Satter Klang unter der Mondsichel

„Rathmann“ und „Wuthe & Faust“ begeistern beim Mühlenkonzert in Lichtenfels

 Die Band „Rathmann“ mit (von links) Magnus Ernst, Caro Sommer, Moritz Weißhaupt und Arne Wolff im Dalwigksthaler Mühlengarten.
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Stimmungsvolle Premiere: Die neu gegründete Band „Rathmann“ mit (von links) Magnus Ernst, Caro Sommer, Moritz Weißhaupt und Arne Wolff präsentierte sich im Garten der Alten Mühle Dalwigksthal erstmals mit deutschen Songs. Das Publikum fühlte sich sofort mitgerissen.

Beim Klappstuhlkonzert mit den Singer-Songwriter-Bands „Wuthe & Faust“ und „Rathmann“ in Dalwigksthal begegneten sich am Wochenende Musikwelten zwischen amerikanisch galoppierendem Western-Rock und deutschem, bilderreichem Indie-Pop.

Lichtenfels-Dalwigksthal – Sommerblauer Abendhimmel, zartrosa Wölkchen über der alten Mühle Dalwigksthal, goldgelbe Mondsichel neben der schwarzen Schornsteinsilhouette – nein, keine aufgemalte Kulisse, alles echt!

Musikwelten zwischen amerikanisch galoppierendem Western-Rock und deutschem, bilderreichem Indie-Pop begegneten sich beim Konzert im Mühlengarten. Perspektivwechsel von der Dorfstraße zur großen Stadt, boshaft-bittere Geschichten zwischen geliehenen Träumen und ungebremstem Tatendrang.

In der stilvollen Atmosphäre des von Gastgeber Jan Küstner liebevoll gepflegten Mühlengartens erlebten die Zuhörer ein großartiges Live-Erlebnis. Dabei wurde der Premierenauftritt der neuen Band „Rathmann“ zu einem umjubelten Höhepunkt.

„Es ist schön, wieder vor richtigen Menschen zu spielen“, gestand Maik Garthe von Wuthe & Faust, als er zusammen mit Jan Hampicke ans Mikrofon trat. Mit „Comin’ back“ feierten beide das große Aufatmen nach dem langen pandemiebedingten Ausfall öffentlicher Konzerte.

Sie fanden sich schnell wieder in ihre gut eingespielte Gitarren-Zwiesprache hinein: Maik Garthe mit seinem facettenreichen Sound auf der „Fender Telecaster“, Jan Hampicke mit druckvoll-treibender Kraft auf der Westerngitarre. Zusammen ein sattes Klangfundament, stilistisch immer wieder mit Überraschungen, mit Picking, Mandolinen- und Zwischentönen auf der Bluesharp.

Wie man mit Niederlagen umgeht, mit kleinen Nachlässigkeiten und großen Ansprüchen, wie man wieder von besseren Zeiten träumt („Good Times“) – Wuthe & Faust haben mit ihren ausgeprägt lyrischen Texten eine Sprache entwickelt, die ihren Blues glaubhaft, ihren Country-Rock rhythmisch geerdet und ihre Balladen zart melancholisch wirken lassen („Sommer’s End“). Es gab viele Zurufe und herzlichen Applaus der Fan-Gemeinde.

Originelle Texte, im Rock tief verwurzelt: Jan Hampicke und Maik Garthe als „Wuthe und Faust“ sorgten in Dalwigksthal für ein starkes Konzerterlebnis.

Zu beobachten war: Hier begegnen sich zwei Songwriter-Generationen mit gemeinsamen Wurzeln in der Region. Maik Garthe (Ellershausen) gab Rathmann Starthilfe bei den ersten eingespielten Songs wie „Coctailbars und Chardonnay“. Magnus Ernst (Bottendorf) hat in den vergangenen Monaten mit Arne Wolff (Schlagzeug), Moritz Weißhaupt (E-Bass) und Caro Sommer (Gitarre) eine Band um sich geschart, die ebenso rhythmisch präzise wie klanglich kreativ dem Frontmann am Keyboard zuspielt.

In der Corona-Zwangspause flossen dem Bottendorfer Songwriter ganz viele deutschsprachige Songs aus der Feder, die bei der Premiere in Dalwigksthal das Publikum begeisterten: auf origineller Harmonik fantasievolle Texte mit viel Ironie, Freude am Wortspiel, originellen Metaphern zwischen kleinem Bier und großer Lyrik, mit „kalten Füßen auf schwarzem Asphalt“. Der Song „OKF“, der zur letzten „Orts-Kontroll-Fahrt“ rund um das Heimatdorf vor dem Wegzug nach Hamburg in die weite Welt einlädt, hat Ohrwurmqualität und beschreibt viel Lebensgefühl, präsentiert mit lockerem Entertainer-Charme.

Eine Jam-Session mit den beiden Bands und Cover-Songs schloss sich an. Auch hier gab es nicht enden wollender Beifall, bis die Mondsichel schließlich hinter dem Mühlenschornstein verschwunden war. Von Karl-Hermann Völker

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