Investor hat Pläne im Parlament vorgestellt

Seniorenheim in Hatzfeld: Jetzt soll wirklich gebaut werden

Hier soll das Seniorenzentrum gebaut werden: Das Sondergebiet Mühlweide liegt zwischen der Eder und einer Häuserreihe an der Berleburger Straße.
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Hier soll das Seniorenzentrum gebaut werden: Das Sondergebiet Mühlweide liegt zwischen der Eder und einer Häuserreihe an der Berleburger Straße.

Das geplante Seniorenheim in Hatzfeld hat die nächste Hürde genommen: Die Stadtverordneten haben zugestimmt, dass die Stadt die Erschließungskosten bis zu dem Grundstück an der Eder übernimmt: insgesamt 325.000 Euro.

Hatzfeld - Sie taten das aber mit der Einschränkung, erst mit der Erschließung zu beginnen, wenn die Baugenehmigung für das Seniorenzentrum erteilt sei, wenn also klar sei, dass das Seniorenheim tatsächlich gebaut wird. In diesem Zusatz für den Erschließungsvertrag wird die Skepsis der Stadtverordneten deutlich. Denn für das Projekt war vor etwa vier Jahren von einem anderen Investor schon einmal ein Bauantrag gestellt worden; doch der Investor zog sich damals aus dem Projekt zurück.

Dass diesmal alles besser werde, versicherten die neuen Projekt-Beteiligten, die in der Sitzung am Dienstagabend im Hatzfelder Bürgerhaus über den aktuellen Stand berichteten.

Projektentwickler

Projektentwickler ist nach wie vor Rüdiger Holey, Immobilienvertreter aus Düsseldorf, der das Projekt 2018 vom bisherigen Planer übernommen hatte. Er habe sich „mit großem finanziellen Engagement“ die nötigen Grundstück auf der Mühlweide an der Eder gesichert, berichtete er den Stadtverordneten am Dienstag. „Wir sind auf dem Stand, dass wir sagen können: Jetzt kann es losgehen“, sagte Holey und appellierte an alle, „an das Projekt zu glauben und dabei zu bleiben“. Insgesamt sollen rund zehn Millionen Euro in die Errichtung des Seniorenheims investiert werden.

Investor

Investor und Bauherr für das Seniorenheim ist nun die „Deutsche Senioren Residenzen GmbH“ (DSR) aus Berlin. Deren Geschäftsführer Thomas Zethin berichtete, dass der Bauantrag fertig und demnächst beim Kreisbauamt in Korbach eingereicht werde. „Sie dürfen damit rechnen, dass wir im Oktober anfangen zu bauen“, sagte Zethin, der mit einer Bauzeit von anderthalb bis zwei Jahren rechnet. „Das Seniorenheim ist also von heute an in gut zwei Jahren in Betrieb“, kündigte er an.

Planer

Planer Werner Saur von der Hild-Point GmbH in Kassel stellte Details des zukünftigen Seniorenzentrums vor. Das Grundstück sei 4784 Quadratmeter groß – das entspricht etwa einem halben Fußballplatz. Das Gebäude an sich werde 1600 Quadratmeter groß. Da das Grundstück in der Ederaue liegt, müsse der Untergrund „komplett saniert“ werden. Das passiert mit der sogenannten Rüttelstopfverdichtung: Dafür werden laut Saur 1400 Schotterpfähle in die Erde getrieben, um den Boden zu sichern. Zudem bekomme das Gebäude eine „weiße Wanne“ aus wasserundurchlässigem Beton.

Saur stellte die Grundrisse der vier Etagen vor. Insgesamt sind 93 Wohneinheiten vorgesehen. Neben dem Alten- und Pflegeheim sind in dem Gebäudekomplex Betreutes Wohnen, eine Demenzstation und ein Café geplant. Auch heimische Bau- und Handwerksbetriebe würden zu Angeboten aufgefordert „und auch beauftragt, wenn es passt“, sagte Saur auf Nachfrage der Stadtverordneten Christel Eckhardt (SPD).

Betreiber

Das Seniorenzentrum soll weiterhin von der Cura Sana Pflegeheime GmbH aus Bad Camberg betrieben werden. Der Stadtverordnete Dr. Jens Simon (BL Reddighausen) berichtete, dass er mit dem Bürgermeister von Runkel telefoniert habe. In der Stadt im Landkreis Limburg-Weilburg betreibe die Cura Sana bereits ein vergleichbares Projekt, das in Zusammenarbeit mit der DSR entstanden sei. Der Bürgermeister habe von einem „sehr großen Zugewinn für die Gemeinde“ gesprochen, berichtete Simon.

Erschließungskosten

Investor Thomas Zethin sagte, das Grundstück sei „sehr schön gelegen“, aber nicht ganz einfach zu entwickeln, da der Boden an der Eder weicher als üblich sei und das Grundstück hinter dem ehemaligen Sägewerk Reitz relativ weit von der Straße entfernt sei. „Das sind einige Hürden, die ich normalerweise bei einem Pflegeheim-Projekt nicht habe. Dadurch ist relativ viel Erschließung nötig.“

Den „Löwenanteil“, so Zethin, trage die DSR als Investor, den Anteil für die „äußere Erschließung“ die Stadt, das heißt die Anschlüsse bis zum Grundstück. Für den Straßenbau (ohne Grunderwerb) sind 185.000 Euro veranschlagt, für Kanalisation und Wasserleitungen zusammen 140.000 – macht insgesamt 325.000 Euro Kosten für die Stadt.

Diese Ausgaben seien im Haupt- und Finanzausschuss am Montag „kontrovers diskutiert“ worden, berichtete Ausschuss-Vorsitzender Werner Keller. Es habe auch kritische Anmerkungen gegeben, unter anderem, weil für die Investitionen eine Kreditaufnahme und ein Nachtragshaushalt nötig seien. „Wir haben 2015 gesagt: Wir wollen ein Seniorenheim, aber ohne finanzielle Beteiligung der Stadt“, sagte Christel Eckhardt (SPD).

„Was sind unsere Sicherheiten, dass auf dem Grundstück was passiert?“, fragte Daniel Plank (BL Eifa). Er wollte ausschließen, dass die Stadt nun Geld für Kanal und Wasser ausgibt, das Seniorenzentrum dann aber doch nicht gebaut wird. Das werde über den Erschließungsvertrag geregelt, antwortete Investor Thomas Zethin.

Die Erschließungsbeteiligung der Stadt wurde von fünf der sechs Fraktionen genehmigt – nur nicht von der SPD: Michael Vollmann stimmte dagegen, Christel Eckhardt und André Feisel enthielten sich.

Das sagt der Bürgermeister

In der Sitzungsvorlage spricht Bürgermeister Dirk Junker über das Seniorenheim von der „wichtigsten Infrastrukturmaßnahme in Hatzfeld in den letzten Jahren“. In der Sitzung verwies Junker darauf, dass die Hatzfelder bisher nicht in der eigenen Stadt in einem Heim betreut werden könnten – die nächsten Seniorenheime sind in Battenberg und Beddelhausen. Zudem würden durch das Seniorenheim „attraktive Arbeitsplätze“ in Hatzfeld geschaffen. Laut Investor Zethin entstehen etwa 70 Arbeitsplätze – Junker hofft, dass einige der Mitarbeiter dann auch nach Hatzfeld ziehen. Mit Ärzten, Apotheke, Kita, Grundschule und Einkaufsmöglichkeiten biete Hatzfeld „eine hervorragende Ausgangslage“, sagte Junker.

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