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Schauspieler Andreas Pape: „Aufgeben ist keine Option“

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Von: Julia Janzen

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Ein Mann bedroht einen anderen, hat ihn am Kragen gepackt, im Hintergrund eine junge Frau mit Keule
Gleich knallt’s hier: In der Jubiläumsfolge von „Ein starkes Team“ ist Andreas Pape (Mitte) am 12. November in einer Gastrolle zu sehen. Hier agiert er mit Schauspieler Felix Kruttke, hinter seinem Rücken schwingt Harriet Herbig-Matten die Keule. © Foto: Katrin Knoke/ZDF

Wer als Schauspieler arbeiten möchte, braucht vor allem eines: „Einen langen Atem“, sagt Andreas Pape. Der Braunser ist seit langem im Filmgeschäft, jetzt hat er gleich zwei große Schritte gemacht: Er übernimmt eine Gastrolle in der 90. Folge der ZDF-Reihe „Ein starkes Team“ – und spielte in einem Kurzfilm, der ins Rennen um den Oscar geht.

Bad Arolsen-Braunsen - Mit Glück habe es allerdings nichts zu tun, Rollen zu bekommen: „Es geht nur mit Fleiß und Disziplin“, sagt der 42-Jährige. Auch ein dickes Fell gehöre dazu, denn rund 90 Prozent würden Absagen ausmachen. Seiner Leidenschaft für die Kunstform Film tut das keinen Abbruch. „Man muss das mit Feuer machen, brennen für die Sache.“

Ein junger Schauspieler in der Uniform der SS
Als Offizier der SS stand Pape im Kurzfilm „Nakam“ vor der Kamera, der nun für den Oscar nominiert ist. © Privat

Und das macht der Braunser. Immer wieder nimmt er Anlauf, um sich für Rollen in Film und Fernsehen zu bewerben. „Jeder Caster in Deutschland kennt mich, weil ich mich seit über 15 Jahren regelmäßig vorstelle“, sagt Pape. Seit dem Aufkommen von Corona passieren solche Bewerbungen über E-Castings: Pape filmt sich selbst und spricht entweder einen vorgegeben Text oder improvisiert, schneidet alles und versendet es online. „Bei Werbungen wird oft schnell entschieden“, sagt er. „Doch je größer die Rolle, desto länger der Weg.“ Manchmal höre man dann gar nichts, manchmal werde er eingeladen, beispielsweise für Leseproben. Hat er dann eine Rolle bekommen, nimmt er privaten Schauspielunterricht, um die Rolle zu entwickeln. Dabei sei er eigentlich Autodidakt.

Schon als 18-Jähriger habe er vor der Kamera gestanden. Damals drehte er mit Freunden zahllose Horrorfilme. „Und weil wir kein Geld für Schauspieler hatten, mussten wir das selbst übernehmen“, erinnert er sich. Doch schon früher stand er gern auch hinter der Kamera und das macht er heute noch. Derzeit sei er oft in Köln, um zu drehen, sagt Pape. Neben „Köln 50667“, „The real life“ und Politiksendungen dreht er auch Reportagen. Zuletzt war er sechs Wochen in Kanada, um für DMAX eine Reihe über einen deutschen Feuerwehrmann zu drehen. Auch ein Musikvideo machte er im Sommer, war dafür in Los Angeles, Island und Grönland.

Ein junger Mann in Wikinger-ähnlicher Kleidung
Bad boy: Durch sein markantes Äußeres wird Andreas Pape oft als bad boy besetzt. © Privat

Die Kamera zu führen, sei mehr als „draufhalten“. „Bei jedem Bild, das ich einfange, denke ich mir etwas, um Emotionen zu übertragen.“ Auf bestimmte Formate ist er als Kameramann nicht festgelegt, er will vielfältig sein. „Jedes Format hat seinen Reiz“, sagt er. Beim Film „Projekt Adler“, der vor einigen Jahren in der Türkei entstand, habe er eine tragende Rolle als Schauspieler gehabt, für die er 15 Kilo abnehmen musste, sei aber auch Chefkameramann gewesen. Für den Braunser eine extreme Herausforderung.

Ein Mann in schusssicherer Weste, rauchend
„Projekt Adler“: Der Film entstand in der Türkei, Pape stand vor und hinter der Kamera. © Privat

In der Zukunft sieht er sich allerdings mehr vor der Kamera. Noch könne er von der Schauspielerei nicht leben. Doch er bleibt dran, „Aufgeben ist keine Option“. Dass er meist als „bad boy“ besetzt wird, ist für ihn ok. Als Rothaariger gehört er sowieso bereits in eine Nische. Auch bei „Ein starkes Team“, produziert von UFA Fiction und ausgestrahlt im ZDF am Samstag, 12. November, um 20.15 Uhr, wird er einen Bösen geben. Für den Diplom-Kurzfilm „Nakam“, entstanden an der Filmakademie Baden-Württemberg, schlüpfte er in die Uniform eines SS-Offiziers. Zwei Tage war er am Dreh beteiligt, gefilmt wurde in Potsdam. Über seine Agentur sei er konkret für diese Nebenrolle angefragt worden, erzählt Andreas Pape. Er schnitt sich für den Dreh die Haare und rasierte den Bart ab. Eine Gage habe es nicht gegeben. Vor kurzem dann die Überraschung: Der Film, die Diplomarbeit eines Filmstudenten, ist als einer von sechs Kurzfilmen in der Kategorie „Live Action Short Film“ für einen Oscar nominiert.

Ein junger Mann mit Fernsehkamera, dazu mehrere Afrikaner
Im Einsatz als Kameramann: Andreas Pape beim Dreh von „Die strengsten Eltern der Welt“ in Afrika. © Privat

Sein nächstes Ziel ist es, ein festes Engagement als Schauspieler zu haben, sagt er. In einer Soap war Pape schon in drei Folgen zu sehen: „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

Er weiß, dass oftmals die Optik den Ausschlag gibt bei der Entscheidung der Caster. Um noch mehr in eine Nische zu rutschen, lässt er sich derzeit die roten Haare noch lang wachsen. Und wenn es auch bisher nicht geklappt hat mit einer Hauptrolle, so kommt er einem weiteren seiner Ziele immer näher: „Ich will ernst genommen werden als Künstler.“ Dafür gebe er bei jedem Job 100 Prozent, egal ob vor oder hinter der Kamera.

Weitere Infos über Andreas Pape gibt es bei Wikipedia. jj

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