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Früher ein Sakralbau, heute ein besonderes Zuhause

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Von: Julia Janzen

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Eine Frau und ein Mann vor einem Haus
Über den Hof und den Anbau geht es ins Wohnhaus von Marina und Alfred T. Hoffmann. Die ursprüngliche Haustür ist der Eingang in ein Fitnessstudio. © Julia Janzen

Aus der Residenzstadt stammen sie beide nicht: Während Alfred T. Hoffmann aus dem Hunsrück kommt, ist seine Frau Marina gebürtige Berlinerin. Und doch ist Arolsen längst ihre Heimat geworden. Das Paar hat ein stadtbekanntes Haus saniert, das vom Dach bis zum Gewölbekeller voller Besonderheiten ist.

Bad Arolsen - 42 Stufen sind es von der Haustür bis zur Wohnung von Marina und Alfred T. Hoffmann unterm Dach. „Ein gutes Training“, sagt der Sozialgerontologe lachend. Dabei geht es durch ein hölzernes Treppenhaus, das noch original erhalten geblieben ist. Dort ist gut zu erkennen, dass das Haus ursprünglich nicht so groß war. Mit einem Anbau wurde es 1920 erweitert. Bis dahin hatte es in dem Gebäude keine Sanitäranlagen gegeben, sie wurden in dem neuen Hausteil eingebaut. Im Anbau befindet sich jetzt auch der Eingang zum Wohnhaus. Die ursprüngliche Haustür, die auch noch original ist und auf die Schloßstraße führt, wird jetzt als Eingang für ein Fitnessstudio im Erdgeschoss genutzt. Früher hatten die Hoffmanns ihre Büros dort.

Ein Wohnzimmer mit Möbeln
Holzbalken sind hier im Wohnzimmer, aber auch in anderen Räumen zu sehen. © Julia Janzen

So viel wie möglich Altes erhalten: Das war die Devise für die aufwendige Sanierung. Ob Gebälk, viele Türen und teils auch der Holzfußboden sind noch vorhanden. Das Paar hat das 1734 gebaute Haus aufwendig sanieren lassen und sich bewusst dafür entschieden, dass alte Techniken angewandt werden und Material genutzt wurde, das auch damals zur Verfügung stand. „Wir wollten das Haus nicht einsperren, es sollte krumm und schief sein dürfen“, sagt Alfred Hoffmann. Nach dieser Maßgabe suchten sie die Handwerker aus: Sie sollten die Idee des Hauses verstehen.

2007 hatte das Paar das Haus gekauft, dabei wollte Alfred Hoffmann eigentlich nie Hausbesitzer sein, sagt er. Ihre Büros hatten sie zunächst im Haus gegenüber, doch dort wurde es zu eng. Gewohnt hat das Paar damals noch in Nieder-Werbe.

Das gelbe Haus auf der anderen Seite der Schloßstraße hatte da schon einige Jahre leer gestanden und „war in einem schwierigen Zustand“. Dennoch kauften sie es schließlich.

Ein möblierter Gewölbekeller
Partyraum: Im schallgedämmten Gewölbekeller wird gerne gefeiert. © Julia Janzen

Alle Gewerke hatten die Hoffmanns für die Sanierung an einen Tisch gebracht, einen Architekten gab es nicht, „alle wussten, was sie zu tun hatten“. Beim Umbau habe eine tolle Atmosphäre geherrscht, die Handwerker hätten „gezaubert“, lobt Alfred Hoffmann. Am Ende gab es ein großes Fest für alle.

Nach dem Umbau lebten Marina und Alfred Hoffmann in der Mitte des Hauses. Dort wohnen jetzt die Tochter, deren Mann und die beiden Kinder, außerdem Hund Paula. Marina und Alfred Hoffmann zogen unters Dach.

In der Wohnung gibt es offenes Fachwerk in der Küche, hier und dort schiefe Wände – und eine Badewanne voller Grünpflanzen. Zum Baden wollten sie die nicht nutzen, deshalb nutzten sie sie kurzerhand um. An den Wänden finden sich zahlreiche Mitbringsel, die sie von ihren Reisen um die Welt mitgebracht haben, zudem ein besonderes Regal. 1728 sei das bereits gebaut worden, sagt Alfred Hoffmann. Auch wenn es ursprünglich nicht aus dem Haus stamme, „ist es doch toll, wie alt Holz werden kann“.

Eine Badewanne voller Grünpflanzen
Die Badewanne nutzte das Paar nie, deshalb haben sie dort Grünpflanzen eingesetzt. © Julia Janzen

Über das Haus, in dem sie leben, sammelt Alfred Hoffmann alle Infos, die er nur finden kann. Interessierte, die daran vorbeikommen, können auf einem Schild einige Infos zu dem 1734 entstandenen Haus erfahren. So wurde es von dem Kaufmann und späteren Bürgermeister Ernst Heinrich Meißner gebaut und wie die anderen drei Eckhäuser an der Schloßstraße auch als Kirchengebäude genutzt. Später waren ein Manufakturwarengeschäft, die Leihbibliothek des Frauenvereins sowie eine Getreide- und Musikalienhandlung untergebracht. „Es ist spannend, was das Haus so erlebt hat.“

Eine Besonderheit, die von außen nicht zu erkennen ist: Es gibt mehrere Gewölbekeller. Den größten haben Marina und Alfred Hoffmann umgebaut zu einem Partyraum samt alter Jukebox. Über die gesamte Länge des Hauses erstreckt sich der große Kellerraum, der im Sommer angenehm kühl ist. Damit sich Nachbarn und Passanten nicht gestört fühlen, wenn dort mal gefeiert wird, wurde alles schallgedämmt. jj

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