So gehen Schulen mit Vorschriften und Quarantäne um

Schule in Corona-Zeiten: „Für jeden Tag Unterricht dankbar“

Maske im Unterricht.
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Maske im Unterricht zu tragen, wie auf diesem Symbolbild, sei für die Schüler sehr anstrengend und zum Beispiel im Fremdsprachen-Unterricht auch unpraktisch, berichten Lehrer von Frankenberger Schulen.

Vom Teil-Lockdown im November sind Schulen ausgenommen. Dafür gilt dort die Maskenpflicht jetzt auch ab der 5. Klasse im Unterricht. Trotzdem müssen immer wieder Klassen in Quarantäne, weil Lehrer oder Schüler, mit denen sie Kontakt hatten, positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

Wir haben an drei großen Schulen im Frankenberger Land nachgefragt, welche Auswirkungen Corona derzeit auf ihren Schulalltag hat: an der Edertalschule und der Burgwaldschule in Frankenberg sowie der Gesamtschule in Battenberg.

Edertalschule Frankenberg

Am Frankenberger Gymnasium gab es zuletzt zwei Corona-Fälle in den Jahrgangsstufen 6 und 13, berichtet Schulleiter Claus-Hartwig Otto. Im ersten Fall wurde eine Klasse für 14 Tage in Quarantäne geschickt, die heute endet, im zweiten Fall waren es 50 Oberstufenschüler, die mittlerweile wieder zurück an der Schule sind. „In der Spitze hatten wir über 100 Quarantänefälle“, sagt Otto. „Aber zur Zeit ist es ruhig.“ Die jüngsten Fälle hätten aber zu einer „neuen Vorsicht“ geführt.

Claus-Hartwig Otto, Leiter der Edertalschule in Frankenberg

Er findet es vernünftig, dass die Schulen während des Teil-Lockdowns nicht geschlossen wurden. „Wir sind für jeden Tag dankbar, an dem der Unterricht weiterläuft.“

Otto schätzt, dass sich etwa 1000 der 1200 Edertalschüler konsequent an die Maskenpflicht halten. „Bei den anderen 200 muss man manchmal etwas nachhelfen.“ Da es der Landkreis als Schulträger abgelehnt habe, Lüftungsgeräte in den Klassenräumen aufzustellen, wie Otto berichtet, werde regelmäßig mit offenem Fenstern gelüftet. „Das wird aber schwierig, wenn es kalt wird.“

„Wir wollen, wenn es irgendwie geht, jeden Tag mit Präsenzunterricht nutzen. Da ist jeder Tag wertvoll.“

Claus-Hartwig Otto, Leiter der Edertalschule

Insgesamt empfindet der Schulleiter die Situation als „bedrückend“. Es sei für die Schüler sehr anstrengend, den ganzen Schultag lang Maske zu tragen. Und Fremdsprachen-Unterricht unter einer Maske sei „eine Qual“, weil die Aussprache dann kaum zu verstehen sei.

Sollte eine nächste Eskalationsstufe erreicht und die Schulen ganz oder teilweise geschlossen werden, sei die Edertalschule vorbereitet, erklärt Otto: „Wir haben schon Listen in der Schublade, um die Klassen auf A- und B-Wochen aufzuteilen: Die einen haben dann in der einen Woche Unterricht, die anderen in der nächsten.“

Auch technisch habe sich die Edertalschule für das Home-Schooling gerüstet, diese Woche sei ein System für Videokonferenzen zwischen Lehrern und Schülern installiert worden. „Das ist aber alles nur Notbehelf“, sagt der Schulleiter. „Wir wollen, wenn es irgendwie geht, jeden Tag mit Präsenzunterricht nutzen. Da ist jeder Tag wertvoll.“

Burgwaldschule Frankenberg

An der Burgwaldschule in Frankenberg gibt es aktuellmehrere Lehrer und Schüler, die von Corona betroffen sind, berichtet Konrektorin Tanja Lauber. Deshalb gebe es Quarantänemaßnahmen in allen Jahrgängen und komplette Quarantäne für drei Klassen. „Eine große Zahl Lehrkräfte sowie mehrere Schüler haben sich vorsorglich in Quarantäne begeben und warten auf Testergebnisse“, sagt Lauber. Deshalb laufen Präsenz- und Fern-Unterricht derzeit parallel.

Die Realschule setzt grundsätzlich auf Unterricht im Klassenverbund. Kurse seien bis auf Weiteres ausgesetzt, „weil sie bei der Vielzahl der fehlenden Kollegen nicht mehr zu organisieren sind und sich die Kontakte damit auch deutlich minimieren lassen“. Für das Wahlangebot am Nachmittag arbeite die Schulleitung derzeit an einem Konzept: „Wir wollen es so bald wie möglich wieder aufnehmen, aber in festen Gruppen ohne Durchmischung.“

Weil es für die Schüler nicht einfach sei, dauerhaft Maske zu tragen, gebe es „Atempausen, wo immer möglich“. Lauber: „Einige klagen über Beschwerden wie Kopfschmerzen. Die Mehrzahl der Schüler hat jedoch den Sinn der Maßnahme verstanden und kommt dieser Pflicht zuverlässig nach.“ Außerdem gebe es in jeder Stunde eine zusätzliche Unterrichtsunterbrechung, um zu lüften.

In den Schulen wird regelmäßig gelüftet (Symbolbild)

„Für uns alle ist das eine sehr harte Zeit. Kein Ende in Sicht“, sagt Tanja Lauber. „Wir müssen die Chance ergreifen, daraus auch etwas zu lernen: Vereinbarungen müssen derzeit ganz zuverlässig eingehalten werden, Informationen dürfen nicht verfälscht weitergegeben werden, wir müssen uns mehr noch als sonst aufeinander verlassen können. Das klappt prima und dies gilt es weiter zu pflegen.“

Gesamtschule Battenberg

Die Battenberger Gesamtschule hat – Stand Mittwochmorgen – keinen bestätigten Corona-Fall unter den Schülern, berichtet Alexander Blahnik, Mitglied der Schulleitung. Es seien aber vier Schüler aufgrund eines Kontaktes mit einem Infizierten vom Präsenzunterricht befreit. Solche Schüler werden über das Schulportal Hessen und ihren Office365-Zugang mit den Aufgaben versorgt, erklärt Blahnik.

An den generell steigenden Infektionszahlen in der Bevölkerung könne man auch die derzeitige Corona-Lage an den Schulen ablesen: „Einige Schulen sind stärker, einige schwächer betroffen.“

Die Schulleitung an der Battenberger Gesamtschule sehe ein Wechselmodell von Präsenz- und Distanzunterricht als sinnvolle Möglichkeit, den Kontakt vor Ort zu minimieren. „Es wäre eine gute Variante gewesen, um gut über das Schuljahr zu kommen“, findet Blahnik. (Von Jörg Paulus)

Kontaktlisten erstellt, Betroffene informiert

Tanja Lauber, die Konrektorin der Burgwaldschule, weist auf ein weiteres Problem in der Corona-Pandemie hin: „Das Recht auf Information, wo jemand in Kontakt mit einem Infizierten gekommen ist, und das Recht auf Privatsphäre, wo es um Erkrankung geht.“

Die Burgwaldschule habe in den vergangenen Wochen sehr eng mit dem Gesundheitsamt zusammen gearbeitet und Kontaktlisten erstellt sowie Betroffene über Klassenverteiler vorinformiert, berichtet sie: „Das Gesundheitsamt hatte dann Zeit, mit jedem einzelnen Kontakt aufzunehmen um Gefährdungen durch die Kontakte im Einzelfall bestmöglich einzuschätzen. In unserer Schulgemeinde ist bei aller Aufregung nach jeder Diagnose dabei der Eindruck entstanden, dass das Gesundheitsamt gewissenhaft jeden Einzelfall prüft.

Außerdem haben wir in der Zusammenarbeit festgestellt, dass das Gesundheitsamt die ausgesprochenen Maßnahmen durchaus dem Infektionsgeschehen anpasst. Auf der Homepage informieren wir, welchen Klassen und Kursen Kontaktaufnahme bevorsteht und hoffen damit, allen Betroffenen gerecht zu werden.“

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