Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt

Diebstahl, Bedrohung und verfassungswidrige Ausrufe: Korbacher begeht im Rausch Reihe von Straftaten

Das Amtsgericht in Korbach.
+
Der Prozess am Amtsgericht war für einen 46-jährigen Korbach nicht der erste – doch die Hoffnung, dass diese lange Laufbahn endet, war nach der Verhandlung da.

Eine Reihe von Vergehen und viele Vorstrafen: Dennoch waren sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Richter einig, dass die Freiheitsstrafe eines Korbachers zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

  • Ein Korbacher hat unter Alkohol- und Drogeneinfluss eine Reihe von Verbrechen von Diebstahl über Bedrohung bis zur Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verübt.
  • Am Korbacher Amtsgericht gestand und bedauerte er die Taten: Direkt im Anschluss an sie begann er mit Entgiftung, Beratung und erfolgreicher Suche nach Therapie.
  • Angesichts dieser Umstände waren sich alle Prozessparteien einig, dass trotz vieler Vorstrafen eine Strafaussetzung zur Bewährung möglich ist.

Korbach – Wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in vier Fällen, Bedrohung und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen musste sich ein 46-jähriger Korbacher am Amtsgericht verantworten: Nachdem er die Vorwürfe im vollen Umfang eingeräumt hatte, wurde er zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Trotz 21 Vorstrafen: Selbst die Staatsanwältin hatte das beantragt.

Alkohol, Kokain und weitere Betäubungsmittel sowie Urteile wegen der Beschaffungskriminalität prägten die vergangenen 30 Jahre seines Lebens. Nach einer vierjährigen Haftstrafe wurde er im Januar 2019 in die Führungsaufsicht entlassen. Die schwere Pflegbedürftigkeit seiner Mutter habe ihm zugesetzt und führte zum Rückfall in die Sucht. „Das ist keine Entschuldigung, ich bedauere die Taten“, sagte er.

Im August 2019 suchte er nach einer Feier in einem Korbacher Wohnhaus eigentlich seinen Tabak: In einer leeren Wohnung nahm er Besteck und Silberwaren im Wert von rund 100 Euro mit.

Reihe von Vergehen in Korbach und Bad Wildungen nach Rückfall in die Sucht

Im Januar und Februar folgte dann eine Kette von Straftaten, ebenfalls unter Alkohol- und Drogeneinfluss: In einem Korbacher Supermarkt stahl er ein Portmonee mit 60 Euro aus dem Lager; vor einem Modegeschäft in der Hansestadt nahm er eine Lederjacke im Wert von 280 Euro von einer Puppe und verkaufte sie für 10 oder 15 Euro weiter. In Bad Wildungen sah er, dass die Vitrine vor einem Juweliergeschäft nicht richtig verschlossen war, und stahl zwei Schmuckkissen mit Ringen und Halsketten im Wert von rund 9600 Euro. Dass er daraufhin in aller Ruhe an der wenige Hundert Meter entfernten Bushaltestelle wartete, statt sich über ihm durchaus bekannte Schleichwege zu entfernen, unterstützte für Richter Ludwig die Aussage, er habe sie „ganz planlos eingesteckt“. Die Polizei kam noch vor dem Bus.

Zwei andere Taten: Als er für ein Treffen mit einer Frau ein Zimmer in einem Korbacher Hotel buchen wollte, wurde ihm das wegen offensichtlicher Trunkenheit verwehrt – der Mitarbeiterin sagte er daraufhin „Wenn ich dich draußen erwische, lege ich dich um.“ Und schließlich zeigte er bei einer Polizeikontrolle den Hitler-Gruß und rief entsprechende Parolen. Er sei kein Nazi, beteuerte er: „Ich war total besoffen.“

Korbacher Angeklagter ergreift seit mehr als einem Jahr Schritte gegen seine Sucht

Nach der Serie begab er sich in die Entgiftung und erhält seitdem Medikamente, die den Suchtdruck von ihm nehmen. Wöchentlich spricht er mit der psychosozialen Beratung und hat die Kostenzusage für eine stationäre Therapie, die im Juni beginnt. „Er kann sich positiv entwickeln, wenn es ihm gelingt, erstmals über einen längeren Zeitraum clean zu bleiben“, befand eine Gutachterin.

Richter Ludwig zeigte sich erstaunt über den klaren Zustand des Angeklagten nach 30 Jahren Sucht. „Ich habe Glück gehabt“, sagte dieser – er wisse, dass er genauso tot sein könnte wie der Großteil seines Bekanntenkreises in der Drogen-Szene.

Vor fünf, sechs Jahren hätte er es nicht geschafft, zu stoppen, berichtete sein Verteidiger. Und auch die Staatsanwältin sah trotz Vorstrafenregisters, dass sich da etwas getan habe. Verminderte Schuldfähigkeit könne bei keiner Tat ausgeschlossen werden.

Das Geständnis ohne Beschönigungen sei ausschlaggebend für die Bewährung und die Chance, außerhalb des Gefängnisses an seinem Leben zu arbeiten, hielt der Richter fest: „Wenn mindestens der gleiche Effekt wie beim Strafvollzug zu erwarten ist, kann man das wagen.“ (wf)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.