Missbrauch und Nötigung von zwei Stieftöchtern

Sexuelle Vergehen: Vier Jahre Haft für 67-jährigen Mann 

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Symbolbild

Frankenberger Land. Vier Jahre und drei Monate Haft wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes und sexueller Nötigung lautet das Urteil gegen einen 67-Jährigen aus dem Frankenberger Land, der sich nach Überzeugung des Marburger Landgerichts an zwei seiner Stieftöchter vergangen hat.

Im Raum standen noch mehrere weitere Vorwürfe wegen Delikten zu Lasten zweier weiterer Stieftöchter und einer leiblichen Tochter des Rentners, die jedoch verjährt sind. In ihren Zeugenaussagen hatten die Frauen entsprechende Angaben gemacht.

Kammervorsitzender Thomas Wolf machte deutlich, dass der Angeklagte von älteren Vorschriften profitierte. „Nach heutigem Rechtszustand und heute geltenden Verjährungsfristen wäre das Strafmaß zweistellig mit anschließender Sicherungsverwahrung“, machte der Richter deutlich. Wenn auch nicht so deutlich, werde allerdings trotzdem das Strafmaß durch diese Taten mitgestimmt, so Wolf.

Verurteilt wurde der 67-Jährige letztlich für zwei sexuelle Übergriffe zu Lasten einer zum Tatzeitpunkt unter 14-jährigen Stieftochter und einer sexuellen Nötigung bei ihrer zwei Jahre älteren Schwester, bei der er von der Jüngeren gestört wurde. „Es ist tragisch, dass die Mutter in keiner Weise geholfen hat“, so Wolf. Die Frau erwartet ein Verfahren wegen Falschaussage, denn weder das Gericht noch Oberstaatsanwältin Kerstin Brinkmeier glaubten ihr, dass sie nichts gewusst habe. Ihre Tochter hatte berichtet, die Mutter habe ihr, nachdem sie ihr von den Vorfällen berichtet hatte, Hilfe zugesagt. Passiert sei nichts.

Mit dem Urteil blieb die Kammer neun Monate unter dem Antrag Brinkmeiers. Verteidiger Hartmut Mitze hatte vergeblich auf Freispruch plädiert. Seiner Auffassung nach war die Aussage des mutmaßlichen Opfers des Kindesmissbrauchs nicht ausreichend für eine Verurteilung.

Eine Sachverständige hatte in ihrem aussagepsychologischen Gutachten davon gesprochen, dass Teile der Aussage auf Vermutungen beruhen. Wolf betonte, dass dagegen die Teile, die tatsächlich angeklagte Vorwürfe betrafen, jedoch auch nach Auffassung der Psychologin auf tatsächlich Erlebten beruhten, auch wenn die Frau vor ihren Aussagen eventuell sich schriftlich vorbereitet hat. „Es gibt überhaupt kein Motiv für eine Falschaussage“, so der Vorsitzende.

Die Taten lägen lange zurück so Wolf anschließend, aber genau das zeige, anders als bei schneller Verhandlung, wie weitreichend die Folgen für die Opfer sexueller Gewalt sein können, hob er hervor. Die heute 29-jährige jüngste Stieftochter befindet sich nach einem Selbstmordversuch und teilweise stationärer psychiatrischer Behandlung bis heute in Therapie und hat laut übereinstimmender Aussage mehrerer Zeugen bis jetzt Schwierigkeiten, ihr Leben zu bewältigen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (kse)

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