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Prinzipielles „Ja“ zu neuem, großem Feriendorf am Edersee

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Von: Matthias Schuldt

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Ein Ferienhausgebiet auf drei Hektar will eine Gesellschaft oberhalb des Adventure-Golfplatzes in Hemfurth Edersee bauen. An den Bäumen links endet der Weg „An den Siebnacher Eichen“, der als Zufahrt zu dem Urlaubsdorf dienen soll. Es erstreckt sich dann rechts der Bäume.
Ein Ferienhausgebiet auf drei Hektar will eine Gesellschaft oberhalb des Adventure-Golfplatzes in Hemfurth Edersee bauen. An den Bäumen links endet der Weg „An den Siebnacher Eichen“, der als Zufahrt zu dem Urlaubsdorf dienen soll. Es erstreckt sich dann rechts der Bäume. © Matthias Schuldt

Mit 21 Ja- zu acht Nein-Stimmen hat die Gemeindevertretung der Gesellschaft „Robeo“ die Chance, ein Ferienhausgebiet in Hemfurth-Edersee zu bauen:

Edertal – 50 Einfamilien-Domizile und fünf Gebäude mit je neun Appartements sollen auf 31 000 Quadratmetern entstehen. Die fertigen Häuser werden an einzelne Investoren verkauft. Sie müssen in der Folge an Urlauber vermietet, dürfen also nicht als Wochenendhäuschen umgenutzt werden.Der Beschluss stößt die Arbeit am Bebauungsplan an, der Vorbedingung für das Vorhaben ist.

Zugleich versuchte das Parlament mit seiner Abstimmung am Donnerstag, Pflöcke einzuschlagen mit Blick auf das Gesicht der Siedlung. Robeo hatte mit seinen Entwürfen vorige Woche im Planungsausschuss Kritik ausgelöst, berichtete Vorsitzender Markus Jungermann. Daraus gingen als Forderungen der Abgeordneten hervor: eine lockerere Anordnung der Häuser, attraktivere Fassaden, das Eingrünen des Gebietes gen Ortsrand, insgesamt mehr Pflanzen, mehr Versickerungsflächen und das Ausgliedern eines oberhalb liegenden Feldweges aus dem Wegenetz des Gebietes.

Die intensive Diskussion im Ausschuss spiegelte sich in der Parlamentsdebatte. Die Positionen bewegen sich zwischen vorbehaltloser Zustimmung zu den Robeo-Plänen durch die Freien Wähler und Ablehnung durch Grüne und WIR Edertaler.

„Wollen wir austesten, wie weit sich ein Investor von uns bedrängen lässt, bevor er sich zurückzieht?“ Das fragte FW-Fraktionschef Dr. Daniel Haase zum aus seiner Sicht überzogenen Forderungskatalog.

Die WIR hält nichts vom Feriendorf. „Wir haben eine desolate Infrastruktur mit geschlossenen Hotels und weiteren Leerständen. Das Lebensmittelgeschäft macht bald zu“, meinte Fraktionschef Holger Blume und fragte, wo die neuen Gäste essen und einkaufen sollten. Fraktionskollege Christopher Cegla: „Die Häuser sind einheitlich und hässlich. Ich liebe an Edertal die Weite und den Bezug zur Natur.“

Die Grünen stießen ins selbe Horn. „Der Investor will die dichte Bebauung nicht durch eine geringere Häuserzahl aufzulockern. Das sei nicht rentabel“, kritisierte Karin Krüger. Fraktionsvorsitzender Rainer Pfeffermann verwies auf zusätzlichen Verkehr, nicht nur für Hemfurth-Edersee: „Fragen Sie mal die Affolderner, ob sie noch 100 000 Fahrten mehr vor der Tür haben möchten.“

SPD und CDU räumten ein, dass diese und andere Fragen zu lösen seien. Sie unterstützen daher den Forderungskatalog zur Ausgestaltung der Pläne. Aber: Sie betrachten die Robeo-Ideen grundsätzlich als ideale Ergänzung zu den bestehenden und zu den übrigen, neu geplanten Übernachtungsangeboten.

„Die Frage nach Huhn oder Ei stellt sich immer“, kommentierte Andreas Schaake, SPD-Fraktionschef, die schwächelnde Infrastruktur. „Betriebe schließen nicht, weil ihnen die Leute die Bude einrennen, sondern weil Nachfrage fehlt“, betonte Frederik Westmeier (CDU). Bürgermeister Klaus Gier: „Wir können doch wegen der Leerstände nicht andere Entwicklungen blockieren.“

Er wies den Vorwurf zu dichter Bebauung zurück, „angesichts von 500 Quadratmetern Grundstück pro Haus.“ Das Parlament habe oft gar verlangt, dichter zu bebauen, um weniger Fläche zu versiegeln. Eine Absage erteilte er der Blumes Forderung, statt Ferienhäusern ein neues Baugebiet auf der Fläche einzurichten. Dazu erinnerte Markus Jungermann (SPD): „Vor 20 Jahren wurde das Gebiet von der Gemeindevertretung für Tourismus reserviert. Seit 20 Jahren warten wir auf Investoren.“

Alexandra Knöfel (FDP) weitete den Blick und löste Beifall aus: „Unabhängig von diesem Beschluss müssen wir die Frage beantworten, wohin wir uns mit unserer Gemeinde und dem Tourismus entwickeln wollen – dabei müssen wir die gesamte Bevölkerung mitnehmen und sie aktiv beteiligen.“ (Matthias Schuldt)

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