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Rekordwärme, aber auch Schnee im April: So war das Wetter 2022 in Waldeck-Frankenberg

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Sand und Stein statt Wasser und Wellen: Tretboote liegen in der Bringhäuser Bucht am Fuß der trockengefallenen Liebesinsel. Der Edersee war im Sommer 2022 aufgrund fehlender Niederschläge und der Wasserabgabe an die Weserschifffahrt nur noch zu 20 Prozent gefüllt. © DPA Deutsche Presseagentur

HNA-Wetterexperte Roland Schmidt hat eine Bilanz für das Jahr 2022 gezogen. Sein Fazit: Die Sonne schien so häufig wie selten zuvor, beim Niederschlag fehlten zuletzt 15 Prozent.

Frankenberg – Normalerweise sind Sonnenschein und Wärme beliebte Wetterelemente, während Wolken, Wind und Regen deutlich geringere Sympathiewerte erreichen. Betrachtet man jedoch im Rückblick das Jahr 2022, so zeigen sich sehr deutlich die Gefahren, wenn das Gleichgewicht im Wettersystem verloren geht. Schon der Start war außergewöhnlich, sanken doch die Thermometer in der Silvesternacht nicht unter die 10-Grad-Marke. Zwar normalisierten sich danach die Temperaturen und ab dem 5. schneite es sogar zeitweise, richtig winterlich präsentierte sich der Januar aber nur im Bergland. Dort schien auch oft die Sonne, während es in den Tälern insgesamt trüb und zu mild blieb.

Roland Schmidt Wetterexperte aus Ernsthausen
Roland Schmidt, Wetterexperte aus Ernsthausen © Biedenbach, Martina

Im Februar wirbelten zahlreiche Sturmtiefs über Deutschland, sie bescherten uns doppelt so viel Niederschlag wie üblich, allerdings nur selten etwas Schnee, denn die Mitteltemperatur lag fast drei Grad über dem Normalwert. Ab dem Monatsende sorgte zunehmender Hochdruckeinfluss für Wetterberuhigung, die dann jedoch nahezu den gesamten März dominierte. Ein Rekordwert an Sonnenschein von über 200 Stunden war die Folge, nur zur Monatsmitte regnete es etwas.

Der April zeigte sein Talent für Überraschungen gleich zu Beginn, denn da schneite es bis in die Täler anhaltend und kräftig, was dort die höchste Schneedecke des ganzen Jahres brachte. In der zweiten Monatshälfte wurde es zwar sonnig und trocken, allerdings schadeten häufige Nachtfröste der schon weit entwickelten Vegetation. Die hatte außerdem ab Mai mit zunehmendem Regenmangel zu kämpfen, nur lokal brachten Schauer und Gewitter genügend Feuchtigkeit.

70 Sommertage

Sehr viel Sonnenschein und viel zu wenig Regen beherrschten auch im Sommer das Wettergeschehen, wobei der Juni und der August auch noch ein dickes Wärmeplus lieferten. So erlebten wir bis zum Herbst mehr als 70 Sommertage mit Maxima von 25 Grad und mehr, an fast 20 Tagen zeigte das Thermometer sogar über 30 Grad. Mit knapp 36 Grad war es am 20. Juli am heißesten.

Ein sehr nasser und kühler September sorgte für Entspannung in Feld und Flur; die extrem sonnigen und milden Monate Oktober und November fielen dann wieder ins andere Extrem. So auch der Dezember: Nach einer winterlich kalten ersten Hälfte wurde es ab dem 20. wieder nass und mild. So endet 2022 in einer erneut sehr milden Silvesternacht.

Die Jahresmitteltemperatur lag um mehr als zwei Grad zu hoch und damit auf Rekordniveau, die Sonne schien so häufig wie selten zuvor und beim Niederschlag fehlten zuletzt 15 Prozent.

Unser Wetterexperte

Roland Schmidt (Jahrgang 1955) absolvierte eine Ausbildung als Wetterbeobachter und war beim Wetterberatungsdienst der Bundeswehr tätig. Er gibt auch Wetter-Seminare bei der vhs.

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