Bestattungsrituale eingeschränkt

Bad Wildungen: „After-Work-Talk“ mit islamischer und evangelischer Theologin über den Tod in Corona-Zeiten

Corona und der Tod: Beim  After-Work-Talk sprach DIB-Geschäftsführer Hermann Hubing (unten) mit Dr. Margot Käßmann (oben links) und Dr. Muna Tatari (rechts) über Bestattungsriten und andere religiöse Themen.
+
Corona und der Tod: Beim After-Work-Talk sprach DIB-Geschäftsführer Hermann Hubing (unten) mit Dr. Margot Käßmann (oben links) und Dr. Muna Tatari (rechts) über Bestattungsriten und andere religiöse Themen.

Bad Wildungen – Der dritte virtuelle After-Work-Talk des DIB Deutsches Institut für Bestattungskultur mit Sitz an der Holzfachschule drehte sich um Corona und den Tod.

Die rund 80 Zuschauer lernten die unterschiedlichen Bestattungsriten von Christen und Moslems kennen und erfuhren, wie sich die Corona-Schutzmaßnahmen in der Praxis auf diese auswirken.

Glaube und Corona-Schutz

Unter dem Titel „Glaubenskonforme Bestattung – in Zeiten von Corona noch möglich?“ sprachen die islamische Theologin Jun.-Prof. Dr. Muna Tatari und die evangelische Theologin Prof. Dr. Dr. Margot Käßmann darüber, wie sehr die beschlossenen Corona-Schutzmaßnahmen Gläubige in ihrer religiösen Abschiedskultur einschränken und ob es Möglichkeiten gibt, Glaube und Corona-Schutz miteinander zu vereinbaren.

Während des Online-Gesprächs wurde schnell klar, dass sich sowohl islamische als auch christliche Bestattungsriten mit den beschlossenen Einschränkungen bei den Bestattungen sowie mit den generellen Corona-Schutzmaßnahmen vereinbaren lassen.

Kritik an Beschränkungen auf Friedhöfen: „Lebensfern“

Muna Tatari berichtete beispielsweise von islamischen Rechtsgutachten zu diesem Thema, sogenannten Fatwas, die klar sagen, dass sich gläubige Muslime angesichts der Situation an das halten sollen, was die Wissenschaft und vor allem das Landesrecht vorgeben. „Die islamische Ordnung ist da schon flexibel, es geht immer zuerst darum, die Lebenden zu schützen!“, so Tatari.

Und auch Margot Käßmann, die die beschlossenen Einschränkungen bei Bestattungen zuvor kritisiert hatte, erklärte, dass diese mit den christlichen Riten vereinbar seien.

Käßmann erneuerte aber auch ihre Kritik an den Teilnehmer-Beschränkungen, da Friedhöfe genug Platz für größere Bestattungen böten. „Da stirbt ein geliebter Mensch und es dürfen nur zehn Leute kommen. Von allen Maßnahmen, die getroffen wurden, war das ein wenig lebensfern!“

Die Befürchtung, dass religiöse Riten mit den Corona-Beschränkungen verloren gehen könnten, teilen die beiden Theologinnen, Tatari und Käßmann sind sich aber auch sicher, dass Riten Menschen Halt geben und diese nach der Corona-Pandemie daher wiederaufgenommen werden.  

Nächster Talk mit Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke

Der nächste After-Work-Talk findet am 7. April statt. Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke berichtet, was Bestatter in Zeiten von COVID19 beim Umgang mit Verstorbenen über Viren und Hygiene wissen sollten. Der After-Work-Talk findet von 18 Uhr bis 19 Uhr statt. Um an der kostenlosen Online-Veranstaltung teilnehmen zu können, melden sich Interessierte vorab bei Sandra Appel (E-Mail: appel@leben-raum-gestaltung.de) an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.