52 Tage bis nach Sizilien unterwegs

Sehbehinderte Rosenthalerinnen sind von ihrem Spendenlauf zurückgekehrt

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Wieder zurück: Siggi Kroning (links) und ihre Tochter Julia mit Kappe und Schweißtuch als den wichtigsten Reiseutensilien, dazu das neue Familienmitglied Maggy.

Rosenthal – 52 Tage waren sie von Rosenthal aus unterwegs und haben dabei zu Fuß etwas mehr als 520 Kilometer zurückgelegt.

Die blinde Siggi Kroning und ihre seheingeschränkte Tochter Julia Baumgardt, „The Walking Blinds“ aus Rosenthal, haben ihren Spendenlauf nach Sizilien beendet und sind heil und um viele Erfahrungen reicher wieder in der Heimat gelandet.

„Das Wandern in Deutschland war wunderschön“, erzählt Julia, „aber in Italien haben wir wegen des Verkehrs viele gefährliche Situationen erlebt.“ „Da haben wir oft sehr viel Glück gehabt“, ergänzt ihre Mutter. „Zebrastreifen zum Beispiel sind in Italien nur Dekoration.“

Außerdem zeigte ihnen ihre Wander-App zwar die möglichen Wege an, aber mehr als einmal machte plötzlich ein riesiges Eisentor mit Schloss das Weitergehen unmöglich. „Das ist besonders ärgerlich, wenn man schon ein paar Kilometer gelaufen ist und dann wieder zurück muss.“

Unangenehme Situationen anderer Art erlebten die beiden Frauen nicht. Doch wenn sie vorher gehofft hatten, von freundlichen Menschen zum Übernachten eingeladen zu werden, mussten sie diese Vorstellung zumindest in Italien schnell vergessen und dann doch öfter als geplant auf ein preisgünstiges Hotel ausweichen.

Dann geschahen mehrere Dinge fast gleichzeitig: In Kalabrien, ganz im Süden des italienischen Festlands, wurden sie Zeuge eines schweren Verkehrsunfalls. „Wir waren direkt vorher an dieser Stelle“, sagt Julia, „das hat uns emotional total mitgenommen.“

Die nächste Erfahrung war die schiere Unmöglichkeit, mit einer deutschen Kreditkarte Geld abzuheben. „Wir hatten nur noch neun Euro bar und wir hatten zwei Tage lang fast nichts gegessen.“ Dazu kam eine Hotelbesitzerin, die ihnen zweimal die Kosten für das Zimmer abknöpfen wollte. „Das war zu viel“, sagt Siggi, „wir konnten einfach nicht mehr und haben gesagt: Jetzt reicht’s.“

Kurzerhand fuhren sie et-

was früher als geplant zu ihrer Freundin Natalie nach Sizilien und halfen auf deren Ranch, auf der unter anderem heimatlose Hunde aufgepäppelt werden.

„Da hab ich mich in Maggy verliebt“, erzählt Julia – es handelt sich um eine Promenadenmischung, die als Welpe auf die Ranch kam und inzwischen entwurmt, geimpft und registriert ist. „Sie ist sehr schlau, gelehrig und verschmust“, schwärmt Julia, die das neue Familienmitglied mit nach Deutschland genommen hat.

Beide Frauen erklären, dass sie während der Reise immer wieder von den ermutigenden Kommentaren ihrer Facebook-Follower aufgebaut wurden.

An Spenden konnten sie über 5000 Euro sammeln, die für die Frühförderung sehbehinderter Kinder gedacht sind. Das Konto wird am 31. Oktober geschlossen.

„Wir möchten unsere Erfahrungen nicht missen“, sagt Julia, „wir sind beide an dieser Reise gewachsen.“

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