Sie heißt "Venus von Lützen"

Steinzeitliche Fruchtbarkeitsgöttin gefunden?

Peter Kirschbaum, ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger im Regierungsbezirk Detmold, hat im Wald zwischen Volkmarsen und Lütersheim in Stein geritzte Figuren gefunden, die er nach Vergleich mit ähnlichen Funden in Frankreich für eine steinzeitliche Venus hält, eine Fruchtbarkeitsgöttin. Die dicken Körper lassen sich auf Rautenmuster reduzieren. Die Formen wurden wahrscheinlich mit Steinsticheln in den Fels gekratzt. Foto: Schulten

Volkmarsen-Lütersheim. Menschen lebten im Waldecker Land schon in grauer Vorzeit. Hünengräber zwischen Helsen und Kohlgrund sprechen da eine eindeutige Sprache.

Nun aber wurde bei Lütersheim erstmals ein steinzeitliches Kunstwerk gefunden, möglicherweise das Bild einer Fruchtbarkeitsgöttin: Die Venus von Lützen.

Peter Kirschbaum hat als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger im Regierungsbezirk Detmold schon manche tolle Entdeckung gemacht: ein Megalithengrab bei Warburg erschien den Experten an den Unis 1986 so unwahrscheinlich, dass es Jahre dauerte, bis sein Fund wissenschaftlich anerkannt wurde.

In Volkmarsen war er im Dezember 2013 dabei, als die mittelalterliche Mikwe, ein jüdisches Ritualbad, im Keller eines Hauses mitten in der Altstadt ausgegraben wurde. Nun also auch noch eine steinzeitliche Venus?

Fruchtbarkeitsgöttinnen aus der Vorzeit finden Archäologen überall auf der Welt. Sie alle ähneln sich, zeigen meisten das Abbild einer wohlgeformten, eher dicken Frau ohne Gesicht. Die Geschlechtsmerkmale sind überdimensional herausgearbeitet.

Diese Darstellungen sind bei manchen Kulturen aus einem handlichen Stein geformt. Manchmal, wohl in älteren Kulturen, als Relief in den Stein einer Felswand geritzt.

Peter Kirschbaum kennt sich da aus. Er hat schon mehrere Fundstellen in Höhlen in Südfrankreich besucht. Außerdem verfügt er über umfangreiche Fachliteratur. Dort finden sich auch Schemazeichnungen jener Liebesgöttinnen, die sich auf rautenförmige Kunstwerke katalogisieren lassen.

So eine Raute, mit einem Stichel in den Stein geritzt und mit Wölbungen ausgestattet, die an Brüste erinnern, hat Kirschbaum jetzt im Wald zwischen Lütersheim und Volkmarsen gefunden, nicht weit von der Wetterkapelle.

Warum für Kirschbaum vieles auf eine steinzeitliche Kultstätte hindeutet und wie seine Arbeit als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger allgemein eingeschätzt wird, lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Von Elmar Schulten

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.