Einkäufe kontaktlos auf den Balkon

Versorgt, aber einsam: Wie Bad Wildunger Seniorin die Corona-Zeit erlebt

„Coronahilfe“ vor den Festtagen: Vom Balkon ihrer Wohnung im Altenzentrum Haus Waldeck zieht Antje Sievers ein Körbchen mit Lebensmitteln hoch, die Peter Zimmer für für die Seniorin eingekauft hat.
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„Coronahilfe“ vor den Festtagen: Vom Balkon ihrer Wohnung im Pflege- und Betreuungszentrum Haus Waldeck zieht Antje Sievers ein Körbchen mit Lebensmitteln hoch, die Peter Zimmer für für die Seniorin eingekauft hat.

Ganz anders als gewohnt feiern Menschen in diesem Jahr das Weihnachtsfest. Eine Bad Wildunger Seniorin erzählt, wie sie den Alltag in Corona-Zeiten erlebt.

  • Wegen der verschärften Kontaktregeln im Zuge der Corona-Pandemie wird Weihnachten in diesem Jahr im kleinsten Kreis gefeiert.
  • Vor allem Senioren leiden in diesen Tagen an Einsamkeit, berichtet eine 79 Jahre alte Bad Wildungerin aus eigener Erfahrung.
  • „Coronahilfe“ in Form von Einkäufen und Gespräche mit Abstand vom Parkplatz zum Balkon sind willkommene Abwechslung im Alltag.

Bad Wildungen - Antje Sievers – eine 79 Jahre alte Bad Wildungerin – verbringt die Festtage allein in ihrer Wohnung im Haus Waldeck. Damit ihr die Lebensmittelvorräte nicht ausgehen, leistet Peter Zimmer „Coronahilfe“. Er erledigt den Einkauf und liefert kontaktlos aus. Den Korb, gefüllt mit Brot, Milch, süßen Leckereien und vier Weihnachtskerzen, zieht die Seniorin auf ihren Balkon im ersten Stock hinauf.

Verschärfte Vorsichtsmaßnahmen

Die Verpflegung ist perfekt, aber die Seele leidet unter den besonderen Umständen. „Voriges Jahr gab es im Haus so schöne Unterhaltung zum Weihnachtsfest“, erinnert sich die Seniorin an frohe Stunden im Pflege- und Betreuungszentrum Haus Waldeck.

Diesmal muss sie auf Gesellschaft verzichten. Die stark gestiegenen Corona-Infektionen geben gerade in Altenheimen Anlass zur Sorge. Die Vorsichtsmaßnahmen werden verschärft. Die Seniorin soll das Haus nicht verlassen und ist glücklich, dass ein Freund die Einkäufe erledigt.

Per Computer mit der Familie in Kontakt

Das füllt nicht nur die Vorräte auf, sondern die Gespräche vom Parkplatz zum Balkon bieten ein kleinwenig Abwechslung. „Man fühlt sich schon sehr einsam in dieser Zeit“, sagt die 79-Jährige nachdenklich. Dabei ist die ehemalige Grundschullehrerin geübt im Umgang mit Tablet und Computer und hält steten Kontakt mit ihren Angehörigen. Eine Tochter, drei Pflegesöhne und zwei Enkelkinder gehören zur Familie. „Die Enkel leben in den USA.“

Antje Sievers wohnt seit 1995 in Bad Wildungen. Heute lebt sie im Haus Waldeck und fühlt sich dort sehr wohl. Das Mittagessen bekommt sie zubereitet, mit Frühstück und Abendbrot versorgt sie sich selbst. Der Zufall führte vor rund einem Jahr mit Peter Zimmer zusammen. „Wir kannten uns von früher, haben uns aber viele Jahre nicht mehr gesehen“, sagt der 64 Jahre alte Rentner.

Weihnachtswunsch: „...dass Corona bald vorbei ist.“

Nach der überraschenden Begegnung in der Stadt fuhr der examinierte Altenpfleger die Seniorin nach Hause und hält seither steten Kontakt. Der Einkauf zweimal in der Woche gehört mittlerweile für ihn zum festen Ritual, aber auch gemeinsame Ausflüge werden unternommen. Längst sind schon Fahrten für das neue Jahr geplant. Nach Bremen soll es gehen, wo die 79-Jährige als Kind gelebt hat. Außerdem stehen der Harz und die Stadt Marburg auf der Wunschliste.

Aber das muss noch ein Weilchen warten. Antje Sievers wurde in Breslau geboren und hat in ihren fast acht Jahrzehnten schon viel mitgemacht. „Ich habe in Berlin die Blockade miterlebt und den Mauerbau – aber all das war nichts gegen die heutige Situation.“ Ihr Weihnachtswunsch kommt deshalb aus tiefstem Herzen: „...dass Corona bald vorbei ist.“

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