Pflegebedarf verhindern oder reduzieren

Pflegebeauftragter der Bundesregierung nimmt Willinger Erkenntnisse mit nach Berlin

Andreas Westerfellhaus, Pflegebeauftragter der Bundesregierung (3. von links) nahm im Pflegehotel in Willingen ein Positionspapier der Einrichtung und der AOK Landespflegekasse entgegen.
+
Andreas Westerfellhaus, Pflegebeauftragter der Bundesregierung (3. von links) nahm im Pflegehotel in Willingen ein Positionspapier der Einrichtung und der AOK Landespflegekasse entgegen.

Pflegebedürftigkeit bestenfalls verhindern, ansonsten reduzieren oder stabilisieren: Um sich ein Bild davon zu machen, wie das gelingen kann, hat der Pflegebeauftragte der Bundesregierung Andreas Westerfellhaus das Pflegehotel in Willingen besucht.

Waldeck-Frankenberg – „Wir wissen alle, dass wir in einer alternden Gesellschaft leben – beim Blick auf die Pflegekapazitäten sollten wir Reha- und Präventionsansätze nicht vergessen“, sagte er.

Wie eine Kurzzeitpflege das zusammenbringt und welche Bedingungen helfen, die Gesundheit der Patienten wiederherstellen, haben Peter Allerchen von der Landespflegekasse der AOK und Waltraud Rebbe-Meyer vom Pflegehotel in einem Positionspapier zusammengefasst, welches sie dem Staatssekretär übergaben. Krankenkasse und Einrichtung hatten 2008 als Modellversuch einen Versorgungsvertrag verhandelt, der eine solche rehabilitative und aktivierende Kurzzeitpflege mit therapeutischen Leistungen verbindet. Zwölf Jahre lang wurde sie in der Praxis evaluiert.

Nun sei nachgewiesen, dass deren Nutzung Pflegebedürftigkeit reduziere oder ganz vermeide. Auch dabei, wenn mehrere Sektoren wie Pflegeeinrichtung und Ärzte in der Versorgung eines Patienten zusammenarbeiten, helfe die Verbindung mit Reha und Therapie – gerade nach einem Krankenhausaufenthalt. Nicht zuletzt stabilisiere die Nutzung zeitlich begrenzter Angebote pflegende Angehörige, wodurch die Situation zuhause verbessert werde.

Er mache sich dafür stark, dass rehabilitative Ansätze beachtet werden, welche die Pflegebedürftigkeit senken, erklärte Andreas Westerfellhaus. Wenn es gelinge, dass Senioren länger in den eigenen vier Wänden leben können, reduziere sich die pflegeintensive Zeit im Alter, was auch die Personallage in der Pflege entlaste.

Es gebe viele Angebote, welche die Bürger in diesem Bereich flexibel einsetzen könnten – doch sei es manchmal zu kompliziert, sie zu nutzen. Gesundheitsminister Jens Spahn habe da erste Ansätze vorgestellt: Die angekündigte Pflegereform soll ein Pflegebudget für Kurzzeit- und Verhinderungspflege beinhalten, Angehörige finanziell entlasten und organisatorische Fragen vereinfachen. (wf)

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung vertritt die Interessen der Pflegebedürftigen in der Politik, Ministerien beteiligen ihn bei allen Gesetzesvorhaben und sonstigen wichtigen Projekten mit Bezug zur Pflege. Das Amt wurde 2014 geschaffen, seit April März 2018 nimmt Andreas Westerfellhaus es wahr. Der Familienvater aus Nordrhein-Westfalen ist gelernter Pfleger, unterrichtete im Feld, war als Schulleiter und Geschäftsführer tätig und bis 2017 Präsident des Pflegerats. (wf)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.