Abschluss des Projekts „Bergheiden im Rothaargebirge“ – 4. Hochheidetag

Willingen: Schutz der Bergheiden soll weitergeführt werden

Abschluss des Bergheiden-Projekts (von links) Manuela Köhne, Ruth Bindewald, Dieter Pollack, Benedikt Wrerde, Holger Krafft, Professor Thomas Fartmann, Heinrich Zölzer vom Gemeindevorstand Diemelsee, sowie Rudolf Stolz und Dirk Hesse.
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Abschluss des Bergheiden-Projekts (von links) Manuela Köhne, Ruth Bindewald, Dieter Pollack, Benedikt Wrerde, Holger Krafft, Professor Thomas Fartmann, Heinrich Zölzer vom Gemeindevorstand Diemelsee, sowie Rudolf Stolz und Dirk Hesse.

Alle 25 Jahre muss die Besenheide erneuert werden, sonst wird sie trocken und brüchig, die Flächen verbuschen. Wie lassen sich Bergheiden und Borstgrasrasen – die für das Sauerland so charakteristischen Lebensräume – nicht nur erhalten, sondern sogar weiterentwickeln?

Willingen - In dem grenzübergreifenden Naturschutzprojekt „Bergheiden im Rothaargebirge“ (siehe Stichwort) sind die Naturparke Diemelsee und Sauerland-Rothaargebirge dieser Frage nachgegangen in enger Zusammenarbeit mit der Biologischen Station Hochsauerlandkreis und der Universität Osnabrück. Am Sonntagvormittag zogen Wissenschaftler und Naturschützer in Willingen Bilanz.

Ins Blickfeld genommen haben sie 90 Gebiete mit insgesamt 190 Hektar Heide und 43 Hektar Borstgrasrasen, erklärte Holger Krafft von der Biologischen Station HSK nach der Begrüßung durch Manuela Köhne, Vorsitzende der Verbandsversammlung Naturpark Diemelsee, und Geschäftsführer Dieter Pollack.

Im Rahmen des Projekts wurde ein ehemaliges Waldstück aufwendig wieder in eine Heide verwandelt – renaturiert.

Zur Heidepflege kamen Schafe und Ziegen zum Einsatz, Mähen sowie Schoppern und Plaggen. Beim Schoppern werden Pflanzen und Boden bei geringer Humus-Dicke bis drei Zentimeter abgetragen, beim Plaggen wird mehr Erdreich und auch Wurzeln rausgenommen. Holger Krafft zeigte sich erfreut, dass das durch Schoppern und Plaggen anfallende Material in einem nahen Steinbruch zur Wiederbegrünung verwendet werden kann.

Um die Wanderschäfer zu unterstützen, wurden weitere Futterflächen zwischen den Heideflächen organisiert, „wobei es da noch Luft nach oben gibt, es ist schwer, Flächen zu finden“. Für die Wasserversorgung der Tiere wurden Tanks angeschafft, auch die Vermarktung der Schafprodukte soll verbessert werden – edles Fleisch der heimischen Gastronomie schmackhaft gemacht und die Wolle zu Düngerpellets gepresst werden, sagte Krafft. Um bei Touristen, Beerenpflückern und Jägern für mehr Verständnis für die Arbeit der Schäfer zu sorgen, informieren Broschüren und Schilder über Hintergründe.

Auch ein Wissenstransfer durch Seminare, Veröffentlichungen und den Hochheidetag, der am Sonntag bereits zum vierten Mal erfolgreich stattfand, wurde auf den Weg gebracht, erklärte Krafft, der die Aktionen zusammen mit Benedikt Wrede und Ruth Bindewald umgesetzt hat.

Landschaftspfleger Rudolf Scholz und sein Mitarbeiter Dirk Hessen (Allendorf/Eder) zeigten eindrucksvoll auf, mit welchen Gerätschaften und Techniken sie die Heideflächen pflegten und schließlich auch beernteten, um die dabei eingesammelten Samen an anderer Stelle für eine Renaturierung wieder auszubringen.

Landschaftsökologen der Universität Osnabrück haben das Projekt wissenschaftlich begleitet. „Wenn wir den Lebensraum Bergheide erhalten wollen, sind Verjüngungsmaßnahmen zentral“, sagte Professor Thomas Fartmann vom Fachbereich Biodiversität und Landschaftsökologie. Allein der Stickstoffeintrag aus der Luft lasse Gräser zunehmen, die die Heide verdrängen. Besenheide brauche offenen Boden zum Keimen, sprach er sich auch für Plaggflächen aus: „Wir brauchen die frühen Sukzessionsstadien für seltene Arten“, die sich sonst nicht etablieren könnten.

Die Gesamtkosten für die Aktionen belaufen sich auf rund 790 000 Euro. Finanziell unterstützt wurde das Projekt unter anderem durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Umweltministerien in Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Der Schutz der selten gewordenen Lebensräume, Wissenstransfer und Erlebbarmachen der für Willingen und das Rothaargebirge so typischen Kulturlandschaft soll über das Projekt hinaus weitergeführt werden.

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