Seit Jahren hohe Verluste

Stadtverordneter wehrt sich gegen Vorwurf des Wasser-Diebstahls

Weniger auf der Uhr, als tatsächlich verbraucht wurde: In Rosenthal hat der Stadtverordnete Wilhelm Detsch unerlaubt Wasser am Zähler vorbei entnommen. Er betont, dass er das nicht gemerkt habe. Bürgermeister Hans Waßmuth stellt sich vor den CDU-Politiker. Foto: dpa

Rosenthal. Die Wasserverluste in Rosenthal machen den Stadtverordneten und dem Magistrat seit Jahren zu schaffen. Jetzt musste sich ein Stadtverordneter zum Vorwurf des Wasser-Diebstahls äußern.

Erklärt wurden die hohen Verluste bislang vornehmlich mit Rohrbrüchen im Leitungssystem. Anfang dieser Woche erfuhr die HNA von Bürgern, dass auch unerlaubte Wasserentnahmen aus den Leitungen eine weitere Erklärung für die Wasserverluste in der Kernstadt sein könnten.

Ein Rosenthaler kritisierte, dass sogar der Stadtverordnete Wilhelm Detsch (CDU), der im Parlament an Debatten zu den Wasserverlusten beteilgt war, Wasser über einen längeren Zeitraum bezogen habe, ohne dass dieses über den Wasserzähler gelaufen sei. Er nannte den Vorgang einen „Diebstahl von Wasser“.

Die HNA ging dem anonymen Hinweis nach und konfrontierte Wilhelm Detsch und Bürgermeister Hans Waßmuth (CDU) mit den Aussagen. Beide bestätigten, dass im Jahr 2014 für das Abrechnungsjahr 2013 unter anderem auf dem Anwesen der Familie Detsch ein auffallend geringer Wasserverbrauch festgestellt wurde.

„Im vergangenen Jahr fielen in der Kernstadt die Wasserentnahmen in insgesamt drei Fällen auf. In einem Fall hat die Prüfung keine Fehlfeststellung ergeben“, so Waßmuth.

Wilhelm Detsch

In einem weiteren Fall habe die Stadt nicht nachvollziehen können, wieviel Wasser fehlerhaft entnommen wurde. „Ein Rosenthaler hatte Wasser für die Gartenbewässerung geholt und das auch seinen Nachbarn erlaubt. Er hatte gedacht, dass er eine Quelle im Garten hat“, so Waßmuth. Diese unerlaubte Wasserentnahme sei ebenso eingestellt worden wie jene im Fall des Stadtverordneten Detsch. „In beiden Fällen war die fehlerhafte Entnahme kein vorsätzlicher Diebstahl“, betont Waßmuth und stellt sich vor Detsch. „Durch Klärung der Rechtslage konnte in seinem Fall die Verbrauchsmenge großzügig nachberechnet werden. Wilhelm Detsch hat die von ihm unbewusst entnommene Menge Wasser anstandslos nachbezahlt. Für die Stadt Rosenthal ist kein Schaden entstanden“, sagt der Bürgermeister.

Wilhelm Detsch betonte gegenüber unserer Zeitung, dass er die fehlerhafte Entnahme sehr bedauere. „Ich habe es definitiv nicht gemerkt“, sagt der Stadtverordnete. Die Wasserentnahme vor dem Wasserzähler sei ohne sein Wissen geschehen. „Als wir damals ein neues Haus gebaut haben, ist eine provisorische Wasserleitung verlegt worden. Als die richtige Leitung lag, wurde das Provisorium verschlossen“, sagt Detsch und ergänzt: „Das Provisorium ist im Abrechnungsjahr 2013 nach langer Zeit aufgegangen und hat Wasser am Zähler vorbei in den Haushalt eingespeist. Wir haben das nicht gemerkt. Als durch die Überprüfung die fehlerhafte Entnahme dann bekannt wurde, haben wir die Rechnung natürlich sofort beglichen.“

Von Philipp Daum

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.