Gehörloser Julius Zölzer ist Mitglied der Feuerwehr-Bambinis

Rosenthal. Der gehörlose Julius Zölzer ist großer Feuerwehrfan. Seit einem Jahr ist er daher Mitglied der Bambini-Feuerwehr Rosenthal. Dabei steht ihm immer ein Gebärdendolmetscher zur Seite.

Als der Rauch in dem kleinen Puppenhaus aufsteigt, schauen alle Kinder der Bambini-Feuerwehr Rosenthal fasziniert zu. Auch Julius Zölzer. Das Geräusch des eingebauten Feuermelders, bei dem die meisten Kinder zusammenzucken, lässt ihn aber kalt. Der Siebenjährige wurde ohne Hör-Nerven geboren und kann weder hören noch sprechen.

Seit etwa einem Jahr ist Julius Mitglied bei der Rosenthaler Bambini-Feuerwehr. An seiner Seite ist immer ein Elternteil oder ein Gebärdendolmetscher. An diesem Abend fungiert Julius’ Vater Hermann als Übersetzer. Während Bianca Bubenheim, die das kleine Puppenhaus gebaut hat, erklärt, wie sich Rauch verbreitet und was im Ernstfall zu tun ist, übersetzt er ihre Worte in Gesten. Manchmal schaut Julius aber auch einfach nur zu, was Bianca Bubenheim oder die anderen Kinder machen, und versucht Lippen zu lesen.

Durften ausnahmsweise einmal Probesitzen im großen Feuerwehrauto: Die Bambinis der Feuerwehr Rosenthal.

Julius Vater, selbst aktiv in der Feuerwehr, freut sich, dass die Integration so gut klappt. „Feuerwehr interessiert Julius schon länger“, sagt Hermann Zölzer. Schon in der Gemündener Kita sei er von der Brandschutzerziehung fasziniert gewesen. Für die Eltern ist es wichtig, dass ihr Sohn in den Vereinen vor Ort mitmacht, damit er mehr Kontakt mit Gleichaltrigen hat. Denn die Gehörlosigkeit macht das Freundschaftenschließen schwer. Auch Julius Schulfreunde seien weit weg, da der Junge aus dem Rosenthaler Stadtteil Willershausen in Homberg/Efze auf eine Schule mit speziellen Förderschwerpunkten geht.

„Ohne Dolmetscher wäre die Kommunikation sehr schwierig“, sagt Bambini-Feuerwehrwartin Bianca Bubenheim. „So klappt es aber gut.“ Sonderregeln gelten für Julius nicht. Die anderen Kinder hätten erstaunlich fürsorglich und rücksichtsvoll auf ihren neuen Kameraden reagiert. Am Anfang seien viele Nachfragen zur Gehörlosigkeit gekommen, das habe sich aber gelegt. „Daran haben wir uns gewöhnt und Julius ist nett“, erklärt der neunjährige Halil. Die Kinder seien sehr achtsam, auch weil Julius lange der Jüngste in der Gruppe gewesen sei: „Wenn etwas Neues passiert, dann nehmen sie ihn an die Hand und zeigen ihm das“, sagt Bubenheim.

Julius macht die Bambini-Feuerwehr Spaß. Laut seinem Vater war der beste Teil des Übungsabends das Sitzen im Feuerwehrauto und der große Ventilator, mit dem der Rauch aus Häusern gezogen wird und den die Kinder sich genauer anschauen durften.

Info:

Die Bambini-Feuerwehr steht nach Anmeldung allen Rosenthaler Kindern zwischen sechs und zehn Jahren offen. Übungsabende sind ein Mal im Monat. Wochentage und Dauer variieren. Fragen beantwortet Bianca Bubenheim unter 06425/921577.

Rubriklistenbild: © Pflug

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.