24-Jähriger steht wegen Totschlags vor Gericht

Schwiegermutter tödlich verletzt

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Marburg. Weil er seine Schwiegermutter am 30. Mai 2014 erstochen hat, muss sich ein 24-Jähriger vor dem Marburger Landgericht verantworten.

Der Angeklagte gestand die Tat ebenso, wie er zugab, mit dem Messer seine von ihm getrennt lebende Ehefrau und seinen Schwager verletzt zu haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Totschlag sowie gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen vor. Mit einem Vorwand habe er sich die Tür der ehemals gemeinsamen Wohnung von seiner Ehefrau öffnen lassen. Dort habe er zunächst den Bruder der 23-Jährigen angegriffen und ihn mit einem Messer am Bauch verletzt. Dann sei er auf seine ebenfalls anwesende Schwiegermutter zugegangen und habe mehrere tödliche Messerstiche versetzt.

Derweil sei seine Ehefrau in die Wohnung der Nachbarin geflüchtet. Diese habe die Tür nicht mehr schließen können, sodass der Angeklagte hinterhergekommen sei und auch auf die junge Frau eingestochen habe. Durch ihre Gegenwehr sei sie jedoch nicht so schwer verletzt worden. Das Keramikküchenmesser sei gebrochen und der Täter sei geflohen, so die Anklage.

Die Ehefrau und der Schwager des Angeklagten bestätigten die Vorwürfe.

Während er sich an die Tat selbst nicht erinnern könne, berichtete der Angeklagte ausführlich über seine problematische Beziehung zu seiner Frau und stellte sich dabei selbst als Opfer dar. Die 23-Jährige dagegen berichtete ausführlich von häuslicher Gewalt, sexuellen Übergriffen sowie ständiger Angst vor ihrem Ehemann, den sie nur deshalb nach siebenjähriger Beziehung, aus der zwei Kinder hervorgegangen waren, erst im Februar vergangenen Jahres geheiratet habe.

Wie der 24-Jährige ausführte, sei man seit 2007 bereits ein Paar. 2009 sei man zusammengezogen und bald seinen auch schon die beiden Kinder geboren worden. Es habe immer wieder Probleme in ihrer Familie gegeben. Die Beziehung sei bis zur Hochzeit und auch noch danach aber normal gewesen, betonte er.

Allerdings habe die Frau sich weder um die Kinder oder den Haushalt gekümmert. Die Frau habe sich oft nur noch mit Online-Spielen beschäftigt. Etwa zwei Monate vor der Tat habe er dann herausbekommen, dass sie auf diesem Weg auch einen anderen Mann kennengelernt habe.

Zuletzt habe sie Mitte Mai, nachdem sie ihn im Streit angegriffen habe, die Polizei gerufen und behauptet, er habe sie geschlagen und vergewaltigt. Er sei der Wohnung verwiesen worden, habe seine Kinder aber regelmäßig holen dürfen. So auch am Tattag, als er sie zu seinen Eltern gebracht habe. Die Noch-Ehefrau - am 31. Januar soll das Paar geschieden werden - berichtete dagegen von einem wahren Martyrium. Bereits seit 2009 sei sie regelmäßig von dem Mann geschlagen worden. Auch sexuell habe er sie immer wieder gegen ihren Willen missbraucht.

Der vorsitzende Richter Carsten Paul zeigte sich verwundert, dass sie ihn trotzdem geheiratet habe. Das sei nur aus Angst geschehen, sagte die Frau. Mehrfach habe er gedroht, ihre gesamte Familie „aufzuschlitzen“, wenn sie ihn verlasse. (kse)

Die Verhandlung wird am 26. Januar fortgesetzt.

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