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Im Spiel der Winde - Segelfliegen beim Kreisluftsportverband Waldeck

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Von: Achim Rosdorff

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Das Landschaftspanorama genießen und die Instrumente im Blick behalten – beides gehört beim Segelfliegen dazu.
Das Landschaftspanorama genießen und die Instrumente im Blick behalten – beides gehört beim Segelfliegen dazu. © Privat

Segelfliegen gibt ein Gefühl von Freiheit, ist aber auch anspruchsvoll. Wer dieses Hobby kennenlernen möchte, ist beim Kreisluftsportverband Waldeck willkommen.

Von Aufwind zu Aufwind getragen, fast geräuschlos wie ein Vogel durch die Luft gleiten – nur von der Thermik angetrieben, über 200 Stundenkilometer schnell. Von Anfang an hat das die Aktiven im Verein zum mitmachen motiviert.

Aktiven Segelflugsport in Nordwaldeck gibt es schon seit den 1930er Jahren. Der erste Startversuch mit einem selbst gebauten Gleiter im Helmighäuser Feld endete noch mit einer Bruchlandung. Zur NS-Zeit gab es die Flieger-HJ, die viele Jugendliche auf Schulgleitern trainierte. Damals gab es Pläne, ein Segelfluggelände auf der Rhoder Hude einzurichten, wo auch versuchsweise Gummiseilstarts unternommen wurden. Zudem baute man während des Krieges in Rhoden einige Schulgleiter. Nach dem Krieg waren fliegerische Aktivitäten zunächst verboten. Doch etwa ab 1948 fingen einige flugbegeisterte Waldecker mit Modellbau an, und kurz darauf wurde der Segelflug in Deutschland wieder zugelassen. In Korbach, Arolsen, Rhoden und an anderen Orten bildeten sich Luftsportgruppen, die sich zum Teil eigene Flugplätze einrichteten und Vereine gründeten. Aus den Resten dieser Luftsportgruppen entstand der Kreisluftsportverband Waldeck (KLV).

Vertriebsleiter Peter Konradt (60 Jahre) gehört zu den aktiven Piloten im KLV.
Vertriebsleiter Peter Konradt (60 Jahre) gehört zu den aktiven Piloten im KLV. © Privat

Die Aktiven waren zunächst auf anderen Flugplätzen und bei anderen Vereinen am Start, zum Beispiel in Wildungen, am Graner Berg bei Wolfhagen, in Korbach und in Calden. In den 80er Jahren bot sich dann die Gelegenheit, am Dumberg in Diemelstadt-Dehausen Flächen anzupachten und einen eigenen Platz aufzubauen. Die Aktiven bauten in Eigenleistung eine Halle sowie ein Vereinsheim und machten die Fläche fliegbar. Bis heute hat der KLV-Waldeck seinen Sitz auf dem Dumberg.

Der Jüngste ist 12, der Älteste 94

Zurzeit zählt der Verein 25 bis 30 aktive Mitglieder, 10 bis 15 davon nehmen regelmäßig am Flugbetrieb teil. Nur elf Frauen sind dabei. Die Spanne zwischen Jung und Alt ist groß, der Jüngste ist 12, und das ältestes fördernde Mitglied 94 Jahre alt. „Wir treffen uns während der Saison von März bis Oktober regelmäßig an den Wochenenden zum Fliegen – vorausgesetzt, das Wetter passt“, erzählt Dieter Wetekam, der Erste Vorsitzende. Beim Übungsbetrieb wird er von den anderen Fluglehrern Gerard Kluckhuhn, Niklas Wagener (Ausbildungsleiter), Christian Wegener und Fluglehrerin Daniela Werner unterstützt.

Julian Diele in Aktion. Der Pilot im KLV ist auch Flugleiter, Windenfahrer und Kassenprüfer.
Julian Diele in Aktion. Der Pilot im KLV ist auch Flugleiter, Windenfahrer und Kassenprüfer. © Privat

Die Sicherheitsvorschriften spielen eine große Rolle. So gibt es bei jedem Flugbetrieb Grunderfordernisse, die erfüllt sein müssen. Stets muss ein Flugleiter, ein Windenfahrer, ein Rückholer und ein Starthelfer dabei sein. Außerdem ist in der Regel mindestens einer der Fluglehrer anwesend, um den Schülern das Fliegen zu zeigen und jeden Handgriff zu überwachen. Doch das Vereinsleben besteht nicht nur aus Fliegen, auch die Flugzeugwartung in den Wintermonaten gehört dazu.       

Die Coronakrise hat den Verein in den vergangenen zwei Jahren vor einige Herausforderungen gestellt, stets musste man sich auf die aktuellen Gegebenheiten und Verordnungen einstellen. „Wir sind froh, dass wir trotzdem den Flug- und Schulungsbetrieb aufrecht erhalten konnten, auch wenn wir etwas später in die Saison gestartet sind“, so Wetekam, der hofft, in diesem Jahr wieder aktiver sein zu können.

Apropos: zum Segelflugsport gehören auch Wettkämpfe, zum Beispiel das Jugendvergleichsfliegen und Meisterschaften, die meistens in den frühen Sommermonaten steigen.

Ausbilder bei Segelkunstflug-Wettbewerben

Bei der Ausbildung sind die theoretischen Grundlagen wichtig, die in Zusammenarbeit mit befreundeten Vereinen in den Wintermonaten angeboten werden. Darüber hinaus werden die Fluglehrer und Flugleiter regelmäßig weitergebildet.

Zur Motivation des Nachwuchses tragen natürlich sportliche Erfolge bei. Ausbildungsleiter Niklas Wagener nimmt beispielsweise an Wettbewerben im Segelkunstflug teil und konnte dort bereits mit Erfolg an Deutschen Meisterschaften teilnehmen. „Allen Vereinsmitgliedern steht es offen, an Wettbewerben teilzunehmen. Das Flugzeug stellen wir dazu zur Verfügung“, betont Dieter Wetekam. Doch was den Nachwuchs vor allem antreibt, ist die Faszination Segelfliegen, die Christian Wegener so beschreibt:

Ein tolles Gefühl, sich von den Winden tragen zu lassen.
Ein tolles Gefühl, sich von den Winden tragen zu lassen. © Privat

„Beeindruckend, wie gut Segelfliegen funktioniert. Durch die Kraft der Natur schneller zu steigen als ein Skilift, acht Stunden in der Luft zu sein und 500 Kilometer weit zu fliegen – das ist immer wieder wie ein Wunder. Die Gebirge, Flüsse, Seen und Städte in unserer Region sehen aus der Vogelperspektive unglaublich schön aus. Zum Beispiel bei den Flügen von Dehausen aus, die uns an den Edersee, nach Kassel, an die Weser, an den Möhnesee, an den Rhein, ins Sauerland, in den Harz oder in den Thüringer Wald treiben.“

Sensibel für die Sicherheit

Bei allem Fluggenuss nehmen die Segelflieger im KLV Waldeck die Sicherheit sehr ernst, sagt Fluglehrer Christian Wegener und erklärt: „Wir halten uns stets an die Vorschriften. Unsere Flugzeuge befinden sich in einem sehr guten technischen Zustand. Die Flieger werden jährlich von einem externen Prüfer geprüft, außerdem täglich und vor jedem Start von einem Piloten oder Fluglehrer nach einer Liste gecheckt. Außerdem gibt es regelmäßige Fortbildungen und Sicherheitsbesprechungen, um alle am Flugbetrieb beteiligten Personen für die Sicherheit am Flugplatz zu sensibilisieren.“

Zum Vereinsleben gehört das gesellige Miteinander und die Familien der Aktiven. „Wir verbringen bei gutem Wetter meist den ganzen Tag gemeinsam am Segelflugplatz. Nur in der Gemeinschaft, als Team, können wir unseren Sport durchführen“, betont Wetekam. Und die gewachsenen Freundschaften seien für Zuwachs offen. „Wir freuen uns immer sehr über Verstärkung“, betont der Vereinsvorsitzende und nennt die Voraussetzungen, die Interessierte mitbringen sollten:

„Man sollte wetterfest sein und sich gerne draußen aufhalten. Ein Körpergewicht unter 110 Kilogramm wäre gut, da die maximale Zuladung auf dem vorderen Sitz des Schulungsdoppelsitzers auf dieses Gewicht begrenzt ist. Vor dem ersten Alleinflug muss man sich bei einem Fliegerarzt auf Flugtauglichkeit untersuchen lassen. Bereits im Alter ab 14 Jahren kann man mit der Ausbildung zum Segelflugzeugführer beginnen. Jugendliche bekommen eine entwicklungsfördernde Freizeitbeschäftigung. Sowohl praktische Fertigkeiten wie Segelfliegen, handwerkliches Arbeiten, Autofahren, aber auch charakterliche Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit werden bei uns vermittelt.“

Safety first

Übrigens: Segelfliegen ist ein anspruchsvolles Hobby. Deshalb haben die Vereinsmitglieder stets ein wachsames Auge auf neue Mitglieder, kontrollieren deren Handgriffe und beantworten gern jede Frage.

Im stimmungsvollen Morgengrauen.
Im stimmungsvollen Morgengrauen. © Privat

Doch nicht nur Jugendliche sind willkommen. Auch Erwachsenen bietet der KLV die Möglichkeit, sich den Traum vom Fliegen zu erfüllen. Das Ziel des gemeinnützigen Vereins ist es, jedem das Segelfliegen kostengünstig zu ermöglichen. So sind alle Fluglehrer, Windenfahrer, Flugleiter, Starthelfer und Werkstattleiter ehrenamtlich tätig. Wie teuer das Hobby ist, hängt natürlich davon ab, wie oft man fliegt. Im Schnitt könne man mit etwa 50 bis 80 Euro im Monat rechnen. Vereinsmitglieder zahlen für eine Stunde Segelflug etwa 21 Euro. Für Jugendliche, Azubis und Studenten gibt es Ermäßigung. Das Fluggerät und alle erforderlichen Gegenstände werden vom Verein gestellt, lediglich um den eigenen Sonnenschutz muss man sich kümmern. Interessierte sollten Lust haben mitzuhelfen: Flugzeuge aus dem Hangar holen, abschleppen, Winde fahren, Flugzeuge warten oder reparieren. Wer mag: Ein Schnupperkurs ist nach Absprache immer möglich.

Info

www.klv-waldeck.de

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