Schulschließungen in Waldeck-Frankenberg

Fünf Wochen keine Schule wegen Corona: Arbeitsblätter statt Pausenbrote

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Für die Sondersituation: Schulleiter Dirk Osthöver von der Marker-Breite-Schule mit Lernmaterial für Schüler.

Die Schulen und Kitas in Waldeck-Frankenberg sind wegen Corona jetzt bis zu den Osterferien geschlossen. Die Lehrer organisieren jetzt, dass Schüler auch von zu Hause aus etwas lernen sollen.

Schulkinder können jetzt wochenlang ausschlafen. Doch dürfen sie nun auch wochenlang ihre Freunde nicht sehen? Seit Montagmorgen steht die Welt der Kinder in Waldeck-Frankenberg Kopf. Bis zu den Osterferien bleiben die Schulen geschlossen. Schon zwischen 8 und 9 Uhr am Montag laufen Schüler mit Ranzen auf dem Rücken und Kunsttasche in der Hand nicht Richtung Schule, sondern wieder nach Hause.

Die Kinder haben ihre Sachen geholt. Grundschüler und Schüler der weiterführenden Schulen sind zum großen Teil zumindest für die nächsten Tage mit Lernmaterial ausgestattet. „Wir haben erwartet, dass die Schulen schließen müssen und schon letzte Woche Aufgaben vorbereitet, die die Schüler alleine bewältigen können“, erläutert Dirk Osthöver, Schulleiter an der Marker-Breite-Schule in Korbach. Vorwiegend werden dabei die Hauptfächer Deutsch und Mathematik berücksichtigt. Dies hätten die Lehrer mit weiteren Grundschulen abgesprochen.

Individuelle Arbeitsblätter

Johann-Valentin Roth war in Begleitung seiner Mutter in die Frankenberger Ortenbergschule gekommen, um sich Lernstoff für die vor ihm liegende Zeit abzuholen. „Ich kann mir meine Arbeit einteilen“, sagt seine Mutter Yvonne Roth, die Montag erst am Nachmittag zur Arbeit musste. 

Jedes Schulkind der Klasse 1,2b der Ortenbergschule erhielt einen Arbeitsplan mit Aufgaben für die kommenden Wochen an diesem Morgen. „Das ist auch für uns Lehrer ein riesiger Kraftakt“, erläutert die Sozialarbeiterin Christine Mentzel. Für jedes Kind seien individuelle Arbeitsblätter erstellt worden, da im Klassenverbund der Erst- und Zweitklässer jeder Schüler an einem anderen Wissensstand „abgeholt“ werden müsse und dementsprechend anderen Lernstoff benötige. 

Zwei Schüler der Ortenberschule: Natas Sutkus (links) aus Rosenthal und Dominik Meissner aus Löhlbach.

Bei den Grundschülern seien zudem „große Ängste“ vorhanden gewesen: „Wir haben die vergangenen zwei Wochen schon jeden Tag intensiv über Corona gesprochen, weil viele verunsichert und ängstlich waren“, sagt Christiane Mentzel, die mit ihren Kollegen auch Aufklärungsarbeit leistet. „Wir halten dazu an, möglichst Sozialkontakte zu vermeiden und zu Hause zu bleiben.“ 

Die Siebtklässler Natas Sutkus aus Rosenthal und Dominik Meissner aus Löhlbach haben keine Angst wegen Corona. „Ohne Schule wird es wahrscheinlich ein bisschen langweilig“, vermuten sie. Lernstoff können sie über eine digitale Liste abrufen. 

Schulleiterin Cornelia Schönbrodt macht sich vor allem um ältere und gesundheitlich vorbelastete Kollegen Sorgen. „Das ist schon komisch“, sagt sie mit Blick auf die leeren Flure. 

Menschenleer sind auch die Räume und Gänge in der benachbarten Edertalschule. „Von den Schülern ist heute morgen keiner hier“, sagt der stellverretende Schulleiter Uwe Neumann. Die Schüler seien bereits am Freitag – vor der offiziellen Schließungsanordnung – aufgefordert worden, vorsorglich alle ihre Sachen mit nach Hause zu nehmen. Hausaufgaben und Lernstoff werde über ein Online-Portal verteilt. Eine Notfallbetreuung werde in der Mediathek angeboten.

Auch in der Frankenberger Wigand-Gerstenberg-Schule haben die Schüler ihre Dinge bereits am Freitag mitgenommen. „Wir hatten letzte Woche schon mal vorsorglich einen Notfallplan ausgearbeitet“, sagt Schulleiterin Christiane Lücke. „Für Familien ist es jetzt zu Hause auch schwer – sie müssen ihren Alltag neu gestalten“, sagt Lücke. „Lesen geht immer“, so ihre Empfehlung. Die Eltern könnten jederzeit anrufen, betont sie. Man versuche zwar, alle Schüler digital mit Lernstoff zu versorgen, dass sei aber aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht einfach.

Notbetreuung in Kitas

Einige, die dazu berechtigt sind, eine Notbetreuung in Anspruch zu nehmen, machen gar keinen oder nur bedingt Gebrauch davon. Das berichtet Christian Rehkate für den Kindergarten-Zweckverband Nordwaldeck. Von 850 Kindern in 15 Kitas seien bis Montagmittag neun Kinder im Bereich von Bad Arolsen und Twistetal angemeldet worden, die in der Notbetreuung sein werden. Daher werden nur einzelne Kitas geöffnet bleiben, wo Notgruppen eingerichtet werden. Auch würden nur einzelne Erzieher und Erzieherinnen in den Einrichtungen sein.

"Die Eltern reagieren sehr verständnisvoll und kooperativ", sagt Christian Rehkate. Diejenigen, die Gebühren für die Betreuung zahlen, müssten dies auch für den Zeitraum der Schließung tun.

Tagesmütter dürfen auch nicht mehr betreuen

Nach der Entscheidung der Landesregierung, Kindergärten und Schulen zu schließen, informierten Mitarbeiter des Jugendamtes am Montag auch die Tagesmütter, die im Landkreis Waldeck-Frankenberg tätig sind, erklärt Dr. Hartmut Wecker auf Nachfrage dieser Zeitung. Tagesmütter dürfen laut Verordnung ebenfalls keine Kinder mehr betreuen.

Caterer betroffen

Besonders hart treffen die Schließungen von Kitas und Schulen die Caterer, die zum Beispiel das Mittagessen liefern. Der Fleischer Arno Gassner aus Korbach etwa berichtet von 80 Prozent seines Umsatzes, der nun weg breche – auch aufgrund von weniger Lieferungen an Betriebe. Manche Unternehmen hätten die Essenslieferungen zunächst für zwei Wochen abbestellt. 

Der Fleischer will aber das beste aus der Situation machen und wird erfinderisch: Gassner bietet weiterhin Essenslieferungen an, bei denen die Lieferungen an alte Menschen und Menschen in Quarantäne kostenlos sein sollen.

Kaum noch Busverkehr

Die Schulschließungen betreffen auch den Busverkehr. Schulbusse fahren noch regulär, aber bis zum Schuljahresende fallen etliche Tages- und Mehrtagesfahrten aus, berichtet Bianca Schubert vom Reisedienst Grebe in Goddelsheim. Darüber hinaus seien zahlreiche Fahrten zu Messen und anderen Veranstaltungen abgesagt worden. „Wir beschäftigen uns den ganzen Tag mit Absagen.“ 

Inwieweit das Unternehmen dies wirtschaftlich stämmen und die Mitarbeiter in den nächsten Wochen beschäftigt werden können, müsse nun noch geklärt werden. Es herrsche viel Unsicherheit.

Wenige Tage nach dem Auftritt in Frankenberg steht fest: Friedrich Merz hat sich mit dem Coronavirus infiziert. 

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