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Öfen knapp, Holz teuer: Energiekrise sorgt für enorme Nachfrage

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Von: Martina Biedenbach

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Symbolbild © Foto: PantherMedia / Antje Lindert-Rottke

Die Energiepreise steigen, die Sorgen um Gasmangel auch – jetzt suchen viele Menschen in der Region nach alternativen Heizmöglichkeiten.

Waldeck-Frankenberg – Die Nachfrage nach Holzöfen ist stark gestiegen, sagt Siegfried Becker (Twiste), Obermeister der für Nordhessen zuständigen Schornsteinfegerinnung Kassel. Parallel dazu steigen auch Nachfrage und Preis beim Brennholz enorm. Mittlerweile lägen die Lieferzeiten für Öfen bei bis zu einem Jahr, sagt Becker, weshalb viele zu Öfen aus dem Baumarkt greifen würden. Aber der Schornsteinfeger sagt: „Wer billig kauft, kauft zwei Mal.“ Und: Wer sich einen Ofen einbauen lassen möchte, muss dies vorher vom Schornsteinfeger prüfen lassen.

Ein Grund für den Liefermangel sei die schon vor der aktuellen Energiekrise gestiegene Nachfrage. Denn laut Bundesimmissionsschutzgesetz müssen ältere Kaminöfen bis Ende 2024 ausgetauscht werden, die Grenzwerte für Feinstaub, Kohlenmonoxid und andere Luftschadstoffe nicht erfüllen.

Ältere Kamine austauschen

Gemäß Bundesimmissionsschutzgesetz müssen Kamin- und Kachelöfen, Herde und offene Kamine Emissionsgrenzwerte für Staub und Kohlenmonoxid einhalten. Das Verfeuern mit Holz gelte als Quelle für Feinstaub und andere Luftschadstoffe, teilt das Bundesumweltministerium mit. Bis Ende 2024 müssen die Feuerstellen ausgetauscht werden, die zwischen Januar 1995 und 21. März 2010 in Betrieb gegangen sind und die gesetzlich vorgeschriebenen Werte nicht einhalten.

„Aufträge für Austausch oder Umrüstung von Öfen und Kaminen haben schon vor dem Ukraine-Krieg für volle Auftragsbücher gesorgt“, sagt der Korbacher Ofenbaumeister Tobias Pelz. Eine so starke Nachfrage nach Holzhöfen wie aktuell habe er im Sommer aber noch nicht erlebt. „Die Leute möchten eine zusätzliche Heizquelle im Haus haben. Viele bestellen gezielt Holzöfen, auf denen man auch kochen kann“, sagt Pelz. Er selbst habe vorgesorgt und Öfen auf Lager und weitere bestellt.

Die hohe Nachfrage nach Holzöfen verursacht auch einen Ansturm auf Brennholz, das in der Region inzwischen zu einem knappen und teuren Gut geworden ist. Die Preise im Brennholzhandel in Nordhessen reichen für einen Schüttraummeter Holz von 100 bis 145 Euro. Brennholzhändler und Hessen-Forst können sich dennoch vor Anfragen kaum retten.

Forstverwaltungen haben auf gestiegene Nachfrage reagiert

Eine enorme Nachfrage nach Brennholz aufgrund des Ukraine-Krieges und der damit verbundenen Energiekrise verbuchen auch die heimischen Forstämter Frankenberg-Vöhl und Burgwald sowie die Kommunalwald-GmbH Waldeck-Frankenberg. „Die Nachfrage steigt landesweit, in manchen Forstämtern um bis zu 200 Prozent“, sagt Christina Lorey, stellvertretende Leiterin des Forstamts Burgwald. Die Preise seien im Vergleich zum Vorjahr bereits um etwa ein Viertel gestiegen.

Die angefragte Menge übersteige deutlich das, was nachhaltig genutzt werden könne, schildert Dr. Britta Winterhoff von Hessen-Forst in Kassel. Aber auch in den Jahren vor dem Krieg habe sich der Mangel an Industrieholz schon gezeigt. Die Situation habe sich seit Jahresanfang noch verschärft, da im Staatswald ein Einschlagsstopp in über 100-jährigen Buchenbeständen gelte. „Hintergrund dafür sind die starken Absterbe-Erscheinungen der Buchen durch die Dürrejahre 2018 bis 2020“, erläutert die Expertin.

„Die Nachfrage steigt landesweit, in manchen Forstämtern um bis zu 200 Prozent.“

Christina Lorey, stellvertretende Leiterin des Forstamts Burgwald

Aufgrund der hohen Nachfrage hat Hessen-Forst jetzt die Menge für Brennholz aus dem Wald auf zehn Festmeter pro Haushalt begrenzt. Auch die Abgabemenge an Brennholz-Händler werde reduziert. Dies gelte für den Staatswald. In den Kommunalwäldern laufe es individuell.

Dazu sagt Hendrik Block von der Kommunalwald-GmbH Waldeck-Frankenberg: „Wir werden versuchen, so viele regionale Kunden wie möglich zu versorgen und das Brennholz nach Möglichkeit ortsnah zur Verfügung zu stellen. Bei der großen Nachfrage wird es auch bei uns eine Deckelung der Bestellmenge geben müssen.“

Block weist darauf hin, dass die Kommunalwald für Endkunden kein ofenfertiges Holz zur Verfügung stelle, sondern an den Forstweg gerückte Stämme zum Selber-einschneiden und -spalten anbiete. „Das Holz muss dann ja noch mindestens ein Jahr trocknen, damit es sinnvoll im Ofen verheizt werden kann. Das bei uns – ab September über unsere Online-Plattform – bestellbare Laub- oder Nadelholz wird über den Winter eingeschlagen und dann den Kunden bereitgestellt. Es kann also frühestens im nächsten Winter verheizt werden.“

Der Preis im Herbst könne noch nicht genau festgelegt werden. Eine deutliche Steigerung im Vergleich zum vergangenen Jahr sei, vor dem Hintergrund der insgesamt gestiegenen Preise für Holz sowie des starken Anstieges der Preise für Energieträger, zu erwarten. Block betont: „Die derzeitige Situation zeigt, wie wichtig die nachhaltige Produktion des wertvollen Rohstoffes Holz in Deutschland ist.

Auch Christina Lorey vom Forstamt Burgwald betont diesen Aspekt. „Die Energiekrise hat auch Einfluss auf die Entwicklung des Brennholzmarkts. Leider ist auch Brennholz nicht unendlich verfügbar. Auch wenn Holz ein nachwachsender Rohstoff ist, steht es in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald zwar stetig, aber in der Summe nur begrenzt zur Verfügung. Das bedeutet: Es fällt zwar jedes Jahr Brennholz an, aber nur in einer bestimmten Menge. Einen Wald nachhaltig zu bewirtschaften heißt, nicht mehr zu ernten als nachwächst.“

Und zur Frage, ob es ausreichend Brennholz geben wird, sagt sie: „Holz als Energielieferant kann nur ein Baustein in einem Energiemix sein. Wichtig ist, dass kein Holz, Brennholz oder Pellets aus nicht nachhaltig bewirtschafteten, nicht zertifizierten Wäldern importiert wird.“

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