Verantwortung für den Wald

Neues Jagdgesetz soll die Bäume in Hessen besser schützen

Auch der Wald rund um Bad Arolsen hat durch Stürme, Trockenheit und Schädlingsbefall viele Kahlflächen.
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Auch der Wald rund um Bad Arolsen hat durch Stürme, Trockenheit und Schädlingsbefall viele Kahlflächen.

Im November hat das Bundeskabinett einer Gesetzesnovelle zur Änderung des Bundesjagdgesetzes zugestimmt. Die neuen Regelungen sind die erste größere Reform seit 1976. Zum ersten Mal sollen Waldbesitzer und Jäger gemeinsam für Wald und Wild Verantwortung übernehmen. Darüber sprachen wir mit Waldbesitzer Prinz Carl-Anton zu Waldeck und Pyrmont.

Der Wald hat sich durch Stürme, Trockenheit und Schädlingsbefall sehr stark verändert. Der Hessische Waldbesitzerverband schätzt, dass im Durchschnitt sieben Prozent der Waldflächen im hessischen Privat- und Kommunalwald in den vergangenen beiden Jahren entwaldet wurden. Es sind zum Teil riesige Kahlflächen entstanden, auf denen neuer, widerstandsfähiger Wald heranwachsen muss. Doch der Nachwuchs, die kleinen Triebe, hat schlechte Chancen groß zu werden. Der Wildbestand ist hoch, Rehe und Hirsche verbeißen die Knospen und Triebe junger Bäume, und viele Mischbaumarten gehen auf diese Weise innerhalb weniger Jahre verloren.

Überall um Bad Arolsen sieht man jetzt Buchen mit den für den Schleimfluss typischen Flecken an den Stämmen. Eine für Laien schwer zu erkennende Krankheit, die dazu führt, dass sich die Krone ausdünnt, die Blätter frühabfallen und der Baum schließlich stirbt.

Mit dem neuen Jaggesetz soll die Wiederbewaldung und der Waldumbau gelingen, wenn der Wildbestand angemessen angepasst ist. Für Waldbesitzer, Pächter und Jäger heißt das: sie müssen in Zukunft gemeinsam über Abschussraten entscheiden. Das Fürstenhaus Waldeck- Pyrmont bewirtschaftet mit dem „Fürstlich Waldeckschen Forstamt Arolsen“ eine Betriebsfläche von etwa 3.300 Hektar. Bekannt ist der fürstliche Wald vor allem durch seinen Buchenbestand, der in großen Teilen mehr als 120 Jahre alt ist.

Prinz Carl Anton zu Waldeck und Pyrmont, Präsidiumsmitglied des Hessischen Waldbesitzerverbandes, sieht darin eine große Chance für Waldbesitzer, die forstlichen Interessen besser umsetzen zu können. Prinz Carl Anton: „Pächter und Jäger haben andere Interessen und hatten bisher großen Einfluss auf das Eigentum anderer. Aber auch der Eigentümer kann selbst Jäger sein. Jetzt will sich der Staat weitgehend aus der Abschussplanung für das Rehwild zurückziehen. Waldeigentümer und Jagdpächter sollen nun selbst Ober- und Untergrenzen festlegen und im Jagdpachtvertrag vereinbaren. Die Wildbestände sollten so angepasst werden, dass das Wachsen der jungen Bäume möglich ist.“

Carl-Anton Prinz zu Waldeck und Pyrmont.

Aber nicht alle Jagdpächter gefalle dieser Gesetzesteil. „Waldumbau mit dem Gewehr geht nicht“ oder „Jäger dürfen nicht zu reinen Erfüllungsgehilfen für Förster werden“ oder „eine fachlich unsägliche und ewig gestrige Strategie des Totschießens“, heißt es von Seiten der verschiedenen Jagdverbände. Wie so oft bei Gesetzesänderungen, ist Streit zwischen allen Beteiligten zu erwarten. Prinz Carl Anton zu Waldeck und Pyrmont ist dennoch zuversichtlich: „Jäger sind ja nicht nur Pächter, sie sind auch Partner, viele sind gesprächsbereit und verstehen das Wald-Wild-Problem. Außerdem soll im Streitfall ein Vegetationsgutachten und eine Lebensraumanalyse des Rehwildes die Grundlage für die Einigung sein.“

Gegen andere Gesetzesbestandteile regt sich weniger Widerstand. So wird unter anderem das jagdrechtliche Verbot für Nachtzieltechnik und für Infrarotaufheller bei der Jagd auf Schwarzwild aufgehoben, um die Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest zu erleichtern. Ein bundesweiter Schießübungsnachweis für Gesellschaftsjagden wird eingeführt und die Jäger- und Falknerprüfung vereinheitlicht. Das umweltschädliche Blei in der Büchsenmunition wird minimiert, und eine Modernisierung der Jägerausbildung ist geplant.

„Das Jagdrecht wird moderner und es tangiert mehr und mehr Bereiche unseres Lebens. Die Jagd kann vor allem in der Praxis nicht losgelöst von der Land- und Forstwirtschaft gesehen werden“, erklärt Prinz Carl Anton zu Waldeck und Pyrmont und betont: „Wir alle, Waldbesitzer, Jäger und Politik müssen dringend handeln, damit sich der Wald nicht nur erholt, sondern für die nächsten Generationen auch wieder wachsen kann“. /Barbara Liese

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