1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck

Sängerkreis Edertal sprach bei Workshop über den Neustart nach Corona

Erstellt:

Von: Jörg Paulus

Kommentare

Wie kriegen wir die Leute aus den Wohnzimmern wieder in die Chorproben? Mit dieser Frage beschäftigte sich Pfarrer Harald Wahl in seinem Impulsvortrag beim Workshop des Sängerkreises Edertal im Hessischen Hof in Frankenau.
Wie kriegen wir die Leute aus den Wohnzimmern wieder in die Chorproben? Mit dieser Frage beschäftigte sich Pfarrer Harald Wahl in seinem Impulsvortrag beim Workshop des Sängerkreises Edertal im Hessischen Hof in Frankenau. © Jörg Paulus

Wie ein Neustart nach der Pandemie im Chor gelingen kann, darüber sprachen die Chöre des Sängerkreises Edertal in einem Workshop. Dafür investierten sie auch in neue Technik.

Frankenberger Land – Raus aus Corona: Unter dieser Überschrift haben sich die Chöre des Sängerkreises Edertal zu einem Workshop in Frankenau getroffen. Es ging darum, wie der Neustart in den Vereinen nach der Corona-Pause gelingen kann. Es gehe darum, die Sängerinnen und Sänger bei Laune zu halten und neue hinzuzugewinnen, fasste Sängerkreis-Vorsitzender Dieter Trollhagen in seiner Begrüßung zusammen.

Martina Fackiner, Beisitzerin im Vorstand des Sängerkreises, berichtete zu Beginn des Nachmittags im Hessischen Hof von einer Umfrage unter den 20 Mitgliedsvereinen.

Nach der Corona-Pause hätten die meisten der 14 aktiven Chöre wieder unter Pandemie-Bedingungen mit den Proben begonnen, andere hätten es für April geplant. Die Chorleiter-Stellen seien alle besetzt. „Da müssen wir aber genauso nach Nachwuchs Ausschau halten wie bei den Sängern“, sagte Fackiner.

Chöre investierten in neue Technik

Die Umfrage habe gezeigt, dass fast alle Chöre singfähig seien, einige mit kleinen Einschränkungen. „Aus unterschiedlichen Gründen haben Chöre in der Corona-Pandemie Sänger verloren“, berichtete Fackiner. „Manche sind in den zwei Jahren ein bisschen auf dem Sofa angewachsen, die wollen wir wieder motivieren“, fasste sie die Bemühungen des Sängerkreises zusammen.

Es habe auch schon während der Corona-Pause einige kreative Ideen in den Chören gegeben, etwa Online-Chorproben, Registerproben mit nur wenigen Sängern und Wichtelaktionen von Tür zu Tür.

Einige Chöre hätten in neue Technik investiert – für Lüftungsgeräte in den Probenräumen und für Technik, um zum Beispiel aufgenommene Stimmen einzelner Sänger zu einem Lied oder Video zusammenzuschneiden. „Nicht alle Mitglieder sind technikaffin, es haben sich aber auch Ältere getraut, mitzumachen“, referierte Martina Fackiner aus der Umfrage.

In Arbeitsgruppen sprachen die Vereinsvertreter, wie ein aktives und attraktives Chorleben aussehen sollte und wie man neue Mitglieder gewinnen kann.
In Arbeitsgruppen sprachen die Vereinsvertreter, wie ein aktives und attraktives Chorleben aussehen sollte und wie man neue Mitglieder gewinnen kann. © Privat

Austausch: Wie sollte aktives und attraktives Chorleben aussehen

Kreischorleiter Horst-Werner Bremmer berichtete den 25 Teilnehmern des Workshops von Fördermöglichkeiten für Gesangsvereine. „Der Bundesmusikverband stellt in diesem Jahr 35 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung“, sagte Bremmer und nannte unter anderem das bundesweite Programm „Neustart Amateurmusik“.

In Gruppen wurde sich anschließend darüber ausgetauscht, wie ein aktives und attraktives Chorleben aussehen sollte. Gesang und Geselligkeit müssten im Vordergrund stehen, war eine Antwort, vielfältiges Liedgut für alle Altersklassen eine andere.

Um neue Mitglieder zu gewinnen, müsse ein Chor Präsenz im Ort zeigen, auch gemeinsame Veranstaltungen mit anderen Vereinen könnte da helfen.

„Chorszene in unserer Region mit Leben erfüllen“

„Die Aufgaben sind für alle im Prinzip dieselben“, sagte Horst-Werner Bremmer der HNA. „Wir müssen uns alle mit Freude engagieren und diese Freude rüberbringen, damit die Chorszene in unserer Region mit Leben erfüllt wird und wir nicht zu starke negative Folgen aus der Corona-Krise haben.“

Nach dem mehrstündigen Seminar zog Martina Fackiner ein positives Fazit: „Es ergab sich ein intensiver Austausch mit tollen Ideen“, sagte sie der HNA. Es sei auch wichtig gewesen, dass sich die Vertreter der einzelnen Chöre besser kennengelernt und untereinander vernetzt hätten.

„Singen braucht Gemeinschaft“: Impulsvortrag von Pfarrer Wahl

„Ich finde es großartig, dass Sie der Zukunft der Chormusik einen solchen Nachmittag widmen“, sagte der Frankenauer Pfarrer Harald Wahl, der auf Einladung des Sängerkreises einen Impulsvortrag bei dem Workshop hielt.

„Wie kriegen wir die Leute wieder aus den geheizten Wohnzimmern in die Chorproben?“, lautete seine Einstiegsfrage. Er lobte das Engagement der Chöre in den Zeiten der Pandemie. „Wer hätte vor Corona gedacht, wie viel Kreativität sich entwickeln lässt. Aber Online ist nichts Dauerhaftes, Singen braucht Gemeinschaft.“

Es sei wichtig, niedrigschwellig zu beginnen und ein erstes Treffen so zu gestalten, dass es allen leicht falle, zu kommen. Mit leichten Liedern und ohne Probe der einzelnen Stimmen, sagte Wahl. „Einfach singen, Freude haben und wieder zusammensein.“

Da sei auch der Ort ein wichtiger Faktor, denn viele Menschen hätten noch immer Sorge wegen der nach wie vor hohen Corona-Inzidenzen. Und Sänger, die sich zu alt fühlten oder keine Lust hätten, solle man persönlich ansprechen, einladen und zur Chorprobe abholen, schlug der Pfarrer vor.

Und man müsse über den Tellerrand hinausblicken, sich mit anderen Vereinen zusammentun, vielleicht auch mit dem Chor im Nachbarort. „Warum nicht einen Projektchor zum Jubiläum des Sportvereins im Ort bilden?“, fragte Wahl. „Wenn wir nur denken, mein MGV ist mein MGV, werden wir nicht überleben.“

Pfarrer Wahl berichtete, dass er mit anderen plane, in Frankenau einen Stadt-Kinderchor zu gründen, auch Kinder aus Nachbarorten seien dazu eingeladen. „So wollen wir versuchen, wieder in die Pötte zu kommen.“ (Jörg Paulus)

Auch interessant

Kommentare