Demografische Entwicklung

Mitgliederzahlen sinken: So reagieren die Kirchen in Waldeck-Frankenberg auf Austritte

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Bänke bleiben öfter leer: Die Kirchen in Waldeck-Frankenberg leiden unter Mitgliederschwund.

Die Kirchengemeinden werden kleiner, auch in Waldeck-Frankenberg. Die Zahl der Kirchenglieder könnte sich einer Prognose zufolge bundesweit bis zum Jahr 2060 halbieren.

„Aber auch dann werden wir noch ein bedeutender Teil der Bevölkerung sein“, sagt die Dekanin des evangelischen Kirchenkreises Twiste-Eisenberg, Eva Brinke-Kriebel. Sie warnt davor, schwarzzumalen.

Die Kirchen spüren die demografische Entwicklung stark: Es gibt mehr Beerdigungen als Taufen. Entscheidend sind auch die Austritte. „Es ist heutzutage salonfähig, aus der Kirche auszutreten“, sagt die Dekanin. Viele stünden hinter der Institution, solange es in die persönliche Lebensphase passe, zum Beispiel, wenn das Kind konfirmiert wird.

Kirche als Solidargemeinschaft lebt von dauerhaften Mitgliedern 

„Aber die Kirche ist eine Solidargemeinschaft, die von dauerhaften Mitgliedschaften lebt.“ Die Kirche leiste wichtige Arbeit. „Doch das kriegen diejenigen gar nicht mit, die austreten.“ Daher setzt das Kirchenkreisamt in Korbach jetzt verstärkt auf Öffentlichkeitsarbeit. Die katholische Kirche reagiert zum Beispiel mit Pastoralvereinbarungen, die Ideen enthalten, um die Kirche zukunftsfähig zu machen.

Im Bereich des ev. Kirchenkreises Twiste-Eisenberg hat es in diesem Jahr schon mehr als 200 Austritte gegeben – bei 38.300 Mitgliedern. 2018 waren es 277, 2017 waren es 149 und 2016 noch 153. Demgegenüber stehen einzelne Menschen, die in die Kirche eingetreten sind: in diesem Jahr bereits 24. 

Im Bereich des Kirchenkreises Eder sehen die Zahlen ähnlich aus. 2018 gab es 265 Austritte und im laufenden Jahr bislang 234 bei aktuell insgesamt 43.097 Kirchenmitgliedern. Es gab in diesem Jahr aber auch schon 28 Eintritte. Stets waren mehr als die Hälfte derjenigen, die die Kirche verlassen haben, Männer.

Ein Mitgliederschwund ist auch in den evangelischen Kirchen des Oberen Edertals zu bemerken. Hier wird auch deutlich, dass Sterbefälle am stärksten dazu beitragen. Diese übersteigen nicht nur die Zahl der Austritte, sondern auch die Zahl der Taufen. „Das nehmen wir nicht schulterzuckend hin“, sagt der Dekan Andreas Friedrich. Die Kirche reagiere mit etlichen Initiativen und Veranstaltungen. 

Hintergrund: Das sind die Gründe für Kirchenaustritte

Menschen, die aus der evangelischen Kirche austreten, sind oft zwischen 25 und 35 Jahre alt. In diesem Alter werden viele erwerbstätig und zahlen erstmals Kirchensteuer. So erklärt es die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). 

Zudem werden kirchliche Angebote in dieser Lebensphase selten angenommen. Bis zum 31. Lebensjahr treten 30 Prozent der getauften Männer und 22 Prozent der Frauen aus der evangelischen Kirche aus. Das wirke sich auch auf die Taufzahlen aus.

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