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Schreufa: Ein Lobpreis der Schöpfung

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Die Besuchergruppe des Waldeckischen Geschichtsvereins vor dem Schreufaer Wettermuseum. Jede Latte steht für die Durchschnittstemperatur eines Jahres. Links Werner Böhle, Vorsitzender des Vereins Wettermuseum Schreufa. In der Mitte Anneliese Laartz, Vorsitzende des Geschichtsvereins aus Waldeck.
Die Besuchergruppe des Waldeckischen Geschichtsvereins vor dem Schreufaer Wettermuseum. Jede Latte steht für die Durchschnittstemperatur eines Jahres. Links Werner Böhle, Vorsitzender des Vereins Wettermuseum Schreufa. In der Mitte Anneliese Laartz, Vorsitzende des Geschichtsvereins aus Waldeck. © Werner Ebert

Erstmals beim Tag der offenen Gärten vertreten ist das Wettermuseum der alten Schule Schreufa. Wettermuseum und Garten – passt das zusammen? Absolut. Davon konnten wir uns überzeugen, als wir den Waldecker Geschichtsverein bei seinem Besuch im Museum begleiteten. Es bietet auf seinem Gelände sogar drei Gärten. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf praktisch alle drängenden ökologischen Probleme der Gegenwart, nicht nur in Zusammenhang mit dem Wetter.

Frankenberg-Schreufa – Aber der Reihe nach. Alles begann mit Schreufas Dorfschullehrer Conrad Liese. Der unterrichtete erstmals in der Grundschule Wetterkunde, machte jahrzehntelang akribische Aufzeichnungen und stand sogar mit dem berühmten Forscher Alfred Wegener in Kontakt. Sein Wirken war im Dorf unvergessen, und als das alte Schulhaus samt Garten zum Verkauf stand, gab es eine Bürgerinitiative um Werner Böhle, die einen Verein gründete und die Schule mit Zuschüssen kaufte. In Erinnerung an Conrad Liese bauten die engagierten Frauen und Männer die alte Schule mit enormem Arbeitsaufwand und Eigenleistung innerhalb weniger Jahre zum Wettermuseum aus. Die beiden Klassenräume wurden in Küche und Gemeinschaftsraum umgebaut, zur langfristigen Finanzierung trug die Einrichtung von zwei Studentenwohnungen im ersten Stock bei. Beim Bau wurden modernste Umweltstandards angewendet.

Wettermuseum Schreufa: 400 verschiedene Stauden sollen am Aufgang zum Schöpfungsgarten die Biodiversität symbolisieren.
Wettermuseum Schreufa: 400 verschiedene Stauden sollen am Aufgang zum Schöpfungsgarten die Biodiversität symbolisieren. © Werner Ebert

Nun zu den Gärten. Der erste ist der phänologische. Hier finden sich verschiedene Pflanzen zur Beobachtung, um zum Beispiel zu sehen, wann sie erscheinen oder beginnen zu blühen. Hier lässt sich bereits der Klimawandel erkennen, wenn das Schneeglöckchen, das früher Ende Februar blühte, jetzt bereits im Januar erscheint.

Der zweite ist der Garten für die Kinder des benachbarten Kindergartens. Hier gibt es eine Kräuterspirale und zwei Beete, die die Kinder bestellen und von Zeit zu Zeit die Ernte zu einem gesunden Frühstück verarbeiten.

Der dritte ist der Schöpfungsgarten. Der Aufgang ist mit 400 unterschiedlichen Stauden bepflanzt, die den Reichtum der Schöpfung symbolisieren sollen.

Durch eine Sandsteinpforte, deren Abmessungen nach dem Goldenen Schnitt ausgerichtet sind, betritt der Besucher den Schöpfungspfad, an dessen rechter Seite sich die sieben Schöpfungstage in Gemälden von Werner Steinbrecher mit geometrischen Elementen – wieder nach dem Goldenen Schnitt – kombiniert mit bildlichen Darstellungen befinden. Auf der linken Seite wird in Umweltbildern veranschaulicht, auf welch verschiedene Weise der Mensch die Schöpfung schädigt. Der Weg, in Form einer Fibonacci-Spirale angelegt, endet bei einer Weltkugel aus Stein, die sich auf Wasser dreht, das aus einer Granitsäule quillt. Daneben lädt eine große Sonnenuhr, deren Stunden aus Baum-stümpfen bestehen, zum Verweilen ein.

Ein Pentagramm ziert ebenfalls den Garten des Wettermuseums Schreufa.
Ein Pentagramm ziert ebenfalls den Garten des Wettermuseums Schreufa. © Werner Ebert

Zu entdecken gibt es darüber hinaus noch allerhand: eine Wetterstation natürlich im Wettermuseum, eine Baumscheibenchronik, einen Wasserlauf, ein Insektenhotel, Nistkästen, ein Steinhaufen-Habitat, eine Totholzinsel, ein Fledermaushaus, ein Sonnenpavillon, der zum Beispiel auch von den Konfirmanden der benachbarten Kirche benutzt wird, und am unteren Ende des Grundstücks schließlich ein Zaun mit über hundert Latten, eine für jedes Jahr. Deren Länge ist bestimmt durch die Jahres-Durchschnittstemperatur und verdeutlicht eindrücklich die Klimaerwärmung. Die waldeckischen Besucher zeigten sich sehr beeindruckt von der anschaulichen Präsentation, die auch immer einen wissenschaftlichen Anspruch hat – ganz im Geiste von Conrad Liese. (Von Werner Ebert)

Der 8. Tag der offenen Gärten findet am Wochenende 18./19. Juni von jeweils 10 bis 18 Uhr statt. Insgesamt 31 Gärten werden dann ihre Tore öffnen.

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