Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung

Korbacherin schlägt am Boden liegende Freundin mit Bierflasche

Das Korbacher Amtsgericht.
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Am Korbacher Amtsgericht wurde eine 32-Jährige verurteilt, die eine frühere Freundin mit einer Flasche schlug.

Ein zunächst freudiges Wiedersehen zweier alter Freundinnen in Korbach endete mit gefährlicher Körperverletzung: Die eine schlug der anderen eine Bierflasche auf den Kopf. Am Korbacher Amtsgericht fiel Donnerstag ein Urteil.

  • Eine 32-jährige Korbacherin ist wegen gefährlicher Körperverletzung am Amtsgericht Korbach zu acht Monaten Haft verurteilt worden.
  • Sie hatte nach starkem Alkoholkonsum eine alte Freundin zu Boden geschubst und ihr mit einer Bierflasche gegen den Hinterkopf geschlagen.
  • Die Geschädigte erlitt eine Schürfwunde und eine vier Zentimeter große Prellung und zeigte sich immer noch schockiert vom Angriff durch eine Person, der sie vertraute.

Korbach – „Ein Treffen, das mit Freudentränen begann, endet mit einem Schlag auf den Hinterkopf“: So fasste die Staatsanwältin einen gemeinsamen Abend zweier Freundinnen zusammen, der für die eine zu schmerzhaften Verletzungen, für die andere zu einer Haftstrafe von acht Monaten führte. Die 31-Jährige hatte die 27-Jährige umgestoßen und der am Boden liegenden Frau mit einer Bierflasche gegen den Hinterkopf geschlagen.

Die angeklagte Korbacherin zeigte sich geständig – soweit sie sich erinnern konnte: Sie habe einen „absoluten Filmriss“. Sie berichtete von schwerer Alkoholsucht. So begann auch der Tattag, der 6. September 2020, mit einigen Bieren, später ging sie mit ihrem damaligen Freund in die Flechtdorfer Straße zum Parkhaus. Da träfen sich „die Alkoholiker aus Korbach“. Mit wechselnden Bekannten habe sie dort den Tag über getrunken.

Kurz vor 22 Uhr kam eine alte Freundin vorbei, die noch einkaufen wollte: Früher hatten sie viel Zeit miteinander verbracht, berichtete die 27-Jährige, nach ihrem zwischenzeitlichen Umzug hätten sie sich aber lange nicht getroffen. „Sie hat sich so gefreut, mich zu sehen, sie hätte fast geweint“, erläuterte. Sie habe sich also zu dem Duo gesetzt und mit ihnen drei, vier Bier getrunken..

Angriff in Korbach: Stimmung kippte nach starkem Alkoholkonsum

Mit fortschreitenden Alkoholkonsum kippte die Stimmung der 31-jährigen: Sie habe „Stress gemacht“, berichtete ein Korbacher, den sie besuchten. Ihrer alten Freundin warf sie vor, ihr Männer auszuspannen, was diese doch sehr überrascht habe. Die Wohnung des Bekannten wollte sie schon nicht wirklich verlassen, auf dem Heimweg habe sie weiter um die Häuser ziehen wollen, berichtete die 27-Jährige – sie habe „die Erwachsene sein“ und sie überzeugen wollen, lieber nach Hause zu gehen.

Bei aller Gereiztheit ihrer Freundin habe sie nicht damit gerechnet, was als nächstes passierte: Sie schubste sie zu Boden. Während sie dort auf ihre vom Sturz blutende Hand starrte und den Freund der Angeklagten um Hilfe bat, nahm diese eine leere Bierflasche aus dem mitgeführten Kasten und schlug sie gegen den Hinterkopf. Das Paar entfernte sich, die 27-Jährige rief den Notruf.

Für die Schürfwunde und die vier Zentimeter große Prellung bekam sie 750 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Sie habe nicht nur an körperlichen Schmerzen gelitten: Der unvermittelte Angriff durch eine Person, der sie vertraute, habe sie aus der Bahn geworfen. Inwieweit dies zu psychischen Problemen führte, ließ sich aber nicht von anderen Umständen trennen, befand das Gericht. Wegen dieser hatte die Korbacherin als Nebenklägerin – der übrigens auch die Verteidigung keine Belastungstendenzen unterstellte – eigentlich 2500 Euro Schmerzensgeld gefordert. Frühzeitig kontaktierte sie den Weißen Ring.

Um einen Monat reduzierte Richterin Fröhlich das Strafmaß wegen verminderter Schuldfähigkeit nach ungewöhnlich starken Alkoholkonsum. Auch Reue und Geständnis hielt sie ihr zugute. Doch der grundlose Angriff auf eine arglose, am Boden liegende Frau wiege schwer – durch Einsatz der Flasche ist es gefährliche Körperverletzung, zudem ist die Korbacherin wegen Beschaffungskriminalität 14-fach vorbestraft. Nachdem sie im Dezember aus ihrer vierten Alkohol-Therapie ausgeschieden war, wurde ihre letzte Bewährung widerrufen, bis Jahresende sitzt sie im Gefängnis. Das sei zwar „kalter Entzug“, aber eine günstige Sozialprognose sei nicht möglich – und somit auch keine Strafaussetzung zur Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (wf)

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