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Schweinepest: Nordhessen kaufen 30 Kilometer Elektrozaun für eine Sperrzone

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Ortstermin in Dorfitter. Gemeinsam auf den Ernstfall vorbereitet: Vertreter der vier nordhessischen Kreise und der Stadt Kassel kamen gestern in der Halle des Maschinenrings zusammen, in der die Elektrozäune für die Absicherung von Sperrzonen lagern.
Gemeinsam auf den Ernstfall vorbereitet: Vertreter der vier nordhessischen Kreise und der Stadt Kassel kamen gestern in der Halle des Maschinenrings zusammen, in der die Elektrozäune für die Absicherung von Sperrzonen lagern. © Karl Schilling

Die Afrikanische Schweinepest hat es bis nach Deutschland geschafft. Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, haben sich die vier nordhessischen Kreise Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Werra-Meißner und Kassel-Land sowie die Stadt Kassel zusammengetan und gemeinsam 30 Kilometer Elektrozaun gekauft.

Waldeck-Frankenberg – Der von Horizont aus Korbach gelieferte Zaun soll bei Bedarf um Sperrzonen herum aufgestellt werden und verhindern, das womöglich infizierte Tiere herauskommen. Am Freitag kamen Vertreter der Kreise beim Maschinenring in Dorfitter zur offiziellen Übergabe zusammen.

Rund 27 000 Euro investiert

„Wir Nordhessen können das gemeinsam“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Waldeck-Frankenbergs, Karl-Friedrich Frese. „Wir haben uns zusammengerottet, um gemeinsam Vorkehrungen zu treffen“: Rund 27 000 Euro hätten sie für die 30 Kilometer Zaun aufgebracht. Das Land halte zwar 60 Kilometer Elektrozaun vor, aber nach den Erfahrungen in Brandenburg das reiche nicht aus, sagte sein Kollege aus Kassel-Land, Thomas Ackermann.

Ausbreiten des Virus verhindern

„Wir brauchen den Zaun, wenn es zu einem Ausbruch kommt“, erklärt die Leiterin des Amtes für Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit der Stadt Kassel, Dr. Regina Emerich. Sollte tatsächlich ein infiziertes Wildschwein Nordhessen erreichen, gilt es schnell zu handeln: Damit sich das Virus nicht weiter verbreite, müsse sofort eine Kernzone abgesperrt werden, berichtete Dr. Emerich. Gegebenenfalls müsse „nachjustiert“ werden, und da da seien die Elektrozäune flexibel.

Keine Übertragung vom Wildschwein auf Hausschweine

Mit der Zaunlänge von 30 Kilometern könne ein Gebiet mit einem Radius von fünf Kilometern umzäunt werden, erklärte Dr. Christina Werner vom Fachbereich Tierseuchenbekämpfung der Kreisverwaltung Kassel-Land. Wichtig sei, eine Übertragung vom Wildschwein auf Hausschweine zu verhindern.

Das hält der Erste Kreisbeigeordnete des Schwalm-Eder-Kreises, Jürgen Kaufmann, für „fast ausgeschlossen“ angesichts der hohen Hygiene-Standards in den heimischen Betrieben. Es könne immer vorkommen, dass Menschen das Virus einschleppten, aber „die Wahrscheinlichkeit ist gering.“ Deshalb gelte es, das Virus in der Wildpopulation schnell einzudämmen.

Wirtschaftliche Folgen

Eine Ausbreitung der Schweinepest habe nicht nur wirtschaftliche Folgen für die Landwirtschaft, erklärte Kaufmann, wegen der Verkehrsbeschränkungen könne auch der Tourismus betroffen sein.

Im Ernstfall seien Kommunikation und Schulung wichtig, betonte Kaufmann, Ansprechpartner müssten feststehen – von den kommunalen Bauhöfen bis zur Forstverwaltung. „Wir können uns zum Teil vorbereiten.“

Arbeitskreis eingerichtet

Deshalb habe Waldeck-Frankenberg vor zwei Jahren einen Arbeitskreis eingerichtet, berichtete die Leiterin des Fachdienstes Lebensmittelüberwachung, Tierschutz und Veterinärwesen, Dr. Anke Zwolinski. Dort arbeiteten auch Sachverständige wie Jäger und die Kreisbauernverbände, Förster und die Jagdbehörde mit.

Die Zaunelemente sind zunächst trocken in Hallen des Waldeck-Frankenberger Maschinenrings eingelagert, der im Industriepark bei Dorfitter eine Außenstelle unterhält. Wenn eine Kreisverwaltung Bedarf hat, kann sie das Material dort abholen lassen.

Schnelle Nachlieferung möglich

Sollte mehr Elektrozaun benötigt werden, könne Horizont rasch nachliefern, sagte Michael Falk. Das Korbacher Familienunternehmen habe eine fast 80-jährige Erfahrung mit Elektrozäunen, erst voriges Jahr hätten die Korbacher dem Land Bayern in nur vier Wochen insgesamt 761 Kilometer Schutzzaun geliefert.

Die Nordhessen hätten eine ähnliche Ausfertigung erhalten. Die Geräte beziehen ihren Strom aus Solarmodulen. Falk freute sich, dass beim Auftrag die Wertschöpfung in der Region bleibe.

Weitere Anfragen aus Hessen

Die Beschaffungsaktion habe sich in Hessen herumgesprochen, berichtet Frese, eine Anfrage habe er von der Bergstraße gekommen. Falk berichtete von weiteren Nachfragen bei Horizont. „Da entsteht ein Netzwerk.“

Dr. Zwolinski forderte, das Vorgehen im Ernstfall vorab praktisch durchzuspielen, um ein Gefühl für die Abläufe zu bekommen. Wie wird der Zaun aufgebaut? Wie ist der Untergrund? In Waldeck-Frankenberg baue der Maschinenring die Zäune in Zusammenarbeit mit Landwirten auf, erklärt der Ehrenvorsitzende Fritz Schäfer. Er beteuerte: „Wir kriegen das hin.“

Karl-Friedrich Frese hofft jedoch, dass der neue Zaun nie eingesetzt werden muss.

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