Nach teilweisem Export-Stopp: Kreisbauernverband hofft auf neue Vermarktungswege

Afrikanische Schweinepest: Tote Tiere im Osten drücken auch Preise im Landkreis

Heiko Kieweg
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Heiko Kieweg, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Waldeck

Bislang wurden nur Wildschweine im Osten Deutschlands mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziert. Doch die Fälle wirken sich auch auf Landwirte in Waldeck-Frankenberg aus: Die Betreiber von Mast- und Zuchtbetrieben müssen mit deutlich gesunkenen Preisen für ihre Tiere zurechtkommen.

Waldeck-Frankenberg – „Wir waren über die Funde besorgt, aber nicht übermäßig überrascht“, sagt Heiko Kieweg, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Waldeck, über die mehr als 30 toten Wildschweine, die bislang in Brandenburg entdeckt wurden. Schon seit Jahren nähert sich die Seuche vor allem über Osteuropa, aber auch in Belgien gab es bereits Fälle. Entsprechend sensibilisiert seien die Landwirte im Landkreis, so Kieweg. Er betreibt selbst eine Schweinemast mit gut 1300 Plätzen.

Mit der Entdeckung der infizierten Tiere im Osten der Republik gilt nun ganz Deutschland als nicht mehr ASP-frei. In viele Länder Asiens darf beispielsweise deshalb schon kein Schweinefleisch mehr exportiert werden. Das wirkt sich auf die Preise aus: „Im Frühjahr lag der Kilopreis bei 1,90 bis zwei Euro“, so Kieweg. Schon durch Corona und damit auch die fehlenden Abnehmer wie große Kantinen sei der Preis auf 1,47 gesunken. „Aktuell liegen wir bei 1,27 Euro.“

Wirtschaftliche Bedrohung für Tiere

Für Ferkel seien die Preise um zwölf Euro gesunken, der Grundpreis liege bei etwa 27 Euro derzeit. „Das war ein echter Schlag ins Kontor“, sagt der Vorsitzende. Kostendeckend arbeiten könne man so nicht, die Situation sei für manche Landwirte deshalb auch nicht lange durchzuhalten. Heiko Kieweg appelliert deshalb an alle Handelspartner, nach neuen Vermarktungswegen zu suchen. Die ASP sei insgesamt eine „echte wirtschaftliche Bedrohung“.

Im Frankenberger Raum gebe es nur wenige Schweinehalter, sagt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Frankenberg. Er übt Kritik an der Preissenkung. Dies sei sofort ohne Not passiert, damit zeige der Markt seine Macht.

Rund 400 Betriebe in Schweinemast und -zucht gibt es in Waldeck-Frankenberg mit jährlich rund 60 000 Tieren. Etwas mehr als 4000 davon seien Zuchtsauen, der Rest Masttiere.

Ungefährlich für den Menschen

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Tierseuche, die Haus- und Wildschweine betrifft. Auf Menschen wird das Virus nicht übertragen. Schweine können sich durch direkten Kontakt mit kranken Tieren anstecken, beispielsweise durch Blut, Sekrete oder Sperma. Auch ist eine Übertragung durch Speiseabfälle möglich, ebenso über Fahrzeuge, kontaminierte Ausrüstung wie Jagdausrüstung, landwirtschaftlich genutzte Geräte und Maschinen. (Julia Janzen)

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