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Schlafende Schöne stammt aus Kaulbachs Werkstatt

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Blick hinter die Kulissen: Restauratorin Silvia Behle untersucht eine Kohlezeichnung von Friedrich Kaulbach, die dem Museum Bad Arolsen als Schenkung zugegangen ist.
Blick hinter die Kulissen: Restauratorin Silvia Behle untersucht eine Kohlezeichnung von Friedrich Kaulbach, die dem Museum Bad Arolsen als Schenkung zugegangen ist. © Museum der Stadt Bad Arolsen

Mit einer Kohlezeichnung der schlafenden Julia Capuletti ist dem Museum Bad Arolsen eine schöne Ergänzung seiner Kaulbach-Sammlung zugegangen.

Bad Arolsen – Die großformatige Arbeit stammt von dem in Arolsen aufgewachsenen Maler Friedrich Kaulbach (1822 - 1903), dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährt. Die gerahmte Zeichnung hat ein Kunstfreund aus Hannover dem Museum als Schenkung überreicht.

Hannover war auch die Stadt, in der Friedrich Kaulbach über Jahrzehnte lebte und als Hofmaler Königs Georg V. wirkte. Zuvor hatte der junge Kaulbach seine Lehrzeit bei seinem deutlich älteren Cousin Wilhelm in München absolviert.

„Romeo und Julia“ wurde zum Lieblingsthema

Auf Portraits spezialisiert und von der damals angesagten Historienmalerei geprägt, begann der Maler, sich für ein Thema zu interessieren, das sein Lebenswerk bilden sollte: Julia Capulettis Hochzeitsmorgen aus Shakespeares Drama „Romeo und Julia“.

Die schlafende Capuletti: Kohlezeichnung von Friedrich Kaulbach.
Die schlafende Capuletti: Kohlezeichnung von Friedrich Kaulbach. © Museum der Stadt Bad Arolsen

Zahlreiche Studien und Vorzeichnungen fertigte Friedrich Kaulbach zu dem Thema an, das ihn mehr als vier Jahrzehnte beschäftigte. Erst kurz vor seinem Tod wurde das fertige Gemälde ausgestellt. In diesen Kontext ist die Kohlezeichnung einzuordnen, die der Vorbesitzer unter dem Titel „Schlafende“ auf einer Kunstauktion erworben hatte.

Unzählige Vorstudien angefertigt

„Wir freuen uns über die großzügige Schenkung, die das Museum Bad Arolsen zudem im Jubiläumsjahr des Malers erreicht“, erklärt Museumsleiterin Sandra Simshäuser, die das Objekt Ende November im Christian Daniel Rauch-Museum entgegennahm.

Der Vorbesitzer, der mehrere Jahre in Arolsen gelebt hat, wolle das Bild in guten Händen wissen. Als eine von unzähligen Vorstudien für Kaulbachs spät ausgeführtes Gemälde zeigt die Zeichnung Kopf- und Schulterpartie der liegenden Julia Capuletti. Um mehr über den Neuzugang zu erfahren, wurde Silvia Behle aus Willingen hinzugezogen.

Winzige Löcher an den Ecken

Seit Jahren mit den Kaulbach-Gemälden des Museums vertraut, ging die erfahrene Restauratorin daran, vorsichtig die rückseitige Verklebung zu lösen und zahlreiche kleine Stifte zu entfernen, um vorsichtig die Zeichnung herauszulösen.

Deutlich wurde dabei, dass es sich um ein von Kaulbach signiertes Original handelt, dessen obere Ecken zahlreiche winzige Löcher aufweisen. Denkbar ist, dass der Künstler das Blatt als Vorlage an die Wand gepinnt hatte.

Öffentliche Ausstellung muss noch warten

Auch das Glas des ebenfalls historischen Rahmens sei nicht industriell gefertigt, stellte Silvia Behle fest, bevor die wertvolle Zeichnung wieder hinter der gereinigten Scheibe verstaut und der Rahmen verschlossen wurde.

Öffentlich gezeigt werden könnte die Zeichnung nach Fertigstellung der Sanierungsarbeiten im Schreiberschen Haus und der Wiedereinrichtung der Ausstellungsräume. In diese soll in neuer Präsentation die Kaulbach-Sammlung mit Arbeiten von Wilhelm, Friedrich, Hermann, Robert und Friedrich August von Kaulbach Einzug halten.  

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