Polizist wegen Körperverletzung im Amt angeklagt

Frankenberger Land. Ein Polizist soll im Oktober 2012 einem damals 16-jährigen Jugendlichen mit einem Teleskop-Schlagstock mehrfach ins Gesicht geschlagen haben.

Das mutmaßliche Opfer erlitt eine Platzwunde und Rötungen. Der 34 Jahre alte Polizeibeamte muss sich seit Montag vor dem Frankenberger Amtsgericht wegen des Vorwurfs der Körperverletzung im Amt verantworten.

Zeugen des Vorfalls – Freunde des vermeintlichen Opfers – gaben vor Gericht an, sich an den Vorfall vor über zwei Jahren kaum noch erinnern zu können. Das erschwerte die Rekonstruktion der Situation.

Bei einer 17-jährigen Zeugin musste dann sogar Richterin Andrea Hülshorst zugeben: „Ich gebe auf.“ Die Jugendliche hatte bei ihrer Befragung durch die zuständige Polizeikomission aus Kassel angegeben, sie habe den Schlagstock gesehen, mit dem der Polizist auf das vermeintliche Opfer eingeschlagen habe.

Vor Gericht konnte sich die junge Frau nun aber nicht mehr daran erinnern – woran sowohl Richterin Hülshorst als auch Staatsanwaltschaft erhebliche Zweifel hatten, zumal das befragte Mädchen zu dem Zeitpunkt mit dem vermeintlichen Opfer eine Beziehung unterhielt.

„Es ist schwer nachzuvollziehen, dass Sie sich daran jetzt nicht mehr erinnern können“, sagte Richterin Hülshorst. Auch die Staatsanwältin bohrte vergeblich: „Was hat er Ihnen denn danach von dem Vorfall erzählt? Raus damit!“, versuchte sie die Zeugin zu einer Aussage zu bewegen. Sie habe vieles vergessen und verdrängt, wich die Zeugin immer wieder aus.

Das mutmaßliche Opfer bestätigte vor Gericht, dass es bei der Durchsuchung durch die Polizisten flüchten wollte. Dabei sei ihm „das Bein weggezogen“ worden, er sei zu Boden gegangen. Der angeklagte Polizist habe mehrmals mit einem Gegenstand in der Hand auf sein Auge eingeschlagen.

Das Gericht hatte neben den Jugendlichen auch die beteiligten Polizisten geladen. Der Beamte, der mit dem Angeklagten vor Ort im Einsatz war, bestätigte den Fluchtversuch. Weiterhin sagte er aus, dass der Jugendliche sich bei der Durchsuchung widersetzt habe. Über die Abwehr seines Kollegen sagte er zunächst: „Das war ein Faustschlag“ – wollte aber einen Irrtum nicht ganz ausschließen. Der Schlagstock sei aber nicht im Einsatz gewesen. Er widersprach außerdem, dass sein Kollege Pfefferspray gegen einen anderen Jugendlichen eingesetzt habe. Um andere Jugendliche auf Distanz zu halten, habe er die Spraydose lediglich gezeigt, aber nicht eingesetzt.

Der Jugendliche, der dies bei der Vernehmung behauptet hatte, war am Montag nicht vor Gericht erschienen. Die anderen beteiligten Jugendlichen gaben an, sich nicht mehr genau zu erinnern.

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