Lockerungen ja, aber kein Leichtsinn

Sieben Wochen Corona-Krise: So ist die Stimmung im Frankenberger Land

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Die Maskenpflicht is t für Tanja Schnell (links) vom Naturkostladen Lipinski am Frankenberger Untermarkt „richtig anstrengend“ – hier mit Kundin Sonja Fleck-Noll. 

Nach sieben Wochen in der Corona-Krise haben wir Menschen im Frankenberger Land nach ihrer Meinung und ihren Empfindungen zum Umgang mit der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen gefragt.

  • Umfrage der HNA in der Bevölkerung
  • Menschen sind für Lockerungen, warnen aber vor Leichtsinn
  • Familien und Senioren leiden unter Beschränkungen

Kontaktbeschränkungen, Besuchsverbote und zuletzt die Maskenpflicht in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr: Den Menschen im Frankenberger Land hat das die Laune offenbar noch nicht gänzlich verhagelt. Die Regelungen in der Krise treffen in der Bevölkerung weitestgehend auf Akzeptanz. Das ergab am Montag eine – nicht repräsentative – Umfrage der HNA in der Bevölkerung.

„Die Stimmung bei uns war immer gut, die Kunden nehmen in dieser Situation viel Rücksicht aufeinander. Die Abstandsregelungen werden eingehalten, auch die Maskenpflicht funktioniert sehr gut“, sagte beispielsweise Tanja Schnell vom Naturkostladen Lipinski am Frankenberger Untermarkt. Vor allem die Nachfrage nach Lebensmitteln sei enorm gestiegen – „weil wegen der geschlossenen Restaurants mehr selbst gekocht wird“. Und es werde auch wieder mehr selbst gebacken.

Belastung durch Maskenpflicht

Bei einer Lockerung der Beschränkungen hofft die 43-Jährige aus Neukichen vor allem auf den Wegfall der Maskenpflicht: „Mit Maske, das ist schon richtig anstrengend. Da kann ich mich am wenigsten dran gewöhnen.“ Um die Menschen zu schützen, geht sie allerdings davon aus, dass diese Situation noch lange so anhalten werde. Bei einer zu schnellen Lockerung der Beschränkungen befürchtet sie vor allem wieder einen Anstieg der Infektionszahlen. „Dann geht das Ganze wieder von vorne los.“

Bei Edeka-Baltz in Frankenberg bestellen viele Kunden per Telefon und nutzen den Lieferservice. Im Bild: (von links) Karin Beil, Ramona Hess und Regine Heck.

„Unsere Kunden sind gut drauf und froh, dass sie bei uns einkaufen können“, sagt auch Karl-Heinz Baltz, Chef von Edeka-Baltz in der Geismarer Straße in Frankenberg. Viele Bestellungen vor allem von älteren Kunden würden per Telefon angenommen. „Unser Lieferdienst hat enorm zugenommen, unser Auslieferungswagen ist von vormittags bis nachmittags unterwegs. Vom Umsatz her haben wir durch Corona keine Einbußen“, erzählt Baltz. 

Jeden Tag werde etwa 20 Kunden die telefonisch bestellte Ware kontaktlos bis vor die Haustür gebracht. Eines vermisst er aber doch: „Die persönlichen Gespräche mit den Kunden.“ Und auch die Belieferung durch den Großhändler funktioniere nicht immer lückenlos: „Das sieht man an den Regalen.“

Kunden haben Sorge vor Leichtsinn

Zu schnelle Lockerungen befürchet auch Doris Kirchhainer aus Roda. „Dann werden die Menschen schnell wieder leichtsinnig, dann wird es Rückschläge und wieder mehr Infizierte geben“, glaubt die 37-Jährige. Trotzdem freut sie sich darüber, dass Sohn und Tochter seit Montag wieder in den Kindergarten in Rosenthal gehen können. Doris Kirchhainer arbeitet in einer Klinik in Bad Zwesten, ihr Ehemann bei der Feuerwehr.

Sie freuen sich auf den Neustart im Kindergarten Pusteblume: Doris Kirchhainer und Tochter Line aus Roda.

„Dienstlich läuft es rund, die Stimmung in der Truppe ist gut“, berichtet Kay Reinke von der Frankenberger Burgwaldkaserne. Er hofft vor allem, dass viele Menschen „aus der Krise gut rauskommen“. Die Bundesregierung habe ihre Aufgaben zuletzt gut gemacht. Sein größter Wunsch für die nächste Zukunft: „Dass es in den Städten und Dörfern bald wieder Volks- und Heimatfeste geben kann.“

Auf „mehr Bewegungsfreiheit“ in der Öffentlichkeit hofft auch Christiane Bötzel aus Roda. „Es ist schon schade, dass man viele Menschen im Moment nicht treffen darf“, sagt die 55-Jährige. Auch für sie ist die Lage trotz der angestrebten Lockerungen immer noch „angespannt und ungewiss“. 

Familien und Senioren leiden unter der Krise

Vielen Eltern fällt es zunehmend schwerer, ihre Kinder, die nicht in Schule oder Kita gehen dürfen, zuhause zu betreuen, während sie selbst arbeiten. „Man hätte zu Beginn des Lockdowns den Personenkreis für die Kindernotbetreuung weiter fassen müssen“, findet Erzieherin Olga Schäfer aus Korbach

Olga Schäfer, Erzieherin aus Korbach.

„Besonders schlimm sind die Kontaktbeschränkungen für die Senioren“, sagt Regine Frese, die beim DRK-Kreisverband Frankenberg in der Seniorenarbeit tätig ist. „Den Menschen fehlen die Begegnungen bei Kaffeenachmittagen und gemeinsamen Unternehmungen“, sagt sie. „Anrufer erzählen mir, dass sie sich sehr einsam fühlen.“ 

Eine „zunehmende Vereinsamung und Isolation“ beobachtet auch der Kreisverband der Treffpunkte, der vor allem Menschen mit psychischen Erkrankungen betreut. „Im ambulant Betreuten Wohnen fordern einige Klienten inzwischen persönliche Kontakte ein – nicht mehr nur über Telefon oder Messengerdienste“, sagt Friedhelm Koch vom Vorstand. Das sei nun seit gestern wieder möglich. Und seine Kollegin Ronnie Vöhl-Homberger beobachtet „vermehrt Gereiztheit und Konflikte in den Wohngemeinschaften. Dies ist vielen sicherlich auch aus dem eigenen häuslichen Umfeld bekannt“.

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