Schwitzen unter Auflagen

Fitnessstudios in Corona-Zeiten: Kunden und Betreiber freuen sich über Öffnung

Schwitzen im Fitnessstudio ist wieder erlaubt: Darüber freut sich Gerda Schaubs aus Korbach. Wenn die 78-Jährige alleine trainiert und Abstände einhält, darf sie während der Übung die Maske sogar abnehmen. Im Beisein eines Trainers – hier ist es Studioleiter Hermann Schaffer – muss der Mund-Nase-Schutz aber getragen werden.
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Schwitzen im Fitnessstudio ist wieder erlaubt: Darüber freut sich Gerda Schaubs aus Korbach. Wenn die 78-Jährige alleine trainiert und Abstände einhält, darf sie während der Übung die Maske sogar abnehmen. Im Beisein eines Trainers – hier ist es Studioleiter Hermann Schaffer – muss der Mund-Nase-Schutz aber getragen werden.

Seit Montag dürfen in Hessen Fitnessstudios unter strengen Auflagen wieder öffnen. Ein Blick nach Waldeck-Frankenberg zeigt: Kunden und Betreiber sind erleichtert, dass wieder trainiert werden kann.

Korbach - „Mir hat das Training gefehlt. Ich bin froh, endlich wieder herkommen zu dürfen“, sagt Gerda Schaubs. Der 78-jährigen Korbacherin ist die Lust, sich im Fitnessstudio körperlich betätigen zu können, deutlich anzusehen. „In den zurückliegenden Wochen sind wir zwar auch viel im Wald gewandert und gelaufen. Doch für den Muskelaufbau ist das Trainieren an den Geräten natürlich wichtig für mich.

Ich bin stolz darauf, dass ich in meinem Alter noch so fit bin – und möchte es auch bleiben.“

Gerda Schaubs ist eine von vielen Menschen, die seit diesem Montag wieder ins Fitnessstudio gehen – die Corona-Lockerungen machen das möglich. Solange der Inzidenz-Wert in Hessen unter 100 liegt, dürfen die Studios unter Auflagen öffnen. Pro 40 Quadratmeter ist eine Person erlaubt, es muss ein Hygienekonzept vorliegen, der Abstand muss drei Meter betragen. Duschen und Umkleiden sind geschlossen, das Training ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich und Kurse dürfen nach wie vor nur online angeboten werden.

Im Pro Body in Korbach – dem Stamm-Fitnessstudio von Gerda Schaubs – hängen gut sichtbar Schilder, die dazu aufrufen, den Abstand zu wahren. Spender mit Desinfektionsmitteln stehen bereit. „Wir haben hier die Regelung, dass grundsätzlich im Studio ein Mundschutz getragen wird – zum Beispiel müssen auch bei der 1:1-Betreuung Trainer und Besucher jeweils einen Mund-Nase-Schutz tragen. Wer alleine trainiert, darf die Maske während der Übung am Gerät ablegen“, erklärt Schaffer.

Der Studioleiter ist ebenfalls froh, dass er wieder öffnen darf. „Als das am Donnerstag vergangener Woche verkündet und tags darauf mit der neuen Verordnung auf den Weg gebracht wurde, ging bei uns die Arbeit richtig los. Wir haben unsere App sofort mit einem neuen Online-Terminbuchungssystem versehen, sodass sich unsere Kunden ganz einfach für eine Trainingseinheit anmelden können.“ Darüber hinaus habe man telefonisch und über alle verfügbaren Sozialen Medien die Kunden informiert, dass es wieder losgehe.

Hermann Schaffer lässt aktuell nur 20 Personen zeitgleich trainieren, obwohl er in seinem 1400 Quadratmeter großen Fitnessstudio eigentlich mehr Kunden begrüßen dürfte. „Bei uns stehen Hygiene und Sicherheit aber an erster Stelle“, betont er. Zusätzlich zum bestehenden Lüftungssystem habe er daher auch drei Luftreinigungsgeräte bestellt, die in dieser Woche geliefert werden.

Stolz ist der Studioleiter darauf, dass er trotz der monatelangen Schließung niemanden habe entlassen müssen. Und wie wertvoll die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind, spürt er vor allem auch in diesen Tagen. „Wir brauchen jede Hand, damit wir die Auflagen und Vorschriften – vor allem im Hygienebereich – einhalten können“, sagt Hermann Schaffer, der sich aber auch bei den Kunden bedankt. „Dass diese die ganzen Einschränkungen alle so mittragen und uns weiterhin die Treue halten, hilft uns natürlich sehr.“ Den monatlichen Studio-Beitrag habe er während der Schließung daher auch nicht einbehalten, was aus rechtlicher Sicht ohnehin äußerst fragwürdig gewesen wäre.

Gespräche müssen mitunter draußen geführt werden

Wie unterschiedlich einen der Lockdown in der Corona-Pandemie treffen kann, wird deutlich, wenn man sich mit Jörg Schaefer unterhält. Der Medebacher betreibt neben dem EMS-Sportstudio InForm in Korbach unter anderem auch eines in seinem Heimatort. Weil aber die Corona-Verordnungen in Hessen und Nordrhein-Westfalen in bestimmten Punkten deutlich voneinander abweichen, gibt es in Schaefers Studios auch unterschiedliche Regelungen, die befolgt werden müssen.

Jörg Schaefer vom EMS-Sportstudio InForm in Korbach

„In Medebach ist es uns aktuell verboten, wieder zu öffnen. Seit Anfang November ist das Studio dort geschlossen. In Korbach dürfen wir seit Montag den Betrieb dagegen unter Auflagen wieder aufnehmen und machen das auch“, sagt Jörg Schaefer. In Hessen habe es während des Lockdowns zwischenzeitlich sogar Lockerungen beim Personal-Training gegeben, was dem EMS InForm Fitnessstudio in der Kreis- und Hansestadt zu Gute gekommen sei.

„Wir bieten in unseren Studios die sogenannte Elektro-Muskel-Stimulation an. Hierbei handelt es sich um ein persönliches Training für bis zu zwei Personen pro Einheit. Für dieses Training sind 20 Minuten pro Woche ausreichend, die Termine legt man nach Absprache fest.“ Und da Jörg Schaefer das Konzept des persönlichen Trainings in seinen Studios ohnehin schon umsetzt, musste er in Korbach dank der unterschiedlichen Regelungen in Hessen und Nordrhein-Westfalen auch eine deutlich kürzere Schließungszeit hinnehmen. „Wir hatten in Korbach unterm Strich sechs Wochen zu und nicht mehrere Monate. Das war zwar auch nicht leicht, verglichen mit der Situation in Medebach aber nicht ganz so schlimm.“

Der Studioleiter weist zudem darauf hin, dass sich in Korbach seit Montag gar nicht viel geändert habe. Trainingseinheiten gebe es wie gewohnt nur nach Terminvereinbarung und die Zahl der Personen, die sich zeitgleich im Studio aufhalten würden, sei gering. „Wir haben 120 Quadratmeter zur Verfügung. Das heißt, dass bei uns momentan zwei Personen plus Übungsleiter trainieren dürfen. So war das bei uns aber auch schon vor Corona“, sagt der Medebacher.

Einen Unterschied gebe es aber: „Wenn jetzt jemand während des Trainingsbetriebs zu uns kommt und sich einfach nur das Studio anschauen oder etwas über das Training wissen möchte, muss ich ihn leider bitten, zu einem anderen Zeitpunkt wiederzukommen – oder das Gespräch mit mir draußen zu führen.“ Die Zahl der Personen, die zeitgleich im Studio seien, dürfe schließlich nicht überschritten werden.

Wie Schaefer weiter berichtet, sind auch während der Schließung die Monatsbeiträge für das Fitnessstudio weiter geflossen. „Das wurde von unseren Kunden akzeptiert, weil wir die Termine jetzt alle nachholen. Ein Kunde, der sonst einmal in der Woche gekommen ist, erhält für seinen Beitrag jetzt zwei Termine.“

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