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Sonnenenergie statt Biogas: Rosenthaler startet erneut Versuch für Nahwärmenetz

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Von: Susanna Battefeld

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Dieter Kappenstein steht mit zwei Hunden auf einer Ackerfläche an der Straße nach Willershausen und hält einen Zettel in der Hand.
Die Konzeptstudie für das bereits vor zehn Jahren erstmals geplante Nahwärmenetz hat Dieter Kappenstein noch. Der Rosenthaler erhofft sich dieses Mal mehr Unterstützung für sein Vorhaben, das er auf einer Ackerfläche an der Straße nach Willershausen (Foto) jetzt mit einer Solarthermieanlage umsetzen will. © Susanna Battefeld

Die Stadt mit bezahlbarer Energie zu versorgen ist die Idee von Rosenthaler Dieter Kappenstein. Statt einer früher geplanten Biogasanlage will er nun Solarthermie nutzen.

Rosenthal – Die Grundidee ist geblieben – doch dieses Mal setzt er auf Sonnenenergie: Der Rosenthaler Dieter Kappenstein wollte vor zehn Jahren eine Biogasanlage mit Wärmenetz in Rosenthal bauen, um die Stadt mit bezahlbarer Energie zu versorgen, (HNA berichtete).

Nachdem sich allerdings massiver Widerstand im Ort gebildet hatte und sogar eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen wurde, gab er seine Pläne erstmal auf. Jetzt will der 54-Jährige einen erneuten Anlauf nehmen, „den Gaul ein bisschen anders aufzäumen“, wie er es formuliert: Statt Biogas will er Solarthermie nutzen, also eine Technik, bei der sich Sonnenenergie in Wärme umwandeln lässt.

Belästigung durch Geruch und Lärm befürchtet

Es hat sich damals eine Bürgerinitiative organisiert, die nicht nur gegen den Standort der geplanten Biogasanlage an der Willershäuser Straße war, sondern auch eine Alternative zu Biogas diskutierte. Die wichtigsten Einwände der Bürgerinitiative betrafen eine mögliche Geruchs- und Lärmbelastung der umliegenden Wohngebiete.

Der damalige Rosenthaler Bürgermeister Hans Waßmuth hatte hingegen Unterstützung für das Engagement der Kappensteins signalisiert. „Solange Sie als Vollinvestoren alle Kosten tragen, stehen wir hinter dem Projekt“, sagte er 2014 gegenüber der HNA.

Die Kosten für eine Biogasanlage inklusive Nahwärmenetz und Vollversorgung der Haushalte und Unternehmen hatte Kappenstein 2012 mit rund 2,5 Millionen Euro beziffert. Mit dem rund 1,2 Kilometer langen Hauptstrang des Nahwärmenetzes sollte der Strombedarf für 450 Haushalte (mit drei bis vier Personen) und der Wärmebedarf für 65 Haushalte gedeckt werden. Kappenstein wollte bis zur Gründung einer Genossenschaft als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Dazu kommen sollen Photovoltaik sowie Hackschnitzel und Pellets, um Spitzenlasten abzufedern und als weitere Variante Wasserstoff. Die für das Projekt anvisierte, rund vier Hektar große Fläche liegt am Ortsausgang Richtung Willershausen. Sein Ziel sei, möglichst „viele mitzunehmen“, sagt der Rosenthaler.

Rosenthal unabhängig und klimaneutral machen

„Das ist jetzt der zweite Versuch, Rosenthal unabhänig und klimaneutral zu machen“, sagt Dieter Kappenstein. Viele der damaligen Gegner seien inzwischen weggezogen. „Wir könnten eigentlich schon zehn Jahre weiter sein und uns jetzt über eine Netzerweiterung unterhalten“, kritisiert er.

Die von ihm in Auftrag gegebene und bezahlte Konzeptstudie liege noch in der Schublade. Auch alle nötigen Gutachten und die Bauleitplanung gebe es noch.

„Die Fläche hat sich ja nicht geändert.“ Ob das Vorhaben über die Gründung einer Genossenschaft oder mit Bürgerbeteiligung realisiert werde, sei egal: „Hauptsache, wir machen was“, betont er und ruft daher Interessenten dazu auf, sich möglichst zeitnah bei ihm zu melden oder vorbeizukommen.

„Wenn wir eine schlagfertige Truppe sind, die an einem Strang zieht, veranstalten wir einen Info-Abend für die Bevölkerung“, kündigt er an. „Wir brauchen keine Nörgler und Gegner – wir brauchen Macher und Anpacker.“

„Politisch gewollt, unabhängig zu werden“

Mit dem Krieg in der Ukraine habe er nicht gerechnet. Den Entschluss, sein Vorhaben erneut anzugehen, habe er aber ohnehin nie aus den Augen verloren und dieser sei bereits vorher gereift. „Ich denke, es ist auch politisch gewollt, unabhängig zu werden.“

Kappenstein hat auch – vor dessen Amtsantritt – Kontakt mit dem jetzigen Rosenthaler Bürgermeister Stefan Jakob und Vertretern des Vereins Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg aufgenommen und seine Pläne unterbreitet. (Susanna Battefeld)

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