Test des Auto-Clubs Europa

Parkhäuser in Frankenberg und Korbach: Mängel bei Barrierefreiheit

Vor dem Parkhaus in der Bremer Straße in Frankenberg: Vorstandsmitglied Dieter Schaake (links) und Regionalbeauftragter Jens Womelsdorf haben die Barrierefreiheit von Parkhäusern unter die Lupe genommen.
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Vor dem Parkhaus in der Bremer Straße in Frankenberg: Vorstandsmitglied Dieter Schaake (links) und Regionalbeauftragter Jens Womelsdorf haben die Barrierefreiheit von Parkhäusern unter die Lupe genommen.

Die Barrierefreiheit in den Parkhäusern in Frankenberg und Korbach ist verbesserungswürdig. Das ist das Ergebnis eines Tests des Auto-Clubs Europa (ACE).

Waldeck-Frankenberg – Vor allem Beschilderung und Markierung könnten besser sein, sagt Jens Womelsdorf (Marburg), der Regionalbeauftragte des ACE für Hessen. Bei dem Test geht es nicht nur um die Bedürfnisse von Menschen mit Rollstuhl, sondern auch von älteren Menschen mit Rollator und Eltern mit Kinderwagen.

Die Tester des ACE haben sich in Frankenberg und Korbach fünf Parkhäuser angesehen: in Frankenberg das städtische Parkhaus zwischen Uferstraße und Bremer Straße und das Parkdeck des Modehauses Eitzenhöfer, in Korbach den Parkplatz Kalkmauer, das Parkhaus in der Flechtdorfer Straße (beide städtisch) sowie das Parkhaus des Kaufland.

Kriterien waren Zahl und Größe von Behinderten- und Eltern-Kind-Parkplätzen, aber auch barrierefreie Kassenautomaten und E-Ladesäulen, Markierung, Beschilderung und Beleuchtung, Fahrstühle und die Nähe zu Ein- und Ausgängen.

Mit dem Maßband: Dieter Schaake (links) und Jens Womelsdorf im Frankenberger Parkhaus.

Die wichtigsten der 15 Test-Kriterien waren, ob es überhaupt ausgewiesene Behindertenparkplätze gibt, wie viele und wie breit sie sind. „Die Normbreite sind 3,50 Meter, oft sind es aber nur 2,50 Meter“, berichtet Jens Womelsdorf. Und im besten Fall hätten Behindertenparkplätze auch nach hinten eine freie Fläche von 2,50 Metern, falls ein Rollstuhl aus dem Kofferraum des Autos ausgeladen werden muss.

2-Prozent-Quote erfüllt

Gut wäre, wenn es in einem Parkhaus mindestens ein Prozent Behindertenparkplätze gäbe, besser sogar zwei Prozent, erklärt Womelsdorf. „Immerhin haben 20 Prozent der Bevölkerung irgendeine Mobilitätseinschränkung.“ Wie die Parkhäuser in Korbach erfüllt auch das Frankenberger Parkhaus in der Bremer Straße erfüllt die 2-Prozent-Quote mit drei Behindertenparkplätzen. „Sie sind breit genug und liegen perfekt, weil oben direkt am barrierefreien Zugang zur Fußgängerzone“, sagt er.

Allerdings fehle unten an der Zufahrt die Beschilderung zu den Behindertenparkplätzen – ein Problem, das der ACE bei vielen Parkhäusern feststelle, vor allem bei älteren wie in Frankenberg. „Wenn man ein neues Parkhaus baut, hat man ganz andere Vorgaben, was Breite, Markierung und Beleuchtung angeht“, sagt Womelsdorf. Aber auch im Bestand könne man ohne großen Aufwand etwas tun. Der ACE sei gerne bereit, den Betreibern Tipps für Verbesserungen zu geben. Die scheinen auch nötig: Keines der in Frankenberg und Korbach getesteten Parkhäuser erreichte die Höchstpunktzahl.

„Wir wollen die Betreiber sensibilisieren“, sagt Dieter Schaake. Beim Modehaus Eitzenhöfer in Frankenberg, dessen Parkdeck die beiden ACE-Tester auch unter die Lupe genommen haben, hätten sie ein gutes Gespräch mit Geschäftsführer André Kreisz geführt. „Er will bei diesem Thema etwas für seine Kunden tun“, berichtet Schaake.

Das städtische Parkhaus in der Flechtdorfer Straße in Korbach bekam beim Test des Auto-Clubs Europa 10 von 16 Punkten.

Die drei Behindertenparkplätze im Parkhaus in der Bremer Straße sind breit genug – sogar 3,90 Meter statt der Normbreite 3,50 Meter – und liegen direkt am Ausgang zur Fußgängerzone. Dafür gibt es Punkte auf dem Bewertungsbogen. Auch für den Parkscheinautomaten, der barrierefrei und nicht zu hoch ist. So kann man den Schlitz für die Münzen auch vom Rollstuhl aus erreichen.

Womelsdorf und Schaake können in dem städtischen Parkhaus aber nicht für alle Kriterien Punkte vergeben. Es hat keinen Fahrstuhl und keine ausgewiesenen Eltern-Kind-Parkplätze. Womelsdorf, selbst Vater, berichtet, wie schwierig es sein kann, mit Kinderwagen oder Babytrage auf einem zu engen Parkplatz aus dem Auto auszusteigen. 8 von 16 Punkten bekommt das Frankenberger Parkhaus von den Testern. „Ausbaufähig“, sagt Schaake.

„Parkhaus oft der Eindruck von einer Stadt“

Der Gesamteindruck spiele für die Tester keine Rolle. „Aber für die Leute, die das Parkhaus nutzen“, sagt Womelsdorf. „Viele, die von auswärts in eine Stadt kommen, fahren eher ins Parkhaus als nach öffentlichen Parkplätzen zu suchen. Deshalb ist ein Parkhaus oft der erste Eindruck von einer Stadt.“

Auch das Eitzenhöfer-Parkdeck bekommt 8 Punkte. In Korbach, wo Womelsdorf mit ACE-Vorstandsmitglied Erwin Lueg für den Test unterwegs war, schneiden das Parkhaus in der Flechtdorfer Straße und der Parkplatz An der Kalkmauer, der sich durch den Umbau deutlich verbessert habe, mit 10 Punkten ab, für das Parkhaus im Kaufland gibt es 12 Punkte.

In nahezu allen Parkhäusern könnten die Behindertenparkplätze besser markiert und ausgeschildert sein, so das Fazit. „Wir machen nächstes Jahr nochmal einen Nachtest – in der Hoffnung, dass es dann besser geworden ist“, kündigt Womelsdorf an.

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