„Mehrwert für die Stadt“

Frankenberg: Parlament stimmt Bewerbung um Landesgartenschau zu

Vogelperspektive auf den Burgberg in Frankenberg
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Der Burgberg in Frankenberg soll bei der Landesgartenschau 2027 – falls die Stadt den Zuschlag erhält – schöner gestaltet werden.

Die Stadtverordneten haben sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass sich Frankenberg um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2027 bewirbt.

Frankenberg – „Ich schätze, dass über 90 Prozent unserer Bürger die Landesgartenschau in Frankenberg erleben möchten“, sagte Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag. Erleben möchten sie auch die Stadtverordneten. Sie sprachen sich mehrheitlich dafür aus, dass sich Frankenberg beim Land um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2027 bewirbt.

Heß erinnerte an die Beteiligung der Menschen beispielsweise bei einer Ideenrallye mit „inspirierenden und sprühenden Gedanken“ der Bürger und an eine Bürgerversammlung mit 270 Teilnehmern auf dem Burgberg. Vor der Abstimmung im Parlament hatten die Planer Clas Scheele und Christian Rast zusammen mit Heß die Konzeption vorgestellt.

Die Sitzung fand wegen Corona-Pandemie unter den aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln statt, auch die Redebeiträge wurden mit Maske gehalten.

Das Areal

„Durch die Landesgartenschau wollen wir ein Leben und Spielen im Park und am Wasser bekommen“, umriss der Bürgermeister die Planungen auf dem etwa 20 Hektar großen Areal zwischen Burgberg, Wehrweide und Teichgelände. Dabei nannte er unter anderem eine schönere Gestaltung des Burgbergs und die Aufwertung des Teichgeländes zu einem Stadtpark. Durch die vernetzte Infrastruktur werde die Stadt eine „deutlich erhöhte Aufenthaltsqualität“ bekommen, zudem werde die Landesgartenschau auch zur weiteren Stadtentwicklung beitragen. „Wir bekommen mehr Naturerlebnisse und mehr Naherholung“, sagte Heß. Für ein „lebenswertes Frankenberg“ werde es künftig Daueranlagen wie beispielsweise Sport- und Spielanlagen sowie bessere Wegeverbindungen und schönere Fuß- und Fahrradwege für ein „klimaangepasstes Frankenberg“ geben. Die Landesgartenschau bringe nicht nur Lebensräume und Touristen, „die Stadt wird langfristig zusammenrücken“, sagten die Planer Scheele und Rast. Ihr Fazit: „Alle Maßnahmen werden einen Mehrwert für die Stadt darstellen.“

Region einbeziehen

Geplant sei auch eine Vernetzung in die Region während der Landesgartenschau – unter anderem mit „grünen Projekten“ in Battenberg, Lichtenfels, Frankenau und Haina.

Weiteres Vorgehen

So geht es weiter: Nach der Abgabe der Unterlagen wird eine Landeskommission die Bewerbung prüfen und sich vor Ort auch selbst einen Eindruck verschaffen. Anschließend wird die Fachkommission gegenüber der Landesregierung einen entsprechenden Vorschlag abgeben. Frankenbergs Bauamtsleiter Karsten Dittmar: „Wir erwarten die Entscheidung des Landes im Frühjahr 2021.“  

„Nicht zum Nulltarif zu haben“

Zu den Kosten und der Finanzierung erläuterten die Planer der Landesgartenschau Folgendes: Von 2022 und 2027 sollen in die verschiedenen Projekte insgesamt 18,4 Millionen Euro investiert werden, davon übernehme das Land Hessen rund elf Millionen Euro. Der städtische Anteil betrage 7,4 Millionen Euro.

Für die Ausrichtung der sechsmonatigen Landesgartenschau selbst seien Ausgaben von 9,8 Millionen Euro eingeplant, unter anderem für Personal, Veranstaltungen und Marketing. Bei geschätzten 350 000 Besuchern wurden die Einnahmen beispielsweise durch den Verkauf von Tageskarten und Sponsoring mit 5,8 Millionen angegeben – unter dem Strich ein Minus für die Stadt in Höhe von vier Millionen Euro.

„Diese vier Millionen Euro sind eine theoretische Zahl“, erläuterte Bauamtsleiter Karsten Dittmar gegenüber der HNA. Bei den Besucherzahlen sei „sehr defensiv“ kalkuliert worden, bei der Landesgartenschau beispielsweise in diesem Jahr im westfälischen Kamp-Lintfort seien trotz der Corona-Pandemie 450 000 Besucher gezählt worden. „Die Landesgartenschau ist nicht zum Null-Tarif zu haben“, sagte Dittmar, sie werde aber ein Projekt für die „Zukunft der Stadt Frankenberg“ werden.

„Jeder Euro, der vom städtischen Vermögen für die Landesgartenschau ausgegeben wird, hat für die Stadt einen Mehrwert von drei bis fünf Euro. Die Landesgartenschau ist praktizierte Wirtschaftsförderung, sie ist der richtige Weg für Frankenberg“, sagte Bürgermeister Heß zu den Finanzen.

Das sagen die Fraktionen

Die Frankenberger Stadtverordneten haben in ihrer Sitzung am Donnerstag in der Ederberglandhalle „grünes Licht“ für die Landesgartenschau 2027 in Frankenberg gegeben. In die Vorbereitungen der Machbarkeitsstudie sei „viel Energie, Fachwissen und Herzblut“ investiert worden, attestierte Helmut Naumann (Grüne) den Planern und Verantwortlichen der Stadt.

Der Weg zur Landesgartenschau könne für die Stadt und ihre Bürger zu einer „interessanten Reise“ werden, meinte der Grünen-Sprecher. Als ausschlaggebend für die Zustimmung seiner Fraktion nannte er die landschaftsgestalterischen und ökologischen Gesichtspunkte der Landesgartenschau. „Damit schaffen wir Lebensräume“, sagte Naumann. Die Großveranstaltung werde zu einer „modernen und zukunftsorientieren Entwicklung“ der Stadt beitragen, argumentierte der Stadtverordnete.

„Die Landesgartenschau ist ein großes Ziel, das wir bei allem Respekt vor den Kosten angehen sollten“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Hendrik Sommer. Das Parlament habe jetzt einen Auftrag für die zukünftige Entwicklung der Stadt – „diesen Wurf sollten wir anpacken.“

Wie Hendrik Sommer ausdrücklich betonte, sei die Abstimmung für seine Fraktionsmitglieder freigegeben worden: Trotzdem stimmten die Genossen einstimmig für die Ausrichtung der Landesgartenschau.

Von einem „richtigen Schritt“, sich für die Landesgartenschau zu bewerben, sprach auch Jannik Schwebel-Schmitt (CDU). Unabhängig von einer Landesgartenschau seien die Ideen und Maßnahmen ein „sinnvoller und richtiger Weg“ für die Stadt Frankenberg für die nächsten Jahre. „Wir haben hier eine Vision für die nächsten Jahre“, sagte Schwebel-Schmitt.

Ein „Aber“ zum Thema Landesgartenschau gab es nur von Christopher von Bormann (FDP). Seine Fraktion sei zwar für Fortentwicklung und er sprach von „bewundernswerten Plänen“, es sei aber einfach zu viel, so viele Millionen „auf einen Schlag“ auszugeben. „Langsamer wäre sinnvoller“, meinte der FDP-Sprecher. Eine Diskussion über die Finanzierung einer Landesgartenschau sei aktuell nicht zielführend, merkte Erhard Wagner (SPD) an. Unabhängig von der Bewerbung müsse sich das Parlament immer wieder mit dem Thema Stadtentwicklung auseinandersetzen.

mjx

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