Kaulbachschule verabschiedet Ortwin Terörde und zwei weitere Lehrer

Prägende Lehrerpersönlichkeit der Kaulbachschule: Stelzenmann geht in den Ruhestand

Stelzenläufer vor dem Bad Arolser Rathaus. Neben ihnen sieht auch der großgewachsene Bad Arolser Bürgermeister klein aus.
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Stelzenläufer, die Highwalkers, waren sein Markenzeichen: Stelzenmann Ortwin Terörde (links) besuchte mit seinen Highwalkern schon oft wie auf diesem Foto von 2011 die Bad Arolser Bürgermeister.

Die Kaulbachschule verabschiedet zum Halbjahreswechsel drei Lehrerpersönlichkeiten, die das Gesicht der Schule teilweise über Jahrzehnte geprägt haben. In den Ruhestand verabschiedet werden Ortwin Terörde und Detlef Haase. David Flore übernimmt eine Rektorenstelle im Paderborner Land.

Bad Arolsen - Ortwin Terörde gilt wegen seiner langen Zugehörigkeit als Urgestein der Kaulbachschule. Er stammt aus einer Lehrerfamilie in Ottlar. Schon Vater und Mutter waren Lehrer und so lag auch für die beiden Söhne der Lehrerberuf nahe. Ortwin Terörde stellt zurückblickend fest: „Ich wollte auch nie eine Funktionsstelle, sondern viel lieber an der Basis arbeiten.“ Dabei habe er sich immer bemüht, sich besonders um die Benachteiligten zu kümmern.

Von 1975 bis 1982 studierte Terörde Lehramt an der damaligen Gesamthochschule in Kassel. Einen längeren Amerikaaufenthalt an einem Austausch-College in Wisconsin weckte in ihm Interesse für das Schultheater. Zurück in Deutschland gründete während des Referendariats eine Theatergruppe. Terörde: „Legendär ist bis heute die Inszenierung der Rocky-Horror-Picture-Show“ an der Heinrich-Schütz-Schule.“

Entschlossen gegen alles Rechtsradikale

Der junge Referendar war sportlich aktiv, interessierte sich für die New-Games-Inititative des Landessportbunds. Er lernte, auf Stelzen zu laufen und Jugendliche für diesen Sport zu begeistern.

Stelzenmann Ortwin Terörde im Sommer 2003 bei Hessentagsfestzug in Bad Arolsen. An der Ehrentribüne spricht er mit Ministerpräsident Roland Koch und Bürgermeister Gerhard Schaller

Es folgten Austausch-Begegnungen mit Schulen in Sambia und Australien. Nur eine Festanstellung war lange Zeit nicht in Sicht. In Hessen herrschte damals eine Lehrerschwemme. Als Terörde dann im Januar 1991 eine Stelle in Frankfurt angeboten bekam, zögerte er nicht lange und ging nach Südhessen. Über den Badminton-Sport wurde dann im Sommer 1993 ein Wechsel an die Kaulbachschule möglich.

Er wurde Beratungslehrer, engagierte sich in der Drogenprävention und zeigte schon früh Flagge gegen jeden Ansatz von rechtsradikalem Gedankengut. Terörde: „Mein Großvater musste schon 1933 für drei Monate ins Konzentrationslager und kam als gebrochener Mann zurück. Der Großvater meiner Ehefrau war Zwangsarbeiter im berüchtigten Lager Mittelbau Dora. Deshalb habe ich stets einen antifaschistischen Geschichtsunterricht gehalten. Das habe ich jeder Klasse zu Beginn gesagt und immer dazu aufgerufen, wem das nicht gefalle, dessen Eltern könnten sich ja bei mir melden. Das hat sich in all den Jahren niemand gemeldet.“

Kompetenzorientierter Unterricht

Studiert hat Terörde Mathematik und Englisch, aber unterrichtet hat er 13 Fächer, unter anderem Erdkunde, Geschichte, Sozialkunde, PoWi, Kunst, Deutsch zur Einführung der Rechtschreibreform, Arbeitslehre, Kochen und Stelzenlauf.

Kein Wunder, dass auch Schulleiterin Rosel Reiff in ihrer wegen Corona nur schriftlich vorgelegten Abschiedsrede mit diesen Worten über ihren scheidenden Kollegen Ortwin Terörde schwärmt: „Du warst an dieser Schule ein Verfechter des kompetenzorientierten Unterrichtens, ohne das mit großen Reden auszuposaunen. Du hast es gemacht und gezeigt, wie es geht.“

Australien muss warten

Gesamtdeutsch ist der berufliche Werdegang von Detlef Haase, der sich nach 42 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet :Haase ist in Sachsen in der früheren DDR aufgewachsen. Studiert hat er Mathematik und Physik an der damaligen Karl-Marx-Universität in Leipzig. Von 1978 bis 1980 unterrichtete er als Diplom-Fachlehrer an einer Schule im brandenburgischen Doberlug-Kirchhaim, bevor er 1980 an die Polytechnische Oberschule in Rückmarsdorf wechselte.

Detlef Haase war Lehrer an der Kaulbachschule. Er wechselt Ende Januar 2020 nach 42 Dienstjahren in den Ruhestand.

Nach der Wende hatte seine Frau ihren Arbeitsplatz verloren und als Physiotherapeutin in einer Krankengymnastikpraxis in Bad Arolsen eine neue Stelle gefunden. Deshalb wechselte 1991 auch der Lehrer Detlef Haase nach Hessen an die Kaulbachschule, wo er allerdings erst einmal das hessische Referendariat nachholen musste, das er mit der Note 1,2 abschloss.

Es folgte ein Lehrauftrag am Hauptschulzweig der Nicolaischule in Mengeringhausen. Als die dortige Hauptschule aufgelöst wurde, wechselten Schüler und Lehrer an die Kaulbachschule, wo Haase noch bis zum Freitag mit großem Engagement unterrichtet.

Weltreise vollendet

Zurückblickend stellt er fest: „Wir haben uns in Arolsen immer wohlgefühlt. Ich habe keinen Tag bereut, ins Waldecker Land umgezogen zu sein.“

Im Schuljahr 2008/09 legte Haase ein Sabbatjahr ein und unternahm mit seiner Frau eine Weltreise ostwärts einmal rund um den Globus .Nach mehr als 40 Jahren im Beruf haben sich die Haases vorgenommen nachzuholen, was bei der Weltreise nicht geschafft wurde: Den Westen Australiens: „Deshalb wollten wir jetzt eigentlich zurück nach Perth und den Rest Australiens sehen. Das geht jetzt ja erstmal wegen Corona nicht. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.“          

Leitungsstelle in Paderborn

Der langjährige Fachleiter im Fach Religion, David Flore, verlässt die Kaulbachschule zum Halbjahreswechsel, um eine Stelle als zweiter Konrektor an einer Realschule in Paderborn zu übernehmen. Flore hat katholische Religion, Deutsch und Mathematik-Didaktik an der Universität in Paderborn studiert. Nach dem Referendariat an der Louis-Peter-Schule in Korbach kam er 2011 an die Kaulbachschule. Zwei Jahre war er zudem als pädagogischer Mitarbeiter im Staatlichen Schulamt in Fritzlar tätig.

Flore habe über viele Jahre an der Weiterentwicklung der Kaulbachschule mitgearbeitet, wie Schulleiterin Reiff in ihren Abschiedsworten anerkennend feststellt. Außerdem habe er die Organisation der überkonfessionellen Einschulungsgottesdienste übernommen und bei der Neugestaltung der Schulbibliothek Maßstäbe gesetzt. Daneben war er in den vergangenen Jahren Mentor und Praktikumsbetreuer. Die von ihm begleiteten Referendare erlangten allesamt gute und sehr gute Abschlüsse.     (Elmar Schulten)

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