa 15 Jahre. (Cornelia Höhne)

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