Uni Marburg erforscht Dialekte für 15 Millionen Euro

Wie viel Regionalsprache steckt in der Sprache? Mit Kopfhörern wertet Sprachwissenschaftler Lars Vorberger Interviews von Menschen aus ganz Deutschland aus. Fotos: Coordes

Marburg. Der Regiolekt ersetzt den Dialekt. Das sagt das Marburger Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas. Es untersucht die Struktur der modernen Regionalsprachen.

Den mehr als 120 Jahre alten Satz über die bösen Gänse mag Lars Vorberger vom Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas besonders gern: „Mein liebes Kind, bleib hier unten stehen, die bösen Gänse beißen dich tot“, lautet er auf Hochdeutsch. 1887 schickte ihn der Marburger Bibliothekar Georg Wenker in einem Fragebogen mit 40 Sätzen an alle 50 000 Dorfschulen des damaligen Deutschen Reiches. Mit der traumhaften Rücklaufquote von 99 Prozent übersetzten die Lehrer die Sätze in die örtlichen Dialekte.

Wenker übertrug die Ergebnisse in 1650 handgezeichnete Dialektkarten, die heute im digitalen Wenker-Atlas zu finden sind. „Keine andere Sprache der Welt hat eine vergleichbare Erhebung“, sagt Sprachwissenschaftler Alexander Werth.

Heute ist der Marburger Sprachatlas nicht nur die weltweit älteste Einrichtung seiner Art, sondern auch ein „Leuchtturm der Sprachdynamikforschung“, sagt Uni-Präsidentin Katharina Krause. Aktuell untersucht das renommierte Forschungsinstitut in einem Langzeitprojekt mit 15 Millionen Euro die Struktur der modernen Regionalsprachen, die den Dialekt inzwischen auf breiter Front ablösen: „Meist wird irgendetwas zwischen Dialekt und normierter Sprache gesprochen“, erläutert Vorberger, der sich vor allem mit Hessen beschäftigt: „Der Regiolekt bestimmt den kommunikativen Alltag.“ (zgc)

Wie die Forscher die Dialekte untersuchen und was sie schon herausgefunden haben, das lesen Sie in der gedruckten Dienstagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

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