Mann war fristlos entlassen worden

Sex-SMS an Kolleginnen: Vorarbeiter klagte gegen Kündigung

Frankenberger Land. Ein Mitarbeiter einer Firma aus dem Frankenberger Land hat vor dem Arbeitsgericht in Gießen gegen seine fristlose Kündigung geklagt.

Sie war ausgesprochen worden, weil die Chefs Sex-SMS auf seinem Dienst-Handy gefunden hatten, das er auch privat nutzen durfte.

Richter Hans Gottlob Rühle vom Arbeitsgericht in Gießen sprach von einem Lehrstück zu Missbrauch von Firmeneigentum zu privaten Zwecken während der Arbeitszeit.

Der 44-jährige Kläger arbeitete seit 2006 in der Firma, zuletzt als Vorarbeiter und Abteilungsleiter. Nachdem er alkoholisiert mit einem Dienstwagen gefahren und von der Polizei erwischt worden war, musste er seinen Führerschein abgeben. Die Firma kündigte ihm deshalb am 28. März zum 31. Mai.

Darauf bat ihn die Geschäftsführung, seinen Firmen-Computer und das -Handy abzugeben. Und sie forderte ihn auf, seine privaten Dateien von diesen Geräten zu löschen. Dies spielte bei der Entscheidung über die Klage später noch eine wichtige Rolle.

Die Chefs durchsuchten danach PC und Handy nach Dateien, die die Firma betreffen. In einem Ordner, den der gekündigte Mitarbeiter „Verpackungsanweisungen“ genannt hatte, fanden sie „diverse Ausführungen von Nacktfotos von Mitarbeiterinnen“, wie Richter Rühle der HNA berichtete.

Und sie stellten fest, dass der Mann etwa zehn untergebenen Mitarbeiterinnen SMS mit sexuellem Inhalt geschickt hatte: „Ich könnte jetzt mit dir vögeln, bis der Arzt kommt“ und „Ein geiles Bild von dir hätte ich jetzt gerne, dann wäre es beim Duschen einfacher“, stand beispielsweise in diesen Kurznachrichten, die Rühle zitierte. Als Beweise vor dem Arbeitsgericht wurde der SMS-Verkehr mit vier Frauen vorgelegt. Die Frauen selbst mussten nicht aussagen.

In diesen SMS hatte der damalige Vorarbeiter, der für die Diensteinteilung der Frauen zuständig war, zum Beispiel auch angekündigt, andere Mitarbeiterinnen früher nach Hause zu schicken, um mit einer Kollegin allein zu sein, damit er mit ihr ungestört Sex haben konnte. Einer Mitarbeiterin schickte er ein pornografisches Foto und verlangte von ihr, ihm ein solches von ihr zu schicken. „Er hat die Frauen bedrängt, in einem Fall genötigt, teilweise haben sie mitgemacht“, sagte Richter Rühle.

Die Firma sah einen Missbrauch der Vorgesetztenstellung und kündigte dem Mann fristlos zum 1. April. Dagegen klagte der 44-Jährige, der den SMS-Verkehr nicht bestritt, aber in der Verwendung der SMS als Beweise einen Eingriff in seine Persönlichkeitsrechte sah.

Das Arbeitsgericht sah das anders. Es geht zwar davon aus, dass die Firma die private Nutzung von Handy und PC während der Arbeitszeit duldete. „Der vertretbare Rahmen wurde aber bei weitem überschritten“, sagte Rühle. „Ein Firmen-Handy dient nicht dazu, pornografische Fotos hochzuladen.“ Allein dieser Tatbestand rechtfertige eine fristlose Kündigung, die das Gericht auch als rechtens ansah. Die Klage des Mannes wurde zurückgewiesen.

Wichtig für das Gerichtsurteil war, dass die Chefs den Mann nach der ersten ordentlichen Kündigung aufgefordert hatten, alle privaten Dateien zu löschen. Danach hätten sie Zugriff auf die verbliebenen Daten nehmen dürfen, so Rühle.

Von Jörg Paulus

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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