14-Jährige reist zum ersten Mal alleine

Fernbus hält zum ersten Mal im Landkreis Waldeck-Frankenberg

Auf geht’s: Finja Best rennt zu dem Reisebus, der sie nach Bielefeld zu ihren Großeltern bringen soll. Am Donnerstag hielt der Fernbus zum ersten Mal in Waldeck-Frankenberg. Foto: Rösner

Waldeck-Frankenberg. Mit dem Fernbus unterwegs: Das neue Verkehrsangebot in Waldeck-Frankenberg ist am Donnerstag an den Start gegangen.

„Schnell, wir haben schon Verspätung“, ruft der Busfahrer. Finja Best sprintet zu dem giftgrünen Fernbus, der an diesem Tag zum ersten Mal überhaupt in Frankenberg hält. Sie ist die einzige, die hier zusteigt. Mit Rucksack und Rollkoffer bepackt, reist die 14-Jährige zum ersten Mal alleine. Das ist ziemlich aufregend, findet sie.

In zweieinhalb Stunden wird Finja in Bielefeld sein. Dort warten ihre Großeltern am Bahnhof. In den Ferien zu den Verwandten, darauf hatte sich Finja schon lange gefreut. Als klar war, dass ihre Mutter sie nicht begleiten kann, entschied sie sich: „Jetzt traue ich mich, alleine zu reisen.“

Es war ein Zufall, oder Glück, dass ausgerechnet am Reisetag das Angebot von „MeinFernbus“ gestartet ist. Für die 14-Jährige aus Frankenberg ist das besonders praktisch. Sie wohnt nahe dem Bahnhof und kann ihn zu Fuß erreichen. „Die Fahrt dauert gar nicht viel länger als mit dem Auto“, sagt Finja. Wenn sie erstmal ihren Sitzplatz hat, will sie sich die Zeit mit Musikhören vertreiben.

Dass es beim Einstieg hektisch wird, wollte sie vermeiden. Am Samstag buchten Finja und ihre Mutter das Ticket übers Internet. „Das war unkompliziert“, sagt Stefanie Schmidt, Finjas Mutter. Die Fahrkarte und der Paketanhänger kamen per E-Mail zum Ausdrucken. „Heute Morgen schickte die Firma eine Mail mit den Abfahrzeiten und dem Hinweis, dass man eine Viertelstunde früher an der Haltestelle sein soll.“ Bestens vorbereitet trifft die Familie dann überpünktlich an der Bushaltestelle des Frankenberger Bahnhofs ein. „Wir stehen schon seit gestern Abend unter Strom“, sagt Finjas Mutter, die noch aufgeregter wirkt als ihre Tochter. Vorfreude, Reisefieber und Nervosität sieht man Finja an. Dauernd schaut sie auf die Uhr. „Noch fünf Minuten.“ Immer wieder der Blick Richtung Straße.

Bald ist es 13.20 Uhr. Um 13.10 Uhr sollte der Bus laut Plan kommen. „Sind wir hier wohl richtig?“ Ein Hinweisschild auf die Fernbus-Haltestelle gibt es am Bahnhof nicht. Aber Finjas Mutter meint, das sei nicht unbedingt nötig. Das große, grüne Fahrzeug sei sehr auffällig.

Dann fährt der Reisebus endlich ein, biegt aber Richtung Taxistand ab. Die Familie rennt dorthin, Finja vorneweg. Der Busfahrer nimmt ihr Gepäck entgegen und lädt es rasch ein. Finja, etwas aus der Puste, sagt ihrer Mutter noch flüchtig Tschüss und sie steigt zu den anderen Fahrgästen. Der Busfahrer ist in Eile. Auch für ihn gibt es heute eine Premiere, denn der Fahrplan mit vier Haltestellen in Waldeck-Frankenberg ist neu. Kaum war der Bus in die Wendeschleife gefahren, fährt er schon wieder weg.

Es bleibt nur noch Zeit zum Winken. Finjas Mutter nennt den Abschied „kurz und schmerzlos“.

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