Polka statt Samba: Hauberner gibt Volkstanzkurs in Brasilien

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Bereitet sich auf seine Brasilien-Reise vor: Stefan Hartmann aus Haubern wird im Süden des Landes ein Seminar mit hessischen Volkstänzen geben. Die Fahne auf dem Tisch hat er sich 2007 gekauft, als er mit der Landjugend Haubern schon einmal in Brasilien war.

Haubern. Das ist selbst für den erfahrenen Volkstänzer Stefan Hartmann etwas Besonderes: Der Hauberner ist als Tanzleiter für einen großen Volkstanzkurs in Brasilien gebucht worden.

Er soll den Teilnehmern hessische Volkstänze beibringen. Stefan Hartmann hat als Volkstänzer schon viel erlebt: Der 39-Jährige ist mit der Landjugend Haubern mehrmals Hessenmeister geworden, ist für das Folklore-Festival Europeade durch Europa gereist und war 2007 mit seiner Gruppe für zwei Wochen auf Volkstanz-Reise im Süden Brasiliens. Nun kehrt er als Tanzleiter dorthin zurück.

„Als die Mail Anfang 2014 kam, war ich Feuer und Flamme“, erzählt Hartmann, der sich noch gerne an die Brasilien-Reise vor gut sieben Jahren erinnert. Die Mail kam von Roswitha Ziel, die aus Wuppertal stammt und in den 90ern nach Brasilien ausgewandert ist. Die beiden kennen sich, seit Hartmann 2007 mit der Landjugend in der brasilianischen Stadt Blumenau war. „Dort gibt es zwölf deutsche Volkstanzgruppen“, erzählt er. „Die deutsche Kultur mit Volkstanz und Trachten, die die Einwanderer mitgebracht haben, wird dort ganz anders gepflegt als bei uns.“ Deshalb findet in der Region seit 1983 jedes Jahr ein großer Volkstanzkurs statt. Veranstalter ist die Associação Folclórica Germânica, der Verband der Deutschen Folklore.

Deutscher Volkstanz ist in Südbrasilien beliebt: Als die Landjugend Haubern 2007 in Brasilien war, wurde Organisator Stefan Hartmann (rechts) beim Oktoberfest in Blumenau von einem brasilianischen Fernsehteam interviewt. Archivfoto:  zpd/nh

Beim Kurs vom 20. bis 25. Januar wird diesmal also Stefan Hartmann einer der Tanzleiter sein, die den 100 Teilnehmern neue Tänze beibringen. In Hessen hat er das schon öfter gemacht, für Brasilianer noch nie. Sprachlich erwartet er keine Probleme, die Mitglieder der deutschen Volkstanzgruppen haben fast alle deutsche Vorfahren und können die Sprache.

Da man Paartänze zu zweit besser vorführen kann, nimmt er aber Verstärkung mit: Angela Paulus, die aus Laisa stammt und sich in der Hessischen Volkskunstgilde engagiert, wird mit ihm fliegen. Auch sie war 2007 dabei. Die beiden werden privat untergebracht, der Flug wird gesponsert.

AngelaPaulus

„Als Stefan mich gefragt hat, musste ich nicht lange überlegen“, sagt Angela Paulus. „Es ist eine Ehre, ein Stück deutscher Kultur in so ein fernes Land zu tragen - mit dem Wissen, dass es dort so eine große Begeisterung dafür gibt“, sagt die 51-Jährige.

„Wir haben schon Tänze ausgesucht, die wir beim Kurs zeigen wollen“, erzählt Hartmann und zeigt seine Liste, auf der zum Beispiel Watzenborner, Odenwälder Blatschtanz und Mädel mit dem roten Mieder stehen. Die Choreografien wurden bereits ins Portugiesische übersetzt. Die beiden wollen den Brasilianern auch das Volkstanzturnier der Hessischen Landjugend vorstellen. „Wir werden zeigen, wie wir uns darauf vorbereiten und wie das abläuft. Am Ende des Kurses soll es dann ein kleines Turnier geben.“ Zudem wird Angela Paulus hessische Trachten vorstellen.

Das Gelernte aus dem sechstägigen Seminar soll bei einem Sommerfest - im Süden Brasiliens sind derzeit 35 Grad - und einer Abschlussveranstaltung vorgeführt werden.

Am 17. Januar startet Hartmann zu seiner zehntägigen Reise, was ihm eigentlich gar nicht so gut passt: Zwei Tage vorher wird er 40. „Die Feier wird nachgeholt“, sagt er. Und er hofft, dass ein anderer Geburtstag noch auf sich warten lässt: Seine Frau Katrin erwartet das dritte Kind, Termin ist aber erst Anfang März.

Von Jörg Paulus

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