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Natur im Edertal: An Zechsteinhängen bei Lieschensruh blüht der Färberwaid

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Markant: Die Zechsteinwand zwischen Affoldern und Lieschensruh gehört zu einem 42 Hektar großen Naturschutzgebiet im Edertal.
Markant: Die Zechsteinwand zwischen Affoldern und Lieschensruh gehört zu einem 42 Hektar großen Naturschutzgebiet im Edertal. © Wolfgang Lübcke

Die Natur im Edertal hat bei Affoldern eine Besonderheit aufzuweisen: Das 42 Hektar große Naturschutzgebiet „Zechsteinhänge bei Lieschensruh“. Dort blüht in diesen Tagen der Färberwaid.

Edertal - Das Naturschutzgebiet setzt sich im Wesentlichen aus drei Teilflächen zusammen, die alle denselben Gesteinsuntergrund aufweisen:

Der größte Komplex besteht aus dem linksseitigen Hang des Netzetals zwischen der Siedlung Lieschensruh und Buhlen mit Gemeindsgraben und unterem Bereich des Eschgrabens, sowie dem Franzosenrain zwischen der ehemaligen Eisenbahnbrücke und Lieschensruh und der Zechsteinwand zwischen Affoldern und Lieschensruh.

250 Millionen altes Kalkgestein

Die Zechsteinwand – in Affoldern einfach nur „Stein“ genannt – ist der markanteste geologische Aufschluss in Edertal. Die Wand dürfte über einen langen Zeitraum hinweg als Prallhang der früher mäandernden, sich also in großen Schleifen durch das Tal windenden Eder entstanden sein.

Das jetzige Bild wurde jedoch auch durch die Jahrhunderte währende Nutzung als Steinbruch geprägt. Das etwa 250 Millionen alte Kalkgestein wurde unter anderem für den Bau der Kirche von Affoldern genutzt.

Historischer Brutplatz von Uhus

Von dem Grafen Georg von Waldeck zu Bergheim (1870 bis 1966) ist bekannt, dass in der Felswand bis 1910 regelmäßig der Uhu gebrütet hat. Die Großeule war für einige Jahrzehnte im Kreisgebiet ausgestorben. Interessant ist nun, dass einige verschwundene Großvogelarten wie Schwarzstorch und Uhu sich dort zuerst wieder ansiedelten, wo es historische Brutplätze gab. So brütet seit einigen Jahren wieder ein Uhu-Paar in der Zechsteinwand am Rand des Edertals.

Alte Kulturpflanze: Der gelb blühende Färberwaid wurde einst zur Blaufärbung von Textilien angebaut.
Alte Kulturpflanze: Der gelb blühende Färberwaid wurde einst zur Blaufärbung von Textilien angebaut. © Wolfgang Lübcke

Eine botanische Besonderheit ist der gelb blühende Färberwaid, ebenso wie Raps ein Kreuzblütler, dem er im Aussehen ähnelt. Im Mittelalter wurde diese Wärme und kalkhaltigen Boden liebende Pflanze in großem Umfang im Raum Fritzlar angebaut. Aus ihr wurde der Farbstoff für die Blaufärbung von Textilien gewonnen. Als kulturhistorisches Relikt hat der Färberwaid an den Zechsteinfelsen bei Lieschensruh sein einziges Vorkommen im Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Mehrere tausend Orchideen blühen

Der Bereich Netzehang bis Eschgraben verdankt seine Schutzwürdigkeit vor allem dem Kalkmagerrasen auf Zechstein, der reich an Orchideen ist, sieben Arten wurden hier festgestellt. Am häufigsten und aus pflanzengeografischer Sicht bemerkenswert ist das Dreizähnige Knabenkraut, so genannt nach seiner Blütenform. Die mediterrane Art besitzt in Mitteleuropa nur ein kleines, isoliertes Teilareal in Nordhessen, Ostwestfalen, Südniedersachsen und Westthüringen.

Eine Orchideenart: Dreizähniges Knabenkraut.
Eine Orchideenart: Dreizähniges Knabenkraut. © Dieter Barck

In dem Edertaler Naturschutzgebiet hat diese Orchidee ihr größtes Vorkommen in Waldeck-Frankenberg. In günstigen Jahren können hier mehrere tausend Exemplare blühen. Wichtig für den Erhalt der Orchideen ist die extensive Beweidung, die Schäfer Georg Schutte aus Frankenau mit seinen Heidschnucken im Auftrag der Oberen Naturschutzbehörde leistet.

244 Schmetterlingsarten und 70 Käferarten im Naturschutzgebiet

Spiegelbild der reichen Pflanzenwelt des Naturschutzgebietes „Zechsteinhänge“ ist die vielfältige Insektenwelt.

244 Schmetterlingsarten wurden dort gezählt, außerdem kommen dort 70 Käferarten vor und zudem elf Heuschreckenarten.

Wechselnde Blühaspekte im Jahreslauf

Blickfang im Naturschutzgebiet „Zechsteinhänge bei Lieschensruh“ sind Blühpflanzen. Insbesondere auf dem großen Halbtrockenrasen entlang der Bundesstraße sind sehr schön die jahreszeitlich wechselnden Blühaspekte zu beobachten:

Im zeitigen Frühjahr weiße Schleier aus Hungerblümchen und das gelb blühende Frühlings-Fingerkraut, Ende Mai das hellviolett blühende Dreizähnige Knabenkraut, im Juni die rötlichen Blütenköpfchen des Kleinen Wiesenknopfs, im Sommer die lichtgrüne Färbung der Grasart Fieder-Zwenke, die sich später rötlich-gelb ändert und im Herbst die gelben Blütendolden des seltenen Sichelblättrigen Hasenohrs.

Dadurch hebt sich dieser naturnah bewachsene Hang deutlich gegenüber der umgebenden Kulturlandschaft im Edertal ab. (Wolfgang Lübcke)

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