Werbung für Urlaub in Corona-Zeiten

Radiospot für Waldeck-Frankenberg: Darum ist der Kreistag dagegen

Besucheransturm am ersten sonnigen Ausflugswochenende am Edersee.
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Der Edersee mit Schloss Waldeck ist neben Willingen das Touristen-Ziel in Waldeck-Frankenberg

Da Urlaub in Deutschland in Corona-Zeiten bei den Deutschen sehr beliebt ist, soll der Landkreis Waldeck-Frankenberg im Radio aktiv für den Landkreis werben. Das hat die FDP-Fraktion im Kreistag vorgeschlagen, aber keine Mehrheit bekommen.

Auf den ersten Blick klingt dieser Antrag interessant. Mit einem solchen Radiospot für Urlaub in Waldeck-Frankenberg werde auch den heimischen Tourismus- und Gastronomiebetrieben – gerade jetzt in der Corona-Krise – geholfen, argumentierte die FDP. In der Diskussion in der Sitzung in der Frankenberger Kulturhalle zeigte sich aber, dass der Antrag nicht weit genug gedacht war.

Jochen Rube begründete den FDP-Vorschlag damit, dass Urlaub in der Heimat derzeit wegen der Corona-Pandemie sehr gefragt sei. „Das ist der richtige Zeitpunkt, um aktiv und selbstbewusst für den Landkreis Waldeck-Frankenberg zu werben“, sagte Rube. Er rechnete vor, dass es rund 40 000 Euro koste, zwei Wochen lang vier Mal am Tag auf HR1 und HR3 einen Radiospot zu schalten. „Das hört sich viel an, aber man erreicht sehr viele Menschen in Hessen“, sagte Rube.

Doch der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese, der in seinem Dezernat auch für den Tourismus zuständig ist, nahm ihm schnell den Wind aus den Segeln. „Der Antrag zeugt von wenig Kenntnissen in den touristischen Strukturen des Landkreises“, sagte Frese. Einerseits werde schon einiges unternommen, um für Urlaub in Waldeck-Frankenberg zu werben. „Aber Gäste kennen keine Landkreise und keine Grenzen“, so Frese.

Jochen Rube, FDP Waldeck-Frankenberg

Die Regionen Edersee und Willingen seien dagegen als Marken bekannt und würden bereits kräftig um Menschen aus Deutschland werben – auch in Zusammenarbeit mit touristischen Arbeitsgemeinschaften, mit der Grimm-Heimat Nordhessen und der Hessen-Agentur. Frese: „Unsere touristischen Betriebe sind schon in den Medien aktiv. Und sie sind besser aufgestellt, als wir als Landkreis das könnten.“ Außerdem, so merkte Frese an, müsse man im Tourismus mit Bildern werben, das Radio sei dafür ein schlechtes Medium.

„Der Antrag zeugt von wenig Kenntnissen in den touristischen Strukturen des Landkreises.

Karl-Friedrich Frese, Erster Kreisbeigeordneter

Der Landkreis sei aber natürlich mit den touristischen Kommunen und Betrieben in Kontakt. Und er forciere zum Beispiel den Radwegebau, der für Touristen wichtig sei. „Das sind unsere Zuständigkeit, nicht die Radiowerbung“, sagte Frese.

Klaus Teppe (FWG) begrüßte den Vorstoß der FDP trotzdem: „Dass Waldeck-Frankenberg ein hervorragendes Urlaubsziel ist, ist leider noch nicht allen Menschen bekannt“, sagte Teppe. Und ein Radiospot sei ein Stück Wirtschaftsförderung für die touristischen Betriebe, deshalb bat Teppe darum, den Antrag im Ausschuss konkreter zu behandeln.

Das fand aber ebenso keine Mehrheit wie der eigentliche Antrag der FDP. Gegen diesen sprach sich unter anderem Sina Best (SPD) aus, die berichtete, dass Campingplätze, Ferienwohnungen und andere touristische Betriebe seit der Wiederöffnung in der Corona-Krise am 15. Mai schon wieder „bis in den Herbst ausgebucht“ seien.

Am Rande: Der Lacher des Tages

Ein Radiospot, der für Urlaub in Waldeck-Frankenberg wirbt? Ingo Hoppmann von den Linken kann sich das nicht so recht vorstellen: „Es ist schön, wenn man den Landrat sieht und hört, aber ich glaube nicht, dass er eine große Wirkung auf Gäste hat“, sagte Hoppmann augenzwinkernd in Richtung Reinhard Kubat und sorgte damit für den Lacher des Tages in dieser Kreistagssitzung.

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