„Hat immer Spaß gemacht“

Rhaderner Ortsvorsteher Walter Seibel geht nach 32 Jahren

Erinnerungsstück: Walter Seibel hält das erste Ortsvorsteher-Schild hoch, das 1971 entstand und das er von seinem Vorgänger übernommen hat.
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Erinnerungsstück: Walter Seibel hält das erste Ortsvorsteher-Schild hoch, das 1971 entstand und das er von seinem Vorgänger übernommen hat.

Leiter von 87 Ortsbeiratssitzungen, Wahlhelfer bei 44 Wahlen, 31 Mal sprach er zur Kranzniederlegung am Volkstrauertag: Nach 32 Jahren als Ortsvorsteher hat Walter Seibel aus Rhadern den Stab an Ursula Müller weitergereicht.

Lichtenfels-Rhadern – „Jetzt ist die richtige Zeit dafür. Es ist wichtig, dass frischer Wind in Rhadern weht und andere Schwerpunkte gesetzt werden“, sagt der 72-Jährige, der 1981 in den Ortsbeirat und 1989 zum Ortsvorsteher gewählt wurde.

Dabei hatte es der Anfang seiner Amtszeit in sich – er trat sein Amt an, als das Dorfgemeinschaftshaus gerade erweitert wurde. „Da stand ich so manches Mal zwischen der Bevölkerung und der Verwaltung“, schaut Seibel mit einem Lachen zurück.

Seit 1989 erreichten die Ortsbeiräte unter anderem den Ausbau mehrerer Straßen im Ort, den Abriss der Gefrieranlage und die Erweiterung des Kinderspielplatzes. Der Friedhof wurde erweitert, ist nun auch barrierefrei erreichbar. Bauplätze wurden geschaffen, der Dorfplatz in Eigenleistung neu gestaltet, Waldwege erneuert, der Anschluss an das schnelle Internet gelang. Allerdings hätten sich nicht alle Wünsche realisieren lassen, etwa die Erneuerung der Straße in den Aspen, die seit 25 Jahren auf der Agenda stehe.

Ortsjubiläum und Haus Hamerla

Zwei Projekte nimmt Walter Seibel für sich in Anspruch: Auf seine Anfrage hin fand sich in Zusammenarbeit mit dem damaligen Bürgermeister Wennemuth die Ersterwähnung Rhaderns: 1258. 2008 feierte der Ort sein 750-jähriges Bestehen. „Das ganze Dorf stand auf den Beinen und hat mitgemacht“, erinnert Seibel sich gern. Welche Rolle er damals spielte, machte seine Stellvertreterin Britta Ibing bei der konstituierenden Sitzung des neuen Ortsbeirates und seiner Verabschiedung deutlich. Neben der Würdigung all der Kleinarbeit, die häufig im Verborgenen geschehe und nicht gewürdigt, sondern als selbstverständlich hingenommen werde, hob sie besonders seine Arbeit für das Ortsjubiläum hervor. „Du hast es immer wieder geschafft, alle unterschiedlichen Parteien miteinander ins Gespräch zu bringen und Lösungen herbeizuführen. Ich weiß nicht, wie Du das geschafft hast, aber es hat geklappt.“

Auch für eine Verwendung des Hauses Hamerla gegenüber der Kirche setzte Seibel sich lange ein. Als sich keine Zukunft für das Gebäude abzeichnete, erreichte er den Abriss – und fand auch für die Vorbereitungsarbeiten Unterstützung in Rhadern.         red/md

In 32 Jahren habe sich die Arbeit der Ortsvorsteher deutlich verändert. „Früher hatten wir mehr Verwaltungsaufgaben, mussten Schriften beglaubigen, Ausweise austeilen, die Vieh- und Geflügelzählung durchführen“, erinnert Seibel, der 50 Jahre bei der Deutschen Post gearbeitet hat, zuletzt in der betrieblichen Sozialberatung. „Heute gehört es zu den Aufgaben, Mängel oder Unregelmäßigkeiten an die Stadt zu melden“, verweist Seibel darauf, dass Ortsvorsteher die Listen über Hundesteuer und Baugenehmigungen erhalten. „Da treten auch Konfliktsituationen auf. Aber es gehört nun mal zu den Aufgaben von Ortsvorstehern, die Augen offen zu halten.“

„Ich habe immer Wert auf ein sauberes Ortsbild gelegt. Es hat mich schon gestört, wenn der ein oder andere darauf nichts gab“. Gefreut habe ihn, „wenn wir etwas angeleiert haben und es dann auch genehmigt und unterstützt wurde. Und wenn ich den Leuten im Ort helfen konnte.“

Die Arbeit habe ihn nie belastet, immer Spaß gemacht und „ich bedanke mich bei allen, die mich von Anfang an unterstützt haben.“ Ausgezeichnet wurde er für sein Engagement mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen und der Goldenen Ehrennadel der Stadt Lichtenfels. In der Übergangsphase werde er das neue Gremium unterstützen, „und dann, wenn ich gefragt werde“, sagt der 72-Jährige. Ansonsten werde er sich zurückhalten, mit seiner Frau viel wandern, im Garten arbeiten und das Zusammensein mit den drei Enkelkindern genießen. Von Marianne Dämmer

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