Ein Krisenstab tagt regelmäßig

Schweinepest: Im Ernstfall kommen in Waldeck-Frankenberg auch Feuerwehren zum Einsatz

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Potenzielle Überträger der Schweinepest: Vor allem von Wildschweinkadavern geht die größte Ansteckungsgefahr aus. Das Foto entstand im Schwalm-Eder-Wildpark. Foto: Archiv/pr

Waldeck-Frankenberg – Aktuell spricht jeder vom Coronavirus, aber auch die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt näher. Der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese hat kürzlich Feuerwehrleute in Frankenau für das Thema sensibilisiert. Denn im Ernstfall kommt auch die Feuerwehr zum Einsatz.

 „Die afrikanische Schweinepest steht vor den Toren Deutschlands“, sagte er in der Jahreshauptversammlung aller Frankenauer Wehren. Fachleute seien sich sicher, dass sie auch nach Deutschland komme. Die Veterinäre hätten bereits gewarnt: „Da kann was auf uns zukommen“, sagte Frese. „Sobald ein totes Tier aufgefunden wird, kommt die Feuerwehr ins Spiel“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete.

 Im Ernstfall müsse das Areal weiträumig umzäunt werden. Weil von Wildschwein-Kadavern die größte Ansteckungsgefahr ausgehe, habe der Landkreis ein Konzept für die Bergung der toten Tiere erarbeitet, teilt dazu auf Nachfrage auch Ann-Katrin Heimbuchner, Sprecherin des Landkreises, mit. 

Eine der wichtigsten Bekämpfungsmaßnahmen bei einem Ausbruch der Seuche sei das Aufspüren toter Tiere, des sogenannten Fallwildes. „Das Fallwild ist für die Früherkennung der Seuche ganz besonders wichtig, da es im Ausbruchsfall eine gefährliche Infektionsquelle für gesunde Tiere darstellt“, informiert die Sprecherin des Kreises weiter.

Da das Suchen, Bergen und Entsorgen dieser Tiere einen sehr hohen Personalbedarf mit sich bringe, werde der Landkreis im Ernstfall hierbei von den Städten und Gemeinden, den Feuerwehren, der Jägerschaft, den Bauernverbänden, dem Maschinenring Waldeck-Frankenberg, den Landwirten und vielen weiteren Partnern unterstützt, so die Pressesprecherin weiter. „Entsprechende Schulungen aller Einsatzkräfte dazu wurden bereits – und werden auch weiterhin – durchgeführt.“

Früherkennung

„Zur Früherkennung eines möglichen Ausbruchs werden – mit Unterstützung der Jägerschaft – regelmäßig Proben von Wildschweinen genommen“, teilt Heimbuchner mit. Sowohl von den selbst erlegten Tieren, als auch von dem Fallwild, also Wildschweinen, die verunfallt oder tot aufgefunden oder krank geschossen worden seien. „Die Jägerschaft und Forstämter sind vom Landkreis mit dem notwendigen Probenmaterial ausgestattet worden“, sagt die Sprecherin

Sollte die Schweinepest Deutschland oder gar Hessen erreichen, sei der Landkreis Waldeck-Frankenberg gerüstet: „Wir bereiten uns seit geraumer Zeit auf den Ernstfall vor“, sagte  Sprecherin Ann-Katrin Heimbuchner.

„Im Rahmen der Aufklärung sind schon seit 2015 mehrsprachige Plakate insbesondere an Bundesstraßen und bekannten Rastplätzen für Lkw-Fahrer angebracht, die auf die Einschleppungsgefahr der Krankheit durch nicht sachgerecht entsorgte Lebensmittel hinweisen“, sagte die Pressesprecherin.

Zudem informiere der Landkreis regelmäßig über die Entsorgung von Biomüll, mögliche Übertragungswege, Ansteckungsgefahr durch Jagdreisen und vorbeugende Biosicherheitsmaßnahmen. „Letztere werden bei Schweinehaltern in Waldeck-Frankenberg zudem verstärkt durch den Fachdienst Lebensmittelüberwachung, Tierschutz und Veterinärwesen kontrolliert.“

Multiplikatoren

Darüberhinaus habe der Landkreis einen Krisenstab gebildet, der sich regelmäßig zum Thema austausche sowie einen Arbeitskreis „ASP Prävention“ ins Leben gerufen, an dem auch Vertreter der Jägerschaften, der Bauernverbände, der Forstämter und des Nationalparkamtes mitwirkten. „Diese dienen als Multiplikatoren und informieren ihre Mitglieder regelmäßig über den aktuellen Stand des Themas“, so Heimbuchner.

Außerdem habe der Kreis vor drei Jahren eine Schaum-Desinfektionsschleuse zur Reinigung kontaminierter Fahrzeuge angeschafft. „Für den Landkreis geht die größte Gefahr der Einschleppung von mitgebrachtem Schweinefleisch, Wurst oder eingeführten Jagdtrophäen aus den Infektionsgebieten aus“, teilte die Pressesprecherin mit.

Das hohe Lkw-Aufkommen aus osteuropäischen Ländern - die die großen Logistikzentren der international tätigen Unternehmen im Landkreis beliefern - berge ein hohes Einschleppungs-Risiko. Ein Ausbruch der Seuche würde neben den gravierenden Auswirkungen für die Tiere auch schwere wirtschaftliche Folgen mit sich bringen.

Der Landkreis rät auch, im eigenen Haushalt darauf zu achten, dass Speiseabfälle fachgerecht entsorgt werden. Fleischabfälle sollten in die Biotonne wandern oder in einem geschlossenen Kompostbehälter entsorgt werden.

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