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Waldeck-Frankenberg: Schüler erproben sich im Handwerk

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Von: Karl Schilling

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Bescheidübergabe in der Lehrwerkstatt der Maler. Vorn: Heide-Rose Barbe von der Kreishandwerkerschaft und Landrat Jürgen van der Horst sowie Geschäftsführer Kai Bremmer und Bernd Wilke von der Korbacher Agentur für Arbeit.
Bescheidübergabe in der Lehrwerkstatt der Maler. Vorn: Heide-Rose Barbe von der Kreishandwerkerschaft und Landrat Jürgen van der Horst sowie Geschäftsführer Kai Bremmer und Bernd Wilke von der Korbacher Agentur für Arbeit. © Karl Schilling

Mit Schablonen malen, maurern, mit Holz und Metall arbeiten, an Autos schrauben – in der Probierwerkstatt im Korbacher Berufsbildungszentrum können Jugendliche aller Schulformen erste Erfahrungen in zwölf verschiedenen Handwerksberufen sammeln.

Korbach - Das hessenweit einmalige Projekt zur Berufsorientierung wird fortgesetzt: Der Geschäftsführer der Korbacher Agentur für Arbeit, Bernd Wilke, und Landrat Jürgen van der Horst übergaben am Mittwoch die Bescheide für die nächsten beiden Jahre. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt 50 Prozent der Kosten, mit je 25 Prozent beteiligen sich der Kreis Waldeck-Frankenberg und die Kreishandwerkerschaft.

Im Schnitt besuchten jedes Jahr rund 1000 Schüler ab der siebten Jahrgangsstufe die Werkstätten des Berufsbildungszentrums, berichtet der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Kai Bremmer. Kreisweit 22 Schulen von Rhoden bis Battenberg beteiligten sich – weitere können noch hinzukommen. Die Bandbreite reicht von der Schule für Lernhilfe bis zum Gymnasium.

„Es ist ein erfolgreiches und wichtiges Projekt“, betonte Bremmer, der Facharbeitermangel sei bereits spürbar, nicht nur im Handwerk gebe es Nachwuchssorgen. Die Probierwerkstatt gebe Jugendlichen die Möglichkeit, sich auszuprobieren und zu Erkenntnissen über Berufe zu kommen – und es sei auch eine Erkenntnis festzustellen, dass ein Beruf nicht zu einem passe.

Wichtig sei aber auch, die Eltern zu erreichen, die bei der Berufswahl ihrer Kinder mitentscheiden. Auch sie müssten informiert werden, denn „die Berufsfelder haben sich enorm verändert.“

Froh ist Bremmer, dass auch die Gymnasien dabei sind. Trotz aller Digitalisierung brauche es nicht nur die „Häuptlinge“, die planten, sondern auch die „Indianer“, die Arbeiten auch umsetzten. Die Kreishandwerkerschaft habe beim Projekt zwei starke Partner an ihrer Seite.

Dieses „kluge und wichtige Erfolgsmodell“ habe drei starke Partner, sagte Landrat Jürgen van der Horst. Die Duale Ausbildung sei ein „Eckstein“ der deutschen Wirtschaft, die Jugendlichen einen guten Einstieg in die berufliche Zukunft bieten könne. Sie müsse gestärkt werden – gerade das Handwerk gebe sich dabei alle Mühe. Die Probierwerkstatt sei ein „Mosaikstein“ im Bemühen, Jugendliche an eine Ausbildung heranzuführen, sie erhielten einen „niederschwelligen Zugang“ zu Berufsfeldern und könnten Vorurteile abstreifen. „Das ist das beste Format, das wir haben.“ Dem Handwerk gebühre ein Kompliment für die gute Qualität der Arbeit – „sonst wären die Zahlen nicht so.“ Praktische Erfahrungen zu sammeln sei für die Jugendlichen „nicht von Nachteil“.

Bernd Wilke verwies darauf, dass im Kreis im vorigen Herbst fast 200 Lehrstellen unbesetzt geblieben seien. Das Bildungsverhalten habe sich verändert, Stichworte: die Akademisierung von Berufen oder der Trend bei Jugendlichen zum Besuch weiterführender Schulen, statt eine Ausbildung zu beginnen. Die Agentur wolle für die Duale Ausbildung einstehen, es gebe in vielen Berufsfeldern schon eine Lücke bei den Facharbeitern.

Darum unterstütze sie die Probierwerkstatt. Sie biete die Möglichkeit, Jugendliche der Klassen 7 und 8 anzusprechen, die sich frühzeitig praktisch orientieren könnten. „Diesen Ansatz wollen wir fortführen, es ist ein Erfolgsmodell.“ Es sei verzahnt mit der Berufsberatung der Agentur, schulischen Angeboten und den Betriebspraktika.

In den Werkstätten könne zwar nur ein Teil der Berufe abgebildet werden, aber die zwölf Felder könnten optimal präsentiert werden, erklärte Bremmer. Die Ausbilder gingen mit Herzblut an die Betreuung, die Schülerinnen und Schüler seien am Ende stolz auf ihre Arbeit, auch das Feedback der Lehrer sei positiv. „Wenn mehr Schulen hinzukommen würden, wäre es schön.“

Ansprechpartner fürs Projekt ist Michael Marx von der Kreishandwerkerschaft, Telefon 05631/9535-160, E-Mail: marx@khkb.de.

Von Dr. Karl Schilling

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