Dentalhygienikerin lebt seit 2013 in der Mongolei 

Rosenthalerin Gabriella Schmidt-Corsitto fühlt Mongolen auf den Zahn

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Setzt sich für gesunde Kinderzähne in der Mongolei ein: Gabriella Schmidt-Corsitto arbeitet mit Studenten und Zahnärzten in mehreren Waisenhäusern und Kindertagesstätten.

Rosenthal/Ulanbaatar. In unserer Serie "Ausgewandert" stellen wird dieses Mal die Dentalhygienikerin Gabriella Schmidt-Corsitto aus Rosenthal vor. Sie lebt seit 2013 in der Mongolei. 

Warum muss man jeden Tag Zähneputzen, warum sind Bonbons schlecht für Zähne und warum muss man zum Zahnarzt, wenn nichts wehtut? Solche Fragen kennt Gabriella Schmidt-Corsitto gut. Denn die Dentalhygienikerin aus Rosenthal lebt in der Mongolei. In keinem anderen Land der Welt haben laut einer Studie so viele Menschen Karies. Das will die 53-Jährige ändern und hat daher mit Gleichgesinnten die Stiftung Misheel Kids Foundation gegründet.

Schmidt-Corsitto lebt seit 2013 in der Mongolei. Ihr Mann arbeitet dort als Berater für nachhaltige Forstwirtschaft, sie unterrichtet ehrenamtlich Studenten der Zahnhygiene an der Mongolian National University of Medical Science. „Schon bald wurde mir klar, dass die Ausbildung sehr theoretisch ist“, sagt Schmidt-Corsitto. Um das zu ändern und gleichzeitig Menschen in Not zu helfen, behandelte sie mit den Studenten Kinder in Waisenhäusern.

Der Zustand ihrer Zähne sei ein „Desaster“ gewesen. Gründe seien die Ernährung und fehlende Aufklärung. Denn nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kamen mit Wirtschaftswachstum und Wohlstand auch vermehrt Süßigkeiten und gesüßte Getränke ins Land. „Die Mongolen waren ursprünglich ein Nomadenvolk und ernährten sich fast ausschließlich ohne Zucker“, erklärt Schmidt-Corsitto. So habe sich auch keine Zahnhygiene-Tradition wie in Deutschland entwickelt.

Behandlung und Vorbeugung

Daher geht es bei dem ersten Projekt der Stiftung nicht nur um die Behandlung akuter Probleme, sondern auch um Vorbeugung und Nachhaltigkeit. 474 Kinder in fünf Waisenhäusern und Kitas wurden seit Frühjahr 2016 behandelt. Alle sechs Monate werden Folgeuntersuchungen durchgeführt und Kinder, Betreuer und Eltern in Zahnpflege und gesunder Ernährung unterrichtet. „Die Resonanz ist gut“, sagt Schmidt-Corsitto. So sei zum Beispiel in den Waisenhäusern die Ernährung umgestellt worden.

Schmidt-Corsittos nächstes Projekt: Im März will sie mit zwei deutschen Zahnärzten in den Norden der Mongolei fahren. Dort wollen sie Angehörige des Volks der Tsaatan, traditionelle Rentierhalter, behandeln.

Schmidt-Corsittos Engagement im Ausland ist nicht neu. Bereits Ende der 80er arbeitete die gebürtige Schweizerin in Gabun im berühmten Albert-Schweizer-Krankenhaus. Im Anschluss baute sie eine mobile Zahnstation auf, um so in abgelegeneren Regionen helfen zu können. In Gabun lernte sie auch ihren Mann kennen.

Nach Aufenthalten in mehreren westafrikanischen Ländern kam das Ehepaar 2007 nach Rosenthal zurück, die beiden Kinder besuchten die Edertalschule in Frankenberg. Auch jetzt verbringt Gabriella Schmidt-Corsitto jedes Jahr Zeit in der Region, hauptsächlich um Parodontaltherapie bei treuen Patienten durchzuführen. Ob sie je wieder dauerhaft zurückkommt, darauf hat die Globetrotterin keine klare Antwort: „Ich kann mir nur schwer vorstellen, länger an einem Ort zu bleiben.“

Die Seite der Stiftung: http://misheel-kids-foundation.com

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