Schulleiter kritisieren Landkreis

Schulbus-Problem in Waldeck-Frankenberg noch nicht gelöst

Dicht an dicht drängen sich die Kinder in den Schulbussen, wie hier beim Einstieg in einen Bus an der Frankenberger Edertalschule.
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Dicht an dicht drängen sich die Kinder in den Schulbussen, wie hier beim Einstieg in einen Bus am Dienstagmittag an der Frankenberger Edertalschule.

Die vollen Schulbusse in Waldeck-Frankenberg bleiben ein Problem. Während die Schüler in den Schulen Abstand halten sollen, um das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus zu reduzieren, ist das in den Bussen meistens nicht möglich.

Waldeck-Frankenberg – „Es muss etwas geschehen“, sagt Claus-Hartwig Otto, der Schulleiter der Edertalschule in Frankenberg, über den Schulbusverkehr während der Corona-Pandemie. Doch seit der Berichterstattung in der HNA Ende August über fehlenden Abstand in vollen Bussen sei noch nichts geschehen, berichtet Otto.

Das bestätigt auch Markus Wagener, Leiter der Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen. „In einem Bus wurden 72, in einem anderen 67 Schüler gezählt. Das war traurige Spitze“, sagt Wagener. Und das zeige, dass auch nach Protesten von Eltern, Schulelternbeirat und Schulleitung keine Bewegung eingetreten sei.

Bisher habe der Landkreis als Schulträger an die Schulen lediglich einen Brief mit vier Fragen geschickt und dabei unter anderem wissen wollen, ob die Unterrichtszeiten neu verteilt werden könnten: auf die Nachmittagsstunden und den Samstagvormittag, berichtet Wagener. Er findet, dass es sich der Landkreis damit einfach mache. Denn es sei ja schon vor drei Monaten mit der Planung des regulären Schulbetriebs unter Corona-Bedingungen begonnen worden.

Man habe ja schon im Juni gewusst, welche Schüler jetzt mit den Bussen fahren. Gespräche zwischen Schulträger und Schulen darüber hätten aber nicht stattgefunden. Mit der Begründung, es gebe nicht mehr Busse und nicht mehr Fahrer, will sich Wagener nicht zufrieden geben.

FFH und ZDF berichteten

Unsere Berichterstattung über die Infektionsgefahr in den vollen Schulbussen in Waldeck-Frankenberg fand sogar ein bundesweites Echo. Claus-Hartwig Otto wurde dazu vom Radiosender FFH interviewt, Markus Wagener und eine Christian-Rauch-Schülerin für die Sendung WISO des ZDF. Der Fernsehbeitrag wurde am Montagabend ausgestrahlt. Die Schülerin berichtet darin von Gedrängel im Bus und dass auf der Fahrt nicht alle Schüler eine Maske tragen würden.

In dem Beitrag äußert sich auch der Landkreis zumindest schriftlich: „Der Landkreis Waldeck-Frankenberg prüft aktuell alle Möglichkeiten, die zu einer Verbesserung der Situation in der Schülerbeförderung führen können. Dazu gehört unter anderem der gezielte Einsatz zusätzlicher Fahrzeuge.“

Eine Haltestelle vor der Edertalschule in Frankenberg.

An vielen Schulen gibt es aber nach wie vor das Problem, dass nicht genug Busse eingesetzt werden, damit der Corona-Abstand eingehalten werden kann, um das Infektionsrisiko zu reduzieren. An der Gesamtschule in Battenberg betreffe das besonders die Hauptrouten Frankenberg, Allendorf und Hatzfeld nach der sechsten Stunde, berichtet Schulleitungsmitglied Alexander Blahnik.

Er berichtet von „sehr viel Disziplin“ unter den Schülern; auch während der Busfahrten werde Mund-Nase-Schutz getragen. Es sei ein großer Vorteil für die Gesamtschule, dass gut ausgebildete Schüler als Schulbusbegleiter die Busse auch selbst nutzten. Falls ein Schüler mal nicht an den Mundschutz denke, werde dieser gleich von anderen Schülern erinnert. „Auch nach Auskunft der Busfahrer gibt es in diesem Bereich keine Probleme“, sagt Blahnik.

Durchsagen in den Bussen

Schüler aus dem Oberen Edertal berichten, dass es mittlerweile Durchsagen im Bus gebe, dass die Schüler an Abstand und Maske denken und sich solidarisch zeigen sollen. Im Unterricht werde das Aufziehen des Mund-Nase-Schutzes von den Jugendlichen akzeptiert, berichtet Markus Wagener für die Christian-Rauch-Schule. „Wir sind alle solidarisch.“

Die Schulen selbst versuchen, die Situation im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu verbessern. „Wir entzerren maximal“, sagt Alexander Blahnik über die Anfangs- und Schlusszeiten der Battenberger Schule. Damit möglichst wenig Gedränge unter den insgesamt 780 Schülern an den Bushaltestellen entsteht, beginnt der Unterricht an der Gesamtschule zu zwei Zeiten um 7.30 und 8.20 Uhr und endet zu vier verschiedenen Zeiten: um 12.05, 12.50, 14.05 und um 15.35 Uhr.

Es gebe aber auch gute Nachrichten, sagt der Arolser Schulleiter Markus Wagener: Nach vier Wochen Regelbetrieb gebe es keinen einzigen Corona-Fall an der Schule. Alle zwei Wochen würden Lehrer und Mitarbeiter von ortsansässigen Ärzten auf das Coronavirus getestet.

Das sagt der Landkreis

Der Landkreis arbeitet mit dem Nordhessischen Verkehrsverbund und der Energie Waldeck-Frankenberg „mit Hochdruck daran, eine Verbesserung der Lage in Waldeck-Frankenberg zu erreichen, die aber nur gelingen kann, wenn alle Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen“. Dies teilte Ann-Katrin Heimbuchner, Pressereferentin des Landkreises, auf HNA-Anfrage mit.

Oberstes Ziel sei immer noch die Entzerrung des schulischen Unterrichtsangebotes, „da versetzte Schulbeginn- und Endzeiten die Fahrgastzahlen zu den Stoßzeiten erheblich verringern“. Daher sei der Landkreis nochmals an alle Schulen in Waldeck-Frankenberg herangetreten, um konkrete Lösungswege für die individuellen Situationen an den Schulen zu finden, betonte Ann-Katrin Heimbuchner.

Zahlreiche Schulen hätten Vorschläge gemacht, um die Situation zu verbessern: An einigen Schulen seien so die Unterrichtszeiten bereits ein wenig entzerrt, offene Ankomm- und Gehzeiten eingerichtet oder Angebote wie AGs oder Hausaufgabenförderung auf andere Zeiten verlagert worden. In Abstimmung mit den Schulen und den Nahverkehrsorganisationen würden die Linienfahrten individuell an diese neuen veränderten Gegebenheiten angepasst. Wo es möglich sei, würden zudem bereits jetzt zusätzliche Fahrten mit vorhandenen Fahrzeugen angeboten.

Linienfahrten besser auslasten

Es sei aber weiterhin wichtig, dass neben diesen Anpassungen auch die vorhandenen Linienfahrten besser ausgelastet werden: Auf vielen Strecken würden am Vor-, Nachmittag und Abend mehrere Fahrten angeboten, die zum schulischen Angebot passten. Oft konzentriere sich das Fahrgastaufkommen aber nur auf eine dieser Fahrten. Auch durch eine regelmäßigere Aufteilung der Fahrgastzahlen auf das bestehende Angebot verbessere sich die Situation in den Fahrzeugen.

Zudem werden nach Heimbuchners Angaben derzeit alle weiteren verfügbaren Fahrzeuge akquiriert, die gegebenenfalls im Linienverkehr eingesetzt werden könnten, um zeitweilig die Lage zu verbessern, bis die Schulen ihren Betrieb umorganisiert haben: „Dieser vorübergehende Einsatz zusätzlicher Fahrzeuge – meist Reisebusse – kann aber nur eine kurzfristige und zeitlich begrenzte Lösung sein, da die Fahrzeuge zum einen nicht die Kriterien für einen langfristigen Einsatz im öffentlichen Personennahverkehr aufweisen und zum anderen jederzeit für den Einsatz im Reisebusverkehr zurückberufen werden können.“

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