Offener Brief von 45 Kindertagesstätten an Politiker

Kita-Erzieher fordern mehr Schutz und klare Regeln in Corona-Pandemie

Kinder frühstücken in einer Kindertagesstätte.
+
Kinder frühstücken in einer Kindertagesstätte.

Klare, bundeseinheitliche Regeln, die sich am Infektionsgeschehen orientieren, mehr Schutz vor dem Coronavirus und eine eingeschränkte Tagesbetreuung: Dies sind drei von mehreren Forderungen, die Mitarbeiter von Kinder-Tageseinrichtungen nach den aktuellen Beschlüssen zum verlängerten Lockdown stellen.

Waldeck-Frankenberg – Kitas in Hessen bleiben offen. Allerdings sollen Eltern ihre Kinder, wenn möglich, weiterhin nicht dorthin bringen.

Formuliert sind die Forderungen in einem „Offenen Brief“, den Einrichtungsleitungen von 45 Kindertagesstätten aus Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf stellvertretend für die Erzieherinnen und Erzieher verantworten.

Adressaten sind Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der Hessische Minister für Soziales und Integration, Kai Klose, Landtagsabgeordnete, Landräte, Bürgermeister, Vertreter der jeweiligen Träger sowie die Gesundheitsämter und Jugendämter.

Unter der Überschrift „Unser Maß ist voll“ listen die Kindertagesstätten auf, welchen Anforderungen die Einrichtungen seit dem Ausbruch der Pandemie vor rund elf Monaten in Deutschland ausgesetzt seien. Beispielsweise hätten stets immer die Bedürfnisse der Kinder und Familien im Fokus gestanden: „Wir tun dies weiterhin trotz eigener Angst vor Ansteckung und vor dem Hintergrund stetig steigender Infektionszahlen.“ Aber: „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen. Eine unseren Ansprüchen entsprechende pädagogische Arbeit, die wir gerne leisten möchten, ist nicht möglich. Der Bildungsort Kita wird zum Aufbewahrungsort für Kinder.“

In den Kindertagesstätten werde unter enormen Druck gearbeitet, die steigenden Infektionszahlen im Nacken. Ein persönlicher Schutz sei kaum möglich, „denn selbst in den Hygieneempfehlungen des Sozialministeriums wird darauf verwiesen, dass das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung jenseits der unmittelbaren pädagogischen Arbeit stattfinden sollte“. Die Situation in den Kitas sei demotivierend, frustrierend und mache auf Dauer krank: „Die Angst vor der Ansteckung am Arbeitsplatz beschäftigt uns täglich.“

Die Beschäftigten verweisen darauf, „dass wir seit elf Monaten einen enormen Beitrag zur Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Systems leisten. Wir lieben unseren Beruf und sind aufgrund dessen mehr als bereit, unseren Beitrag zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens zu leisten“.

Kindertagesstätten sollen nun unter allen Umständen offengehalten werden – dies finde man auch richtig, etwa wenn es um den Kinderschutz geht, um die Berufstätigkeit beider Elternteile zu gewährleisten, die keine alternativen Möglichkeiten haben, oder um Alleinerziehende zu unterstützen.

Aber: „Unser Maß ist voll. Wo bleibt der Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter? Wir machen die Erfahrung, dass Kinder mit,Rotznase‘ oder ähnlichem weiter in die Kitas geschickt werden. Demgegenüber gehen wir bei pädagogischem Fachpersonal mit solchen Symptomen zurückhaltender vor. Die Mitarbeiter bleiben zu Hause, bis eine Klärung der Erkrankung vorliegt. Dadurch minimieren wir die Infektionsrisiken für andere. Dies führt allerdings zu erheblichem Personalmangel in den Einrichtungen – bei extrem gestiegenen Anforderungen.“

Forderungen der Kindertagesstätten

In dem „Offenen Brief“ an Politiker, Träger und zuständige Ämter werden zur Verbesserung der Situation in den Kindertagesstätten Forderungen gestellt:

Klare, bundeseinheitliche Regeln, die sich am Infektionsgeschehen orientieren

Eingeschränkte Tagesbetreuung – keinen Regelbetrieb in den Kitas

Flexible, unbürokratische Unterstützung der Eltern

Verstärktes Hygiene- und Schutzkonzept (Lüftungssysteme/Hygienematerial) und konstant kleinere Kindergruppen

Schnelltests und Impfungen für die Erzieherinnen und Erzieher

Keine öffentlichkeitswirksamen, aber inhaltsleeren Beschlüsse, sondern klare, ernsthafte und für alle verbindliche Vorgaben und Aussagen, damit Mitarbeiter sowie Eltern und Kinder klare, verbindliche und unmissverständliche Voraussetzungen vorfinden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.