Kreis sucht regionalen Akteur zur Umsetzung – Besserer Verdienst für Schäfer

Waldeck Frankenberg: Öko-Dünger aus Schafwolle

Ökolandbau im Fokus: Derzeit kümmert sich Projektkoordinatorin Jessica Albers um das Netzwerk Streuobst und um ein Projekt, bei dem aus Schafwolle Düngepellets gepresst werden. Im Glas sind Wolle und Pellets zu sehen.
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Ökolandbau im Fokus: Derzeit kümmert sich Projektkoordinatorin Jessica Albers um das Netzwerk Streuobst und um ein Projekt, bei dem aus Schafwolle Düngepellets gepresst werden. Im Glas sind Wolle und Pellets zu sehen.

Etwa 12 000 Schafe gibt es im Landkreis, doch für die rund 450 Schäfer ist die Haltung eher ein Hobby, denn: Geld verdienen lässt sich damit kaum. Ein Projekt im Rahmen der Ökomodellregion im Landkreis will das jetzt ändern.

Waldeck-Frankenberg - Schafe sind für Jessica Albers die sprichwörtlichen „eierlegenden Wollmilchsäue“. Sie geben Wolle, kommen zum Einsatz als Landschaftspfleger und das Fleisch lässt sich essen. Allerdings: „Schaffleisch wird kaum nachgefragt, historisch gewachsen hat es eher einen schlechten Ruf. Wenn, dann kommt es eher aus Neuseeland oder England“, sagt die Projektkoordinatorin für die Modellregion. Und nicht die Wolle jeder Rasse eigne sich für Kleidung. Da zudem nur etwa 25 Cent pro Kilo gezahlt würden – ein Schaf liefert etwa drei Kilo – werde viel Schafwolle weggeworfen. Das soll im Rahmen der Ökomodellregion, in diesem Fall zusammen mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, geändert werden.

Pellets werden derzeit getestet

Eine Kollegin hatte von der Möglichkeit gehört, aus Wolle Pellets zum Düngen zu pressen, sagt Albers. Hier in der Region gebe es zwar niemanden, der dies anbiete. Für eine testweise Pelletierung wandte sich die Koordinatorin deshalb an einen Landwirt in Bayern, der die entsprechenden Maschinen besitzt und die Pelletierung bereits für andere Auftraggeber übernimmt.

Rund 700 Kilo Rohwolle, zusammengetragen von Schafhaltern aus beiden Landkreisen, wurden per Spedition nach Süddeutschland geschickt, dort thermisch behandelt, um mögliche Krankheitserreger abzutöten, und denn gehäckselt, bevor sie schließlich in Pelletgröße gepresst wurden. Der Verlust beim Prozess von der Wolle zum Pellet liegt bei rund zehn Prozent.

Ein Kilo kostet am Ende 4,50 Euro. Der hohe Preis hänge auch damit zusammen, dass die Maschinen einen sechsstelligen Betrag kosten, wegen des vielen Fetts sehr regelmäßig gereinigt werden müssten, ein Naturprodukt hergestellt werde und zudem auch der Landwirt etwas daran verdienen müsse.

Die Pellets dienen dann als ökologischer Dünger, beispielsweise für private Gärten, aber auch für Gärtnereien und Landschaftsbauer. Durch die Haare sei der Stickstoffgehalt sehr hoch, dieser werde sehr langsam abgegeben. Nicht geeignet sei der Dünger aufgrund der Kosten für die Landwirtschaft.

Die Ökomodellregionen werden selbst keine solche Maschine anschaffen, versuchen aber, einen regionalen Akteur zu finden, der das übernimmt. Eine Möglichkeit wäre, dass dieser an die Schafhalter einen fairen Preis für die Wolle zahlt oder sie am Verkaufspreis der Pellets beteiligt.

Getestet wird der Dünger jetzt zunächst von mehreren Projekten in der Solidarischen Landwirtschaft und in Gartenbaubetrieben, außerdem ist geplant, die Düngepellets und ihre Wirkung von einer Universität genauer untersuchen zu lassen. Und beim Versuch, Schaffleisch bekannter zu machen, setzt die Koordinatorin auf die Gastronomie, die es anbieten solle, ebenso aber auf die Kunden, die es probieren sollten. Es sei besonders und biete, da es regional und oft bio sei, für Gastronomie und Kunden einen Mehrwert.

Streuobstwiesen sind bald online zu finden

Ein weiteres Projekt der Ökomodellregion im Landkreis ist das „Netzwerk Streuobst“. Das Ziel ist es, sämtliche kommunalen Streuobstwiesen zu erfassen, auf denen kostenlos Leckereien eingesammelt werden können.

Das Potenzial in Waldeck-Frankenberg ist groß, dennoch seien Streuobstwiesen nicht so bekannt, sagt Projektkoordinatorin Jessica Albers. Vor einem Jahr hat sich deshalb ein Arbeitskreis gegründet, dem unter anderem auch Vertreter des Naturschutzbunds, Pomologen, Imker und Landwirte angehören. Vernetzung sei ein Ziel, außerdem könne man mit Streuobstwiesen die regionale Wertschöpfung verbessern und sie seien wichtig für die Artenvielfalt. Aufmerksam machen will der Arbeitskreis zum Beispiel auch auf Kurse zum Baumschnitt, damit die Bäume richtig gepflegt werden und nicht kaputt gehen.

Wahrscheinlich im August sollen auf der Internetseite mundraub.org die Obstbäume verzeichnet werden, die einzelne Kommunen bereits gemeldet haben. Bislang haben allerdings nur Bromskirchen, Bad Arolsen, Korbach und Willingen kommunale Bäume gemeldet, an denen jeder Obst einsammeln kann. Albers hofft, dass sich noch weitere Städte und Gemeinden beteiligen.

Hintergrund: Die Ökomodellregion Waldeck-Frankenberg

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg ist seit 2019 Modellregion für den Ökolandbau und bleibt dies noch bis mindestens 2025. Mittlerweile sind alle hessischen Landkreise Ökomodellregionen. Das Ziel ist es, den ökologischen Landbau weiter auszubauen. Bis 2025 soll die hessische Landwirtschaft zu 25 Prozent ökologisch arbeiten. Damit steigen soll auch das ökologische Bewusstsein in der Landwirtschaft und bei den Verbrauchern, zudem soll der Anteil an regional erzeugten Lebensmitteln erhöht werden. Dafür sollen vor allem auch Akteure aus unterschiedlichen Bereichen vernetzt werden, beispielsweise Landwirte mit Gastronomie, Verbrauchern und dem Tourismus. 

Weitere Informationen zur Ökomodellregion und Kontakt bei Fragen zum Projekt Schafwolle an Koordinatorin Jessica Albers unter Tel. 05631 / 954 806 oder auch per E-Mail an jessica.albers@lkwafkb.de. (Julia Janzen)

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